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Gläserne Wände

Trennung von Kirche und Staat ist etwas, was in Deutschland hoch gehängt und in der Praxis stets planvoll unterlaufen wird. Will man konfessionsfrei leben, so sind dem viele oft nur kleine, aber doch gewollte Hindernisse in den Weg gestellt.

Solche Hindernisse habe ich viele selbst erlebt, auch im Alltag hier in Altdorf. Beispiel Schule: Das Recht auf Konfessionslosigkeit wird hier an der Grundschule zwar formal gewährt, aber in der Anschauung der Verantwortlichen nicht hoch bewertet. Das spürt man bereits bei der Anmeldung, wo einem, trotz vorher bekannter Konfessionslosigkeit des Kindes, zu den vielen anderen Formularen auch ein Formular zur Anmeldung am katholischen Religionsunterricht mit untergeschoben wird. Auf Nachfrage warum denn, heißt es dann, „das wollen viele Eltern so“, und das Formular verschwindet sehr schnell. Ebenso bei der Handhabung des Morgengebetes, bei der (Nicht-)Ausgestaltung des Ethikunterrichtes, bei Abschlussgottesdienst und so fort. Dass sich ein Kind als Aussenseiter fühlt, ist manchen sicherlich nicht unwillkommen, Schuld sind dann eben die Eltern, die dem Kind das antun.

Der gute Ansatz von Brandenburg mit „Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde“ (LER)  wird von kirchlichen und konservativen Kreisen heftig bekämpft. Bezeichnend für die Situation in Deutschland ist, dass das Bundesverfassungsgericht in Klagen anstelle einer Entscheidung nur einen Vergleichsvorschlag unterbreitet hat. Dieser hat den Ansatz bereits sehr verwässert.

Auch so ein Thema zu Brandenburg: Schon 2003 hat Brandenburg mit der Katholische Kirche ein umstrittenes Konkordat abgeschlossen, das nur 4 Jahre nach der Wiedervereinigung dem Vatikan „unkündbar“ viele Rechte einräumte, obwohl nur gut 3% Katholiken in dem Bundesland verzeichnet sind. Siehe hierzu zum Beispiel https://www.ibka.org/artikel/ag03/brandenburg.html.

Solche Beispiele kann man viele finden. Der Humanistische Bund (http://www.humanismus.de/) hat eben unter dem Titel „Gläserne Wände“ eine Broschüre zur Benachteiligung von konfessionslosen Menschen herausgegeben, die es zum Download bei http://www.glaeserne-waende.de/ gibt. Sie stellt eine gute Sammlung dar. Felix Werdermann auf freitag.de hat sich des Themas angenommen, was der Anlass zu diesem Post war: https://www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/das-kreuz-mit-der-kirche-und-den-atheisten

Hier noch ein paar weiterführende Links:

Schulranzen: Teuer, häßlich, mit Verfallsdatum

Gerade bin ich durch einen Artikel im Spiegel, über ein Architektenehepaar, das erfolgreich eigene Schulranzen fabriziert, an eines meiner Lieblings-Grantler-Themen erinnert worden: Die Schulranzenmode.

Der Preis

Schon bei meinen beiden Jungs habe ich es erlebt: Die Einschulung ist ein feierlicher Akt und wird durch den Kauf eines Tornisters für die Schule vorbereitet. Oft sagen die Großeltern die Finanzierung des Kaufes zu, genauso sind auch die „Oma-Preise“: Für ein „Set“ eines der angesagten Hersteller aus Ranzen, Sporttasche, Mäppchen und Geldbeutel zahlt man gerne mal 200 Euro, das sind über 23 Arbeitsstunden auf unseren Mindestlohn bemessen. Brauchen tut man eigentlich nur den Ranzen, alles andere wäre leicht separat zu kaufen oder ist bereits im Haushalt vorhanden. Der Turnbeutel wäre wahrscheinlich aus Jute sogar sinnvoller. Man vergleiche dies mal mit den Preisen für billige Reisetaschen und Rucksäcke aus chinesischer Produktion, von den Materialien her durchaus vergleichbar (ein Beispiel), da fällt nur ein Bruchteil an. Auf einem Touristenmarkt rund um die Welt kann man sowas für einzelne Euro erstehen, wenn auch nicht in Top-Qualität. Vielleicht glaubt man ja, die erfolgreiche Schulkarriere lässt so sich erkaufen, auf jeden Fall ein Musterbeispiel für ein überteuertes Produkt.

