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South Stream Pipeline

Russland die Entscheidung bekannt gegeben die sogenannte South Stream Pipeline auch nicht weiter zu verfolgen. In Teilen der Medien wird das als überraschende Entscheidung Putins dargestellt, der Europa unter Druck setzt und hängen lässt. Ebenso auch von der Russlandkorrespondentin heute morgen im DLF. Der n-tv.de titelt gar: „Putin bremst uns aus“.

Im tagesschau.de Artikel wird aber auch er eigentliche Hintergrund erwähnt, dass die EU bereits im Juni 2014 das Projekt auf Drängen der USA praktisch gestoppt hat:

Die South-Stream-Pipeline soll Gas an der Ukraine vorbei von Russland nach Europa bringen. Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise ist das Milliardenprojekt zum umkämpften Faustpfand zwischen Moskau und der EU geworden. Nach erheblichem Druck aus Brüssel und Washington hatte das Transitland Bulgarien im Juni die Vorarbeiten an dem Pipeline-Projekt ausgesetzt. Die USA hatten insbesondere kritisiert, dass Bulgarien ein russisches Konsortium ausgewählt hatte, um den Teilabschnitt der Leitung durch das Land zu bauen.

Ist schon seltsam, da soll um die Ukraine, ein bankrottes Land im Bürgerkrieg, das schon mal die Gaslieferungen nach Europa behindert hat eine Umgehungspipeline gebaut werden, die die Versorgungssicherheit in Europa erhöht, und Europa stoppt dieses Projekt. Alles nur zu unserem Besten? Ich zitiere hier wieder meinen Post mit dem sehr deutlichen Interview von Condolezza Rice, die unverblümt sagt, dass die Europäer doch Energie bei den USA kaufen sollen.

Ist die OPEC verrückt geworden?

Man reibt sich die Augen: Die Ölpreise sind seit dem Sommer im freien Fall: waren es im Juni noch 113,3 $ pro Barrel, so sind es heute, 27.11.2014 nur noch 75,6 $, also ein Rückgang von 33% in einem halben Jahr. Grund ist die hohe Fördermenge der OPEC, bei eher geringerer Nachfrage wegen einer schwachen Weltwirtschaft. 2008 waren es sogar schon einmal 147,40 $.

Die Heizölpreise in Deutschland sind in diesem Zeitraum immerhin um 19% gesunken. Die Dieselpreise von Juni bis Oktober leider nur um ca. 6%, da freuen sich die Mineralölkonzerne. Als Erdgaskunde frage ich mich: Wo bleibt die Kopplung an den Ölpreis? Nach oben hat das immer gut funktioniert, aber jetzt hat mich noch keine Senkung erreicht 😉 Aber das nur am Rande, ist eigentlich nicht das Thema dieses Posts.

Wie würden sie als Ölanbieter bei solchem Preisverfall reagieren, wenn die Fördermenge hoch ist? Weniger verkaufen und dafür teurer? So hat das in der Vergangenheit schon öfter funktioniert, diesmal aber nicht: Die OPEC fördert weiter auf Teufel komm raus, hat heute eine Drosselung abgelehnt, rational sehr schwer erklärbar.

Manche, auch Russland, sagen, das ist so gewollt, um Russland die Geldquelle abzudrehen und es so zu destabilisieren. Die wird aber meist sofort als krude Verschwörungstheorie abgetan, ein Begriff den man in letzter Zeit sehr oft und schnell als Etikett an missliebige Deutungen anheftet. Den Vogel abgeschossen hat heute morgen der „ARD Energieexperte“ Jürgen Döschner im Deutschlandfunk, der das ganze als Aktion von Saudi-Arabien und anderen gegen die USA deutete, um deren heimische Erdölgewinnung mit Fracking unrentabel zu machen. Erst im weiteren Verlauf des Beitrages hat er Russland mal so nebenbei erwähnt. Unglaublich, wie man im ÖR-Rundfunk für dumm verkauft wird. Nebenbei gesagt: Venezuela war für eine Drosselung der Förderung, Saudi Arabien als Verbündeter der USA dagegen. Ist doch logisch, dass es gegen die USA geht, oder?

Condoleezza Rice erklärt, wohin die Reise geht

Man kann es auch direkt hören, was Ziel der Ukraine_Krise ist: Condoleezza Rice, frühere US-Außenministerin, erklärt, was Europa in Zukunft tun sollte: Energie (Gas) und Rohstoffe nicht mehr bei den Russen kaufen, sondern aus Nordamerika beziehen. Ich freue mich jetzt schon auf meine zukünftigen Gasrechnungen 😉

Ukraines Schulden werden ohne die Ukraine verhandelt

Die Schulden der Ukraine für die russischen  Gaslieferungen betragen 3,5 Milliarden Dollar und werden gerade von Energiekommissar Günther Oettinger und dem russischen Energieminister Nowak verhandelt. Interessanterweise sitzt gar kein Vertreter der Ukraine mit am Tisch.

Für diese skurrile Situation gibt es zwei Erklärungen: Zum einen hat die Ukraine, vereinfacht gesagt, bei ihren eigenen Finanzen nur noch eingeschränkt etwas zu melden. Und zum anderen geht es bei russischem Gas für die Ukraine auch immer um Gas für Europa. Die Ukraine ist praktisch bankrott und kann nur noch mit Hilfe des Westens seine Beamten bezahlen oder Straßen reparieren. Oettinger machte deutlich, dass das mit dem Internationalen Währungsfonds sowie der EU vereinbarte Milliarden-Hilfsprogramm auch zum Bezahlen der Gas-Schulden gedacht sei. Anders ausgedrückt: Der Westen bezahlt (indirekt) Russland, also verhandelt der Westen auch mit Russland.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-05/ukraine-russland-eu-gasstreit-oettinger

Ich verstehe nicht, warum in unseren Medien Russland immer als Verlierer der Situation dargestellt wird. Die strategisch wichtige Krim ist bereits sicher für Russland, der weniger wichtige ukrainische Osten mit seinen Rohstoffvorkommen aber auch immensen Altlasten kann kommen, muss aber nicht. Russland lehnt sich zurück und beobachtet. Europa wird der Zahlmeister für einen bankrotten und hilfsbedürftigen Reststaat Ukraine sein, wie immer dieser auch aussieht. Das kann man an diesen Verhandlungen bereits sehen, ebenso wie an vielen Aussagen des Finanzministers Schäuble.

Süßstoff zu Fracking

Fracking soll uns im Gegenzug zu hohen Risiken für gerade mal ca. 20 Jahre angeblich billigeres Erdgas bescheren. Wer sich die Technik anschaut, erkennt, dass dies nur rentabel sein kann, wenn die Risiken und Folgekosten sozialisiert werden. Dazu muss man sich die reisserischen Videos von angezündeten Wasserhähnen gar nicht anschauen.

Christoph Süß sieht dies ähnlich: