Archiv der Kategorie: Umwelt

Warum Atomstrom?

Nun ist sie schon vertraut, die Atomwende, Deutschland rückt vom Atomstrom ab. Vor allem nach Fukishima habe ich mich gefragt, warum haben wir das überhaupt gemacht, die Probleme waren doch schon vorher bekannt.

Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben Ausmaße, die die Vorstellungskraft übersteigen. Eine aktuelle Meldung zeigt den fahrlässigen Umgang damit, weil die wahren Dimensionen nicht vermittelbar oder bezahlbar sind:

Fukushima – Strahlenforscher kritisiert Aufforderung zur Rückkehr in verseuchte Gebiete

Jahrzehntelang wurde erzählt, wie billig und umweltschonend Atomstrom ist. Ich kann dem nicht folgen, den Erträgen gegenüber stehen enorme Kosten für:

  1. Subventionen zur Entwicklung der Technologie
  2. Urangewinnung (siehe Mali)
  3. Betrieb
  4. Sicherheit vor Sabotage und Terrorismus
  5. Abbau, Zwischen- und Endlager der radioaktiven Stoffe
  6. Soziale Kosten der beiden bisherigen Nuklearkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima
  7. Umweltschäden durch diese beiden Ereignisse

Gerade der letzte Punkt ist unterrepräsentiert, wenig Aufmerksamkeit hat zum Beispiel die große Menge Radioaktivität, die bei Fukushima ins Meer eingebracht wurde und immer noch wird. Ist das bei einer Nation, deren Ernährung so stark mit Fisch verknüpft ist wie Japan, erträglich?

Tschernobyl war nur durch die großen dünn besiedelten Flächen leichter beherrschbar, bei der Bevölkerungsdichte von Japan ist der Schaden viel größer. Aber die obige Meldung zeigt, wie die japanische Regierung das Problem löst, die Sorge für die Bevölkerung steht nicht im Vordergrund.

Was ist, wenn man die Anzahl der atomar erzeugten Kilowattstunden durch die obigen Kosten teilt, ist Atomstrom dann immer noch billig? Ich denke, alleine die beiden Katastrophen reichen aus, um die Aussage als Lüge zu entlarven. Ich habe einen Freund der internationaler Klimaexperte ist, den habe ich dies gefragt. Er meinte aber, eine belastbare Zahl über die Kosten von Tschernobyl und Fukishima sei nicht zu bekommen.

Wie wenig Atomstrom konkurrenzfähig ist und eigentlich immer schon war, zeigt auch ein guter DLF Beitrag, den ich gestern gehört habe:

Atomkraft in der existenziellen Krise

Die Atomindustrie steckt in einer tiefen Krise. Einer der Gründe: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima, die sich heute zum sechsten Mal jährt. Das Unglück war aber nicht der Auslöser, sondern lediglich der Beschleuniger für die milliardenschweren Verluste der Branche.

 

Erstaunlicherweise wurde trotz Fukushima in England der Neubau von Hinkley Point C beschlossen, mit enormen Kosten und hohen staatlich Beihilfen:

http://www.wiwo.de/technologie/green/news-england-baut-teuerstes-atomkraftwerk-aller-zeiten/13550358.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hinkley-point-c-geplantes-atomkraftwerk-birgt-hoehere-risiken-als-bekannt-a-1058523.html

Die Darstellung in Wikipedia zeigt, dass damit nie Geld mit dem Strom verdient werden wird, der politische Wille entscheidend war und nur der englische Steuerzahler das Projekt überhaupt ermöglicht hat. Warum also diese Entscheidung, wo doch England mit Wind leicht genug Strom erzeugen könnte? Meine Interpretation ist die, dass Großbritannien als Nation mit Atomwaffen die Kraftwerke braucht, um damit, national autark, spaltbares Material für Kernwaffen zu erzeugen.

Aus dieser Erkenntnis ist meine These entstanden, dass wir die Atomkraftwerke ja vielleicht nur zu diesem Zweck wirklich haben, da auch die Politiker der Entstehungszeit sich Entsorgungskosten und Katastrophen ausmalen konnten (siehe Technikgeschichte der Kernkraft). Aber für Deutschland, das ja gar keine Atommacht ist, ist diese These vielleicht zu gewagt, kann aber erklären, dass wir leicht aussteigen können, England und Frankreich aber nicht.