Die Gestaltung

Auf den Ranzen für die Mädchen prangen Prinzessinnen, Einhörner, weiße Pferdchen und Blümchen meist auf rosa, auf denen der Jungen Raketen, Rennwagen, Saurier und Fußballspieler meist auf blau. Zu der Frage ob diese alberne Geschlechtertrennung so sein muss, müsste ich einen eigenen Post verfassen, das lasse ich hier mal weg.  Bei lizenzierten Motiven frage ich mich, ob die Lizenzkosten den Materialwert nicht manchmal übersteigen. Die Motive sind so gewählt, dass sie für einen Erstklässler ganz toll sind, aber für ein Kind in der 4. Klasse bereits so kindisch scheinen, dass es seinen Ranzen entweder hassen wird oder nicht mehr benutzen will. Der Folgekauf ist vorgegeben.

Die Haltbarkeit

Ich hatte vor fast 5 Jahrzehnten einen Schulranzen aus Leder im Querformat mit Metall-Schließen. Da ich nicht so der große Wegwerfer bin, liegt er im Keller noch bereit und wäre sofort zu benutzen, hat ein zwar ein paar Kratzer, ist aber noch genauso wie damals, obwohl ich ihn lange, auch noch in der Unterstufe des Gymnasiums, benutzt habe. Die zeitnahen Markenranzen meiner Jungs waren bereits in der dritten Klasse unansehlich bis Schrott: etwas verformter Rahmen, schlecht schließende verknautschte Deckel, verschlissene Klettverschlüsse, verschmutzte Dekore. Ist auch konsequent, wenn sie nicht lange halten, da sie ja eh bald weg müssen, siehe Gestaltung.

Die Lösung

Es gibt wahrscheinlich keine. Vergeblich habe ich kurz versucht, für meine Tochter Hanna meinen Lederschulranzen zu bewerben, das wäre im wahrsten Sinne des Wortes Old-School (aber bei Waldorfschulen angesagt)  und war so weder bei Tochter noch Mutter zu machen. Individualität ist bei den Dekors der Schulranzen wichtig, wird aber bei einem Lederschulranzen seltsamerweise zum Aussenseitertum. Der Kauf der auf das Dekor verzichtenden Kundschafter-Ranzen bei dem Architektenpaar des zitierten Artikels, das diesen Markt sehr geschickt als lukrativ erkannt hat, ist zwar sehr exklusiv und etwas elitär, aber auch nicht wirklich günstiger. Ein mir sympatischer Ansatz wäre es, den lässigen Rucksack, der spätestens ab der 4. Klasse eh benötigt wird in einem geeigneten Design schon ab der ersten Klasse zu benutzen, damit ist man aber natürlich auch schon wieder „anders“.

Unsere Lösung war der Kauf eines günstigen Herlitz-Schulranzens mit relativ unauffälligem Muster im Bürogroßhandel, da war er bezahlbar und der Preis reell, da der Aufschlag für die angesagte Marke und den Einzelhandel genauso wie die Lizenzkosten für das Dekor wegfallen. Unsere Tochter hat nicht darunter gelitten, der Ranzen erfüllt seinen Zweck sehr gut. Ein funktioneller Rucksack wird trotzdem folgen müssen, ist gut für das Wirtschaftswachstum.

Dieter Tremel

17. April 2013

Hier mal wieder etwas in eigener Sache, von Vaterstolz geprägt.

Gestern hatte meine Tochter Hanna einen großen Tag, denn Ihr Einschulungstest in der Grundschule hat stattgefunden. Dass Hanna schulreif ist, war ich mir relativ sicher, aber das große Lob der beiden testenden Lehrerinnen hat mich um 2 cm wachsen lassen 🙂 Beate und ich haben uns darüber sehr gefreut.

Am späten Nachmittage hat Hanna noch eins drauf gesetzt: Sie wurde von einer Kindergartenfreunding mit zum Leichtathletiktraining der DJK Altdorf mitgenommen. Leichtathletik war immer die Wunsch-Sportart von mir für unsere Tochter, da es ein Sport ist, wo Weiblichkeit und Leistung wunderbar zusammen harmonieren. Ein messbarer Sport, bei dem gute Ergebnisse auch dem Laien unmittelbar sichtbar sind, nicht nur einer erfahrenen Schiedsrichter-Jury wie etwa beim Eiskunstlauf oder beim Turnen.

Die Trainerin wollte Hanna erst gar nicht nehmen, weil Kinder meist ab 6 Jahren als reif für dieses Training angesehen werden und sie das erst im August wird. Es sind auch sehr viele Kinder in dieser Gruppe. Nach dem Probetraining ganz anders: Hanna hat so konzentriert, ehrgeizig und freudig mitgemacht, dass sie positiv aufgefallen ist und dort als Nachwuchs wirklich willkommen ist. Für mich ist damit ein Wunsch in Erfüllung gegangen, ich würde mich freuen wenn die Kombination von Hanna und Leichtathletik eine Zukunft hat 🙂