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Uschi kauft ein

Nun ist es offiziell: Das Sturmgewehr G36 wird ersetzt, Ursula von der Leyen lässt ein ganz neues beschaffen, das soll reichlich kosten, mindestens eine halbe Milliarde Euro. Es wird ausgeschrieben, doch ich wette, Heckler & Koch bekommt den Zuschlag.

Das ist der Ausgang, wie ich ihn schon bei dem ganzen Theaterdonner um die Mängel des G36 voraus gesehen habe und in dem Post über die Genauigkeitsprobleme geschrieben habe: Es ging nicht um Schadensersatz, sondern um die Vorbereitung der Bevölkerung auf umfangreiche Waffenkäufe.

In einem Kommentar macht sich René Heilig Gedanken warum, und was mit den alten G36 passiert.

Update 10.09.2015: Schöner Artikel hierzu:

G36-Affäre – Nichts ist so, wie es scheint

Out of Area mit HK G36

Gerade ein großes Thema, auch heute morgen wieder im DLF: Das Bundeswehr-Standard-Gewehr G36 schießt nicht mehr genau, wenn es heiß wird. Der Interview-Partner im DLF meinte, dass das G36 ja seinerzeit nicht so definiert gewesen ist, es werde jetzt viel mehr bei „out-of-area“-Einsätzen verwendet. Auch sei es so, dass früher der Feuerstoß eher sparsam eingesetzt werden sollte, während die Einsätze heute dies mehr erfordern.

Als ich meinen Grundwehrdienst leistete, was ich übrigens schon oft bereute, wurde nie vom Krieg gesprochen, sondern vom Verteidigungsfall. Das Wort Krieg war eher verpönt, es wurde nie benutzt, der V-Fall war dagegen allgegenwärtig. Das gedachte Bild war damals wie im Grundgesetz formuliert, „wenn das Staatsgebiet mit „Waffengewalt“ von außen angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht“.

Der Interview-Partner dagegen macht es wieder einmal deutlich: Die Verteidigung findet heute nicht zuletzt „out of area“ statt, also überall auf der Welt, wo wir gerade „nach dem rechten sehen“ müssen. Peter Struck hat das ja mit dem „Hindukusch“ so salonfähig gemacht. Wir schießen dabei nicht nur sparsam, sondern viel mehr mit Feuerstoß. Wir verteidigen uns ja nicht nur, sondern führen einen „Krieg gegen den Terror“ und bestreiten dabei viele „humanitäre Einsätze“. Was für ein schauriger Paradigmenwechsel.

Beim Zuhören beschleicht mich der Verdacht, dass es gar nicht um die Tauglichkeit des G36, die Kritik an früheren Verteidigungsministern oder das sparsame Verwenden von Steuergeldern im Verteidigungsetat geht. Ziel ist wohl eher die geistige Vorbereitung der Bevölkerung auf eine neue Beschaffungsrunde für ein „richtiges“ Gewehr, mit dem wir uns dann auch in den heißen Ländern dieser Welt „verteidigen“ können.

Da bleibt einem eigentlich nur noch die Satire:

http://www.der-postillon.com/2015/04/aus-scham-g36-konstrukteur-versucht.html

Update 10.10.2015: Siehe den Folgeartikel zur Neubeschaffung: Uschi kauft ein

Verteidigungsfall am Hindukusch

Immer noch klingt mir der Satz von Peter Struck in den Ohren, mit dem er sicherlich in den Geschichtsbüchern stehen wird: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“ Dies steht im krassen Widerspruch zu der Geisteshaltung des Grundgesetzes und auch zu jener, die ich in meinem Grundwehrdienst vor langer Zeit kennen gelernt habe. Damals war eine Bundeswehr als internationale Interventionsarmee noch undenkbar.

Der CSU-Vorsitzende Peter Gauweiler, der immer wieder für seiner Partei unbequeme Meinungen steht, hat es in einer Rede sehr gut formuliert, Chapeau!

http://www.sueddeutsche.de/politik/gauweiler-rede-bei-der-bundeswehr-zurueck-zur-landesverteidigung-1.1988409

Download der Rede als pdf von Peter Gauweilers Seite