Noch eine These zum Thema als Zugabe: Endlager wird es nie geben, die sogenannten Zwischenlager auf dem Gelände der Kernkraftwerke werden die Endlager sein. Ich wohne 15 km Luftlinie vom Kernkraftwerk Isar in Ohu.

Update 17.03.2017: Durch den Tipp eines aufmerksamen Lesers kann ich folgenden Artikel zur militärischen Bedeutung von Hinkley Point C ergänzen:

https://www.heise.de/tp/features/Hinkley-Point-muss-gebaut-werden-aus-militaerischen-Gruenden-3351570.html

Glyphosat im Breitbandeinsatz

Das weitverbereitete Totalherbizit Glyphosat, auch bekannt unter dem Markennamen „Roundup“ ist in letzter Zeit ins Gerede gekommen. Hieß es jahrelang, das Mittel sei bienenverträglich und generell unschädlich für alles was nicht Pflanze ist, gibt es mehr und mehr Studien, die Zusammenhänge mit Krebs herstellen und wohl auch belegen. Die EU-Mitgliedsstaaten haben darüber abgestimmt, Deutschland enthielt sich dabei sehr „weise“, deswegen war das Ergebnis bislang unbestimmt.. Hängt vielleicht mit dem Übernahmenpoker von Monsanto zusammen: Der deutsche Bayern-Konzern will den amerikanischen Monsanto Konzern übernehmen, desses wichtigstes Produkt eben dieses Roundup ist. Sehr verwunderlich: Bayer bietet 55 Milliarden Euro für eine Firma, deren wichtigstes Produkt gerade verboten wird? Eben nicht: Die EU-Kommission wird heute die Zulassung verlängern, die Sorgenträger stehen dabei nicht im Mittelpunkt.

Ich gestehe: ich nehme dieses Mittel auch ab und zu im Hausgarten um gegen Giersch und andere unbesiegbare Gartenunkräuter anzugehen. Dies aber sehr gezielt (langer Pinsel und Farbstoff mit Handauftrag) und in geringen Mengen. Im Hausgarten hat man auch gar keine andere Chance, denn wenn ein Hauch RoundUp auf andere liebgewonnene Pflanzen, Sträucher und Bäume gerät, merkt man schnell, was Totalherbizid heißt 🙁 Das kleine Fläschchen mit dem Mittel reicht mir jetzt schon 20 Jahre, deswegen ist mein schlechtes Gewissen wegen der an und für sich nicht erlaubten privaten Verwendung gering. Vielleicht hat es sich ja schon zersetzt und wirkt gar nicht mehr so richtig?

Anders sind aber die Verhältnisse in der Landwirtschaft: Wie großflächig und vielseitig hier große Mengen in die Fläche kommen, in Deutschland auf 40%, schildert der Beitrag gut. Da werden möglich Schadwirkungen sehr plausibel.

http://www.deutschlandfunk.de/glyphosat-in-der-landwirtschaft-da-wird-jaehrlich-wirklich.697.de.html?dram:article_id=357713

Weiterer Artikel:

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-05/pflanzenschutzmittel-glyphosat-risiko-krebs-eu-verbot

Mais und Hochwasser

So schlimm das Hochwasser für die betroffenen Gemeinden und Haushalte ist, so sicher werden keine wesentlichen Konsequenzen daraus gezogen. Auch wenn Politik und Landwirtschaft die Einzigartigkeit des Wetters betonen und damit jeden Zusammenhang  mit Landwirtschaft, Flächenversiegelung, Flussbegradigung und Klimawandel großzügig vom Tisch wischen, sind Zusammenhänge gegeben. Mit Klimawandel und steigenden Temperaturen sind solche Ereignisse nach Einschätzung der Klimaforscher auch wahrscheinlicher geworden, das Schein-Argument „bei so einem Wetter könne man gar nichts machen“, wird also häufiger zu hören sein.

