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Portugal in den Medien

Die Online-Medien an diesem Wochenende sprechen über die Atombomben in Nordkorea, viel über die Stühle im NSU-Prozess und noch mehr über den FC Bayern als Meister.

Ein Thema bleibt dabei auf der Strecke, dabei ist es für uns bedeutender als die obigen drei: Portugals Verfassungsgericht beurteilt die Einseitigkeit der Sparpläne der Regierung in Teilen als verfassungswidrig. Europa fällt als politisches und wirtschaftliches Konstrukt auseinander, und wir reden über Korea. Die Meldungen über das Urteil in Portugal muss man suchen, wenn dann am ehesten als Verurteilung des ach so verantwortungslosen Gerichts.

Dem möchte ich entgegenwirken, indem ich ein paar Links heraussuche:

http://www.taz.de/Kommentar-Portugal/!114100/

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/2061471/ und als audio:

Im Wesentlichen profitiert der Anleger

Wer es noch lesen und hören kann: Bemerkenswertes Interview mit Hans-Werner Sinn im dradio.de zu Griechenland-Hilfe.

Auch wenn ich Herrn Sinns Ansichten nicht immer teile, spricht er doch vieles sehr deutlich an, besonders in diesem Abschnitt:

Armbrüster: Wer profitiert denn von diesem Hilfspaket, das da morgen beschlossen werden soll?

Sinn: Na ja, im Wesentlichen profitiert natürlich der Anleger. Sie müssen bedenken: Es sind hier drei Gruppen im Spiel miteinander. Das eine sind die internationalen Gläubiger der südlichen Länder, dann sind es die südlichen Länder selber, die sich verschuldet haben; die beiden haben ein Problem miteinander. Und die dritte Gruppe besteht aus den Steuerzahlern der noch gesunden Länder. Und da der Schuldner dem Gläubiger nichts zurückzahlen kann, sucht man jetzt eben die Hilfe des Steuerzahlers. Der soll anstelle des Schuldners zurückzahlen, damit die Gläubiger sich noch aus dem Staube machen können. Nun gut: Die Gläubiger sind zum Teil wir selber über unsere Banken und Lebensversicherungen, aber auch nur zum Teil.

Die hauptsächlichen Gläubiger Südeuropas sind die französischen Banken und dann sind natürlich Anleger aus aller Welt da: amerikanische Pensionsfonds, es sind die Chinesen dabei, wer auch immer. Und indem wir jetzt diese großen Rettungsaktionen machen, erlauben wir es den Gläubigern aus aller Welt, sich da noch rauszuziehen und ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen, und wir und unsere Kinder werden stattdessen zu Gläubigern der Südländer. Das ist für die alle gut, die fühlen sich beruhigt, man redet davon, die Kapitalmärkte sind beruhigt, aber ich finde, dieser Prozess gibt jeden Anlass, selber beunruhigt zu sein.

Portugals Soldaten stellen sich gegen den Sparkurs

Gestern im Weltspiegel kam ein beeindruckender Beitrag über einen Protestmarsch portugiesischer Soldaten in Lissabon gegen den Sparkurs:

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/swr/2012/portugal-veteranen-100.html

http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/329478_weltspiegel/12420730_portugal-veteranen-der-nelkenrevolution-proben

Beate und ich haben uns ja in Portugal kennengelernt, viele Plätze und Ecken kannte ich noch sehr genau und konnte sehen, wieviele Menschen es waren. Bemerkenswert, wenn sich Eliten des Landes so breit gegen die europäische Politik stellen, auch Soldaten, die schon an der Nelken-Revolution beteiligt waren. Das wird kein leichter Besuch für Merkel.