Archiv der Kategorie: Wirtschaft

Europoly

Europoly, so heißt die medial gekonnt aufbereitete Studie zur Situation in den Ländern wie Portugal und Griechenland, die derzeit unter dem Einfluss der Troika stehen und kaum Aussichten haben, als Gewinner aus der Krise zu kommen.

Etwas sarkastisch wird die Analogie zum Spiele-Klassiker Monopoly aufgezeigt. Sehenswert!

http://europoly.tagesspiegel.de/

 

Link

In Filmberichten und Diskussionen wird oft der „kleine Mann“ als wesentlicher Teil unserer Gesellschaft erwähnt und über dessen Befindlichkeiten und Bedürfnisse spekuliert. Nur selten wird dieses Stereotyp aber definiert, hinterfragt und analysiert.

Nils Markwardt macht das in einem guten Artikel auf freitag.de sehr durchdacht:

https://www.freitag.de/autoren/nils-markwardt/kleiner-mann-warum

Hschnihip-pe-pe

Der Postillon erklärt TTIP. Köstlich! Zitat:

Wofür steht TTIP?
TTIP ist die Abkürzung für Transatlantic Trade and Investment Partnership. Übersetzt bedeutet das in etwa „Das Jade-Reh galoppiert an einem milden Frühlingsabend über eine Blumenwiese“.

http://www.der-postillon.com/2016/05/ratgeber-ttip.html

Schön gemacht von Postillon. Nach den jüngsten Veröffentlichungen glaube ich nicht mehr an eine Verabschiedung von TTIP vor der nächsten Bundestagswahl. Wäre schön, wenn es das wäre!

Verbergung statt Enthüllung

Thema Panama-Papers: Als ich am Sonntag Abend die Nachricht hörte hatte ich das Gefühl, das die Veröffentlichung der Briefkastenfirmen-Unterlagen etwas wirklich Wichtiges ist. Inzwischen bin ich sehr ernüchtert. Das ICIJ, also das „Internationale Konsortium investigativer Journalisten“ veröffentlicht die Daten nicht wirklich, sondern sucht sich aus, was veröffentlicht wird und was nicht. Das schreit nach Zensur und Meinungsmache. Wie kann ich ohne die Rohdaten wissen, ob die wesentlichen Nutzer der Briefkastenfirmen genannt werden oder nur Interessen durch selektive Veröffentlichung verfolgt werden? Gar nicht!

Wenn man es mit so einer Veröffentlichung wirklich ernst meint muss man die Rohdaten auf Wikileaks oder einer anderen geeigneten Plattform der Weltöffentlichkeit uneingeschränkt zur Verfügung stellen, alles andere hat keinen Wert. Journalismus darf so etwas nicht zensieren, er muss informieren und Sekundär-Recherche zulassen.

Und so kommt es auch, dass in manchen Medien, zum Beispiel Spiegel Online, Putin in Wort und Bild genannt wird, obwohl sein Name gar nicht vorkommt, sondern nur „Vertraute“ von ihm. Seltsamerweise sind aus Deutschland und USA gar keine Namen dabei, sind diese Länder so sauber oder liegt es daran, dass die federführende Süddeutsche Zeitung Personen schützt?

Jens Berger hat diesen Mangel auf den Nachdenkseiten sehr schön dargelegt:

Panama Papers – nicht Jahrhundertscoop, sondern Jahrhundertflop

Griechische Seelenlandschaften

Das Thema Griechenland ist aus den Schlagzeilen verschwunden, statt dessen beschäftigen und jetzt brennende Flüchtlingsunterkünfte, Gottseidank bislang noch meist vor dem Bezug. Dabei sind viele Probleme noch nicht gelöst und die wenig auf die Belange der griechischen Bevölkerung Rücksicht nehmende deutsche Verhandlungsstrategie sollte uns jetzt noch die Schamröte ins Gesicht treiben.