Ein Artikel der Welt thematisiert den Zusammenhang zum großflächigen Maisanbau auch in hügeligen Gebieten:

An den Flutschäden ist auch der Maisanbau schuld

Dieser Mais-Wahnsinn bleibt erhalten, denn zeitgleich drückt Bayerns CSU bei der umstrittenen Neufassung des EEG (Referentenentwurf als PDF) ironischerweise die Weiterförderung der Biogasanlagen durch, obwohl dies nach Expertenmeinung auch kontraproduktiv ist. Dies sorgt dafür, dass die Mais-Monokultur vielerorts erhalten bleibt. Das dabei auch die notleidenden Milchbauern den Kürzeren ziehen, da sie bei der Pacht von Flächen gegen die geförderte Biomasse nicht mehr den Zuschlag erhalten, fällt ebenso zeitgleich mit deren Förderung zusammen. Alles widrige Zusammenhänge, die in den Mainstream-Medien aber so nicht Thema sind. Die im Vergleich viel umweltfreundlichere Windkraft wird im Entwurf leider, IMHO zugunsten der großen Stromkonzerne gedeckelt, die erneuerbaren Energien werden im Ergebnis deutlich gebremst. Schade!

Klimaveränderung: Verdrängte Fakten

Ein guter Artikel in der TAZ, der viele Fakten nennt, die bei den Verhandlungen über den Klimaschutz meist nicht genannt werden:

http://www.taz.de/Was-die-COP21-verdraengt/!5258072/

Besonders die Absätze über Wachstum, Wirtschaftsstrukturen(Kapitalismus) und Marktmechanismen werden stets verdrängt, das Wort Sparen kommt in der Diskussion sonst gar nicht vor.

Ein Detail, das auch selten Erwähnung findet: Der Zusammenhang mit Kunststoffverpackungen und Müllvermeidung. Unser Einkaufsverhalten im Supermarkt, wo zum Beispiel Lebensmittel so verpackt sein müssen, dass sie hygienisch sind, auch wenn sie jeder Kunde begrapscht, bedingt viel Kunststoff-Müll, der dann bestenfalls im dualen System (gelber Sack) landet. Die „thermische Verwertung“ dieses Mülls trägt ordentlich zum CO2-Ausstoß bei. Ändern könnte man das nur, wenn Personal die Ware für den Kunden verpackt, so wie in Metzgerei und Tante Emma-Laden. Das wäre auch gut für unser Arbeitslosenstatistik. Ich persönlich kaufe auch gerne im Discounter, achte aber bei Verpackungen schon darauf, nicht jeden Unsinn mitzumachen. Fleisch und Wurst landen deswegen sehr selten in meinem Wagen.

Zeitumstellung

An diesem Wochenende erleben wir wieder das Schauspiel der Zeitumstellung, und immer wieder werden ähnliche Statements abgegeben. Da gibt es Politiker, diesmal ist es Ilse Aigner, die den Kampf gegen die Zeitumstellung medienwirksam antreten, weil es erwiesen ist, dass sie nichts bringt und die Menschen sie nicht wollen. Da höre ich zwar immer genau hin, weil ich selbst ein Gegner der Zeitumstellung bin, habe aber stets die Skepsis, ob wirklich etwas passiert.

Diese Diskussion gibt es seit Jahren, auch die Erkenntnis, dass die Energieeinsparung durch die Sommerzeit nicht gegeben ist, ist eine uralte und oft belegte. Da ist es wohlfeil für die Politiker ihre Abschaffung zu fordern, Bevölkerung und Wissenschaft ist in großere Mehrheit dafür. Und: was gibt es schöneres für Politiker, als eine populäre Maßnahme, die nichts kostet, weil man nur aufhören muss, die Uhren umzustellen? Und trotzdem passiert jedesmal: Nichts.

Meine Interpretation: Mag es auch stimmen, dass die Energieeinsparung nicht spürbar ist, es gibt es starke Interessen am Verbleib der Daylight Saving Time, sonst hätten wir sie nicht mehr. Nach meiner Einschätzung wirkt die Zeitumstellung nämlich schon, aber nicht auf die „armen geplagten Milchkühe“, sondern auf uns Menschen. Ist es Abends lange hell, haben wir eben auch nach einem langen, stressigen Arbeitstag keine Lust früh zu Bett zu gehen, sondern können die Zeit für Gastronomie, Freizeitverhalten und Shopping nutzen, wir haben trotz Überstunden die Zeit und auch die Lust, um Umsätze zu machen. Und das passiert im Gegensatz zur Energieeinsparung wirklich und ist IMHO der wahre Grund, warum wir uns zweimal im Jahr mit der Umstellung und ihren Nachteilen ärgern. Dieser ist, anders als die Energieeinsparung durchaus in Euro messbar. Und gerade auch für uns Menschen ist es lästig: Die Milchkühe stellen sich um, aber wenn wir uns im Biergarten abends länger aufhalten, nimmt uns der Wecker am morgen die Stunde trotzdem weg, geschenkt gibt es hier nichts. Aber darüber haben Frau Aigner und die anderen Akteure vor Ihr nichts gesagt.

