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Verbergung statt Enthüllung

Thema Panama-Papers: Als ich am Sonntag Abend die Nachricht hörte hatte ich das Gefühl, das die Veröffentlichung der Briefkastenfirmen-Unterlagen etwas wirklich Wichtiges ist. Inzwischen bin ich sehr ernüchtert. Das ICIJ, also das „Internationale Konsortium investigativer Journalisten“ veröffentlicht die Daten nicht wirklich, sondern sucht sich aus, was veröffentlicht wird und was nicht. Das schreit nach Zensur und Meinungsmache. Wie kann ich ohne die Rohdaten wissen, ob die wesentlichen Nutzer der Briefkastenfirmen genannt werden oder nur Interessen durch selektive Veröffentlichung verfolgt werden? Gar nicht!

Wenn man es mit so einer Veröffentlichung wirklich ernst meint muss man die Rohdaten auf Wikileaks oder einer anderen geeigneten Plattform der Weltöffentlichkeit uneingeschränkt zur Verfügung stellen, alles andere hat keinen Wert. Journalismus darf so etwas nicht zensieren, er muss informieren und Sekundär-Recherche zulassen.

Und so kommt es auch, dass in manchen Medien, zum Beispiel Spiegel Online, Putin in Wort und Bild genannt wird, obwohl sein Name gar nicht vorkommt, sondern nur „Vertraute“ von ihm. Seltsamerweise sind aus Deutschland und USA gar keine Namen dabei, sind diese Länder so sauber oder liegt es daran, dass die federführende Süddeutsche Zeitung Personen schützt?

Jens Berger hat diesen Mangel auf den Nachdenkseiten sehr schön dargelegt:

Panama Papers – nicht Jahrhundertscoop, sondern Jahrhundertflop

Hoeneß Prozess: Alles glatt

wie viele andere habe auch ich in den letzten Tagen den Hoeneß-Prozess mit Interesse und Spannung verfolgt. Doch spätestens am dritten Tag hatte ich den Eindruck: jetzt legen sie aber den Schnellgang ein. Da werden Finanzbeamte befragt, die dann eine „Best case“ Schätzung abgeben, dass einem von der Höhe der Summen schwindelig wird, doch keiner interessiert sich für die Hintergründe. Keine Vertiefung, kein Nachfragen, kein „Woher, von wem, in welcher Weise, in welcher Höhe wirklich“. Das Höchstmaß für die Strafe ist 10 Jahre, die Summe spielt bei der Strafbemessung eine wichtige Rolle, man fragt sich, welche Summen für diese höheren Strafen nötig sind.

Die Verteidigung kündigt mit Theaterdonner Revision an, die Hoeneß dann „in der Familie“ verwirft und damit quasi über Nacht wieder zum Helden wird, den die Leute haben wollen. Seltsamerweise hat auch die Staatsanwaltschaft keine Fragen mehr, so wird die Sache kurz und schmerzlos gedeckelt und die Boulevard-Presse kann sich Gedanken über „Uli“ in Streifenklamotten machen.

Ich hätte schon gerne gewußt, wie man diese Summen an Steuern hinterzieht, und woher „Uli“ das Spielgeld dafür hat.

Ein Justiz-Kundiger macht sich auf SPON ähnliche Gedanken:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/uli-hoeness-verzicht-auf-revision-beendet-prozess-schnell-a-959051.html

Update vom 21.03.2014: Die Staatsanwaltschaft erklärt sich (SZ Artikel):

http://sz.de/1.1918285

Klingt gut, hat aber seine Schwächen: 52000 PDF-Seiten sind schnell auswertbar, weil man es mit dem Computer machen kann? Jeder, der im Job PDF verwendet, weiß, das das meist nicht so einfach ist, gerade auch dann, wenn es sich um Scans handelt, was bei Belegen ja oft der Fall ist.

Update vom 25.03.2014: Die FAZ sieht einen „unausgesprochenen Deal“:

http://www.faz.net/-gqp-7nofz