Um so bemerkenswerter ein Radiofeature von Alkyone Karamanolis, das heute in Bayern 2 Radio gesendet wurde und um 20:05 nochmals wiederholt wird:

Griechische Seelenlandschaften
Von Umbrüchen und Aufbrüchen
Von Alkyone Karamanolis

Es gibt ein „Davor“ und ein „Danach“ in Griechenland, die Krise hat das Land tiefgreifend verändert. Der äußere Wandel ist leicht zu erkennen: entmietete Geschäfte, magere Straßenbeleuchtung, ein ausgedünnter öffentlicher Nahverkehr mit überfüllten Bussen und U-Bahnen, Baustellen, an denen die Arbeit zum Erliegen gekommen ist. Was man nicht sieht, sind die Veränderungen im Inneren der Menschen. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, Biographien sind aus dem Tritt geraten: Da ist der ehemalige Betreiber einer Jazzbar, der heute als Friedhofswärter arbeitet. Da ist die Rentnerin, die Mühe hat, ihren Alltag zu bestreiten. Oder der Arzt, der eine Solidaritätsklinik gegründet hat. Und dann sind da die zwei jungen Designerinnen, die aus der Not eine Tugend gemacht haben und mit großem Erfolg Produkte aus billigen Materialen kreieren. Ein Feature von Alkyone Karamanolis.

Es beleuchtet die Krise, den politischen und medialen Umgang damit, und der Auswirkungen auf die Menschen fundiert und genau, auch die aktuelle Situation und hat mir deshalb gut gefallen.

http://www.br.de/radio/bayern2/inhalt/radio-revue-griechenland-100.html

Auch zum Nachhören:

 

EU ist zu doof für Netzneutralität

Manchmal mag einem um die Zukunft des guten alten Europas richtig Angst werden: Statt uns auf unsere Stärken zu besinnen und unsere Probleme zu lösen, schmeißen wir Milliarden in angeblich systemrelevante schwarze Löcher, statt guter Bildung für alle geht es eher in Richtung Privatschulen und teure Studiengebühren, statt Freundschaft und Handelsbeziehungen zu unserem wichtigen Nachbarn Russland beleben wir alte Feindschaften wieder. Da frage ich mich oft, wie lange kann das gut gehen, bis wir unseren Wohlstand verlieren.

So kann man es jetzt auch wieder beim wichtigen Thema der Netzneutralität beobachten: Das Thema war auch in den USA umstritten, wurde aber dort konsequent gelöst. Die Fürsprecher der Netzneutralität, zu denen auch Präsident Obama gehört, haben sich knapp durchgesetzt und die FCC strenge Regeln verabschiedet. Bei uns in Europa hat man wieder den Königsweg gewählt, indem das Parlament der Lobby der Telekommunikationskonzerne ein Gesetz zu Pass gemacht hat, wo die Netzneutralität zwar drauf steht, aber fast nicht drin ist. Windelweiche Absichtserklärungen und Ausnahmen groß wie Scheunentore statt klarer Regelungen. Die Telekom hat sich gleich mit einer Ankündigung bedankt, wie man das in Zukunft zum Gelddrucken verwenden möchte.

Sascha Lobo hat das Verhängnis in seine Kolumne sprachlich geschliffen wunderbar beschrieben:

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/die-netzneutralitaet-bleibt-und-huehnchen-ist-vegan-kolumne-a-1059909.html

Weitere Links:

http://www.sueddeutsche.de/digital/it-wirtschaft-wie-die-telekom-und-facebook-netzneutralitaet-verstehen-1.2715096

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Netzneutralitaet-Proteste-gegen-Telekom-Vorstoss-fuer-Internetmaut-2866390.html

Zur Vertiefung: Heise c’T Artikel aus 2013 zur den Irrtümern in Sachen Netztneutralität.

Und weil das Video von TotalBiscuit einfach so gut ist, will ich es hier wiederholen:

Bauen mit dem Geld von morgen

Der Wahnwitz von Öffentlich-private Partnerschaften ist hier schon öfter Thema gewesen. Gerade ist in Bayern die A8 München Ulm sechspurig ausgebaut worden, Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat sich dafür in Szene gesetzt und die Segnungen von ÖPP gepriesen.

Wenn der Deutschlandfunk ein gutes und kritisches Dossier dazu macht, muss ich natürlich darauf hinweisen:

http://www.deutschlandfunk.de/oeffentlich-private-partnerschaften-bauen-mit-dem-geld-von.1170.de.html?dram:article_id=324309

Bauen mit dem Geld von morgen – Über Sinn und Unsinn öffentlich-privater Partnerschaften (Manuskript als pdf) (108 kB)