Ich denke also, ich muss noch länger warten, bis aus den vielen Forderungen der Politiker eine echte Maßnahme wird. Und wenn dann wird eher ganzjährig die Sommerzeit beibehalten, damit wir es anders als Putin machen und die Nutznießer unseres Freizeitverhaltens keinen Schaden leiden.

Ich hätte gerne die Winterzeit für das ganze Jahr, so wie wir es früher gemacht haben, ohne Umstellung. Das Ziel sollte es stets sein, dass um 12:00 der amtlichen Zeit der wahre Mittag auch möglicht nahe ist, so wie wir es durch die Einteilung der Welt in Zeitzonen ja auch anstreben. Der ganze Stress der Umstellungen fällt dann weg, Uhrzeit und astronomische Verhältnisse sind sich nahe. Politische Ziele, die das Verhalten der Menschen betreffen, sollten zum Beispiel durch Regelungen der Arbeitszeiten, Öffnungszeiten und des Schulbeginns dann auch wirklich demokratisch diskutiert und beschlossen werden, und nicht durch Tricksereien mit der Uhrzeit.

Atomenergie subventioniert

Das ist ja nicht Neues, werden sich meine Leser denken. Ist es eben schon: Die Briten dürfen umstrittenes AKW namens Hinkley Point C bauen, nach dem Willen einer scheidenden EU-Kommission, wider alle Vernunft, und hoch subventioniert. Das verdient den folgenden kritischen Kommentar:

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/kommentar-hinkley-101.html

Kurzstudie zur historischen Entwicklung der EEG-Umlage

Die erneuerbaren Energien dienen immer noch als Sündenbock für die Strompreis-Steigerungen, die die EEG Umlage verursacht. Dabei ist es nicht die Art Strom zu erzeugen, die die Kosten schafft, schließlich wird doch plötzlich viel mehr, ja sogar oft zuviel Strom produziert. Es sind die Ausgleichszahlungen für die bisherigen großen Player und Kraftwerksbetreiber, die bedingt durch das so absurde gewollte Regelwerk den Preis treiben. Allerdings nur für die Haushalte, der Preis für die Großverbraucher sinkt und, dank vieler Ausnahmen, beteiligen sie sich auch kaum an dem EEG-Kosten.

Jetzt soll auch noch der Eigenverbrauch damit belegt werden, wenn man selbst in eine Anlage investiert und den Strom inhouse verbraucht, grotesk. Mal sehen, was unsere GroKo heute „unter Zeitdruck“ als Überraschungscoup während der Fußball-WM dazu beschließt.

Eine Kurzstudie zur historischen Entwicklung der EEG-Umlage, die das Frauenhofer-Institut jüngst veröffentlicht hat,  zeigt viele interessante Details:

Die EEG-Umlage wird häufig als Indikator für die Kosten der Energiewende herangezogen und hat in den letzten Monaten für viel Diskussion in Politik und Medien über die Bezahlbarkeit des Stroms in Deutschland gesorgt, denn sie ist von 0,19 Cent/kWh im Jahr 2000 auf mittlerweile 6,24 Cent/kWh in 2014 gestiegen. Diese Kurzstudie gibt einen Überblick über die historische Entwicklung der EEG-Umlage und über die verschiedenen Faktoren welche zu diesem signifikanten Anstieg beigetragen haben. Wie sich zeigt, spielen neben dem reinen Ausbau der erneuerbaren Energien noch weitere Faktoren eine entscheidende Rolle.

http://www.ise.fraunhofer.de/de/downloads/pdf-files/data-nivc-/kurzstudie-zur-historischen-entwicklung-der-eeg-umlage.pdf