Archiv der Kategorie: Religion

Bravo Benedikt

Papst Benedikt (wikipedia)

Papst Benedikt (wikipedia)

Papst Benedikt hat mit seinem Rücktritt seiner Amtszeit noch eine revolutionäre Note gegeben, indem er die Kirche und insbesondere seinen Nachfolger angeregt hat, das Papstamt neu zu definieren. Dies verdient höchsten Respekt.

Ich habe die lebenslange Amtszeit immer als unübersehbaren Anachronismus empfunden: Wie soll jemand in hohem Alter eine solch komplexe Organisation wie die katholische Kirche mit der im verliehenen riesigen Machtfülle und der damit verbundenen Verantwortung leiten, wenn er gebrechlich ist? Bereits in der Kindheit habe ich viel mit alten Menschen zu tun gehabt, und kann es mir einfach nicht vorstellen, dass lebenslanges Wirken dem Amt dient. Zweifelsohne werden in solchen Phasen körperlicher und geistiger Schwäche andere die Macht ausüben und die Kirche prägen. Dies ist ein größerer Widerspruch zur Definition des Papsttums als er sich jetzt durch den Rücktritt ergibt.

Noch ganz genau ist mir die lange Qual in Erinnerung, die Johannes Paul II. durch die Kombination von Krankheit und Amt erleiden musste. Dies war der Würde des Amtes und der Fülle der Aufgaben unangemessen. Viel schlimmer noch: Es hat den Ritualen der Kirche und den repräsentativen Auftritten ein unmenschliches Antlitz gegeben.

Vielleicht war ja Josef Ratzinger in dieser Zeit als Chef der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre schon ein bisschen Papst, so dass er nur noch die Bürde des Amtes durch die Wahl bekommen hat. Diese Bürde hat er nun wieder abgeschüttelt. Die Amtszeit wird wohl vor allem mit Ihrem Anfang, der „Wir sind Papst“ Euphorie, und ihrem Ende, der Neudefinition des Papsttums durch Benedikts Rücktritt, in Erinnerung bleiben.

Ich schließe mich mal wieder Heribert Prantl an, der lesenswert in der SZ schreibt:

In dieser Größe liegt aber etwas sehr Bitteres, ja Tragisches – weil die Kraft sich eben erst im Abschied zeigt. Nur mit seinem Rücktritt sprengt Benedikt die Ketten der Tradition, überall sonst hat er an den Ketten der Tradition nicht gerührt, da und dort hat er sie sogar verstärkt; nur dieses eine Mal wächst er über sich, über sein Herkommen, sein traditionelles Verständnis von Kirche, nur dieses eine Mal wächst er hinaus über das, was schon immer galt in der Kirche.

Sehr viel beissender und kirchenferner drückt dies die taz in Ihrem „Nachruf auf Papst Benedikt“ aus, doch auch solche Stimmen haben angesichts der Amtsführung ihre Berechtigung.

Beschneidungsrecht: Thema verfehlt

http://www.sueddeutsche.de/wissen/gesetzentwurf-des-bundesjustizministeriums-beschneidungsrecht-fuer-alle-1.1480166

Da wollte sich mal wieder mal beim Waschen keiner nass machen: Ein Gesetzentwurf, der das Problem leugnet und ein einfaches „Weiter so“ ermöglicht, ohne eine Position zu beziehen.

Da hat ein mutiger Richter ein Urteil gefällt, das eine wichtige Diskussion angestoßen hat, die damit wieder vom Tisch soll. Nach meiner Überzeugung ist es durchaus zu diskutieren, ob das religiöse Selbstbestimmungsrecht so weit gehen darf, kleinsten Kinder körperlich Veränderungen irreversibel und schmerzhaft zuzufügen.

Im Kern sehe ich eine Machtdemonstration der Priester darin: Der Lebensbeginn muss vom Priester abgesegnet werden, für Kind und Eltern ehrfurchtgebietend und beindruckend, sonst wird es kein richtiger Mensch. Die Religion und die Priester besetzen diese wichtigen Zeitpunkte im Leben der Menschen mit Ihren Ritualen.

Deswegen ist es auch so wichtig, dass es ein Priester und nicht ein Arzt macht, dann wäre diese Wirkung nicht gegeben. Die schwammige Formulierung „medizinisch fachgerecht“ ermöglicht dies ganz elegant, das kann ja jeder, ohne Arzt zu sein.

Das hat auch nichts mit Antisemitismus oder Muslimfeindlichkeit zu tun, sondern mit dem Setzen von Prioritäten: Individuelles Persönlichkeitsrecht vor religiösem Gruppenzwang. Deswegen sind auch alle Religionen, auch die christlichen, hier so einig in Ihrem Wehklagen.

Ich hoffe, es finden sich genügen Organisationen, die weiter dagegen juristisch vorgehen, damit dieses Thema noch in der Diskussion bleibt.

http://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/mein-koerper-gehoert-mir
http://pro-kinderrechte.de/wp-content/uploads/2012/08/faq_beschneidung.pdf