Blender macht Quantensprung

Schon sehr lange bin ich Fan und Anwender der freien 3D-Grafiksoftware Blender, Anwender leider in begrenztem Rahmen und zwar aus folgenden Gründen:

  • Das ist Hobby und muss nebenbei passieren
  • 3D Kunst ist eine komplexe Aufgabe mit vielen nötigen Qualifikationen
  • Blender war bis zur Version 2.79 mit einer sehr speziellen Benutzeroberfläche versehen, die den sporadischen Anwender sehr forderte, weil Vieles anders als gewohnt war

Das hat sich mit dem Release 2.80 vor 4 Monaten aber enorm geändert: Blender 2.80 hat undogmatisch mit vielen alten Bedienungsprinzipien Schluss gemacht und sich neben zahlreichen anderen Verbesserungen eine komplett überarbeitete Benutzeroberfläche verpasst. Diese macht es nun wesentlich leichter, damit zu arbeiten, da sie sehr viel besser strukturiert ist, auch deutlich mehr sichtbar angeboten wird und nicht nur hinter Hotkeys versteckt ist, und außerdem mehr Analogie zu Bedienungsprinzip und zur Usability der darunterliegenden Betriebssysteme und von anderen Anwendungen aus dem Bereich Grafik gegeben ist.

Auf den umfassenden Funktionsumfang wurde selbstverständlich auch noch mal enorm darauf gelegt, zum Beispiel beim Grease Pencil, aber das soll weder beim Release noch in diesem Post im Vordergrund stehen, die leichtere Bedienbarkeit ist der große Sprung, der diesen Stand zum Meilenstein macht. Auch die neue Realtime-Render-Engine Eevee trägt dazu bei, da man auf einer schnellen Maschine damit atemberaubende Bilder schon während der Arbeit sehen kann. Auch das Handbuch ist von guter Qualität.

Damit wird Blender auch von der etwas nerdigen Hobby-Software, die es wohl immer etwas war, auf Augenhöhe gebracht zu den großen und durchwegs teuren Anwendungen, die zur Produktion in Werbe- und Filmbranche Verwendung finden. Blender wird ein Mitspieler, der auch in der Profi-Liga ernst genommen werden kann. Auch wenn damit nicht sofort von alle Profis umsteigen werden 😉 : das Release hat enorm dazu beigetragen, dass es viel weniger technische Gründe dafür gibt, auch wenn die politischen wie Spezialisierung, gemeinsame Standards und Investition in die Ausbildung der Mitarbeiter bleiben und große Beharrungskräfte darstellen.

Niedergeschlagen hat sich das auch im Bereich der Unterstützer ( https://fund.blender.org) wo mit AMD, Embark und Ubisoft Firmen als Geldgeber hinzukamen, aber auch als Studios die Verwendung der Software bei der Produktion zusagten. Ein gutes finanzielles Fundament ist auch bei Open Source Projekten wichtig. Die Grafikkarten (Chips)-Hersteller Nvidia und AMD sind freilich nicht ganz uneigennützig dabei, träumt doch jeder Hobbyist von einer schnellen Grafikkarte, die auch schon mal vierstellig im Preis werden kann.

Für mich persönlich hat es bedeutet, dass meine Begeisterung für Blender wieder aufgelebt ist, die gelungene Oberfläche mir die Wieder-Einarbeitung sehr viel leichter gemacht hat und die Leidenschaft bewirkt, dass ich momentan viel von meiner Zeit dafür abzweige und ständig neue Projektideen habe. Dabei kommt es immer wieder zu Aha-Erlebnissen, wo ich mir in Gedanken sage, wie gut das eine oder andere Detail in der Anwendung gelöst ist. War es früher auch schon mal die Frustration, weil man etwas nicht hin bekommt und hängenbleibt, ist es inzwischen deutlich öfter der Fall, das man sich eine Lösung erarbeitet und denkt, „war leichter als gedacht, toll was Blender alles kann“. Trotzdem: Das Arbeiten mit 3D Software setzt viel Einarbeitung, Interesse und Geschick für die Materie und auch gestalterische Begabung voraus, man wird nach 10 Minuten nicht schon alles im Griff haben.

Ein wichtiger Beitrag dazu sind die Video-Tutorials, die es zuhauf bei YouTube gibt, und die einem Helfen, die Strategie zur Lösung zu erkennen und in Details der Bedienung einzusteigen. Sie sind zwar von unterschiedlicher Qualität, Skill-Level und Informationsdichte und man sollte die richtigen auswählen, aber auch dort gibt es Juwelen von Könnern die unprätentiös viel Wissen Preis geben. Als Beispiel sei hier eines der High-Speed-Tutorials von Ian Hubert ausgewählt, der damit einen neuen Stil prägt. Mehr von ihm als Vortrag auf der Blender Conference 2019.

Nicht genug kriegen kann ich auch von den Beiträgen von Dylan Neill, herausragend. Gut auch für Kenner der Materie der Schnelleinstieg von FlippedNormals mit „Switching to Blender 2.8 for Advanced 3D Artists„.

Die Blender Foundation hat sich nicht ausgeruht und gerade eben die Version 2.81 released, die nicht nur ein Bugfix ist, sondern Vieles vertieft, gereift und mit neuen Funktionen anbietet. Die Neuerungen und Verbesserungen geben das gute Gefühl von Evolution und Fortbestand, diese Open Source Software dümpelt nicht vor sich hin, sondern nimmt eine sehr gute Entwicklung in Quantität und Qualität.

tl;dr

Wer gerne künstlerisch arbeitet und dabei auch den Computer als Arbeitsmittel sieht, sollte sich den neuen Blender (blender.org) jetzt ansehen. Die Software ist eine Bereicherung.

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