Out of Area mit HK G36

Gerade ein großes Thema, auch heute morgen wieder im DLF: Das Bundeswehr-Standard-Gewehr G36 schießt nicht mehr genau, wenn es heiß wird. Der Interview-Partner im DLF meinte, dass das G36 ja seinerzeit nicht so definiert gewesen ist, es werde jetzt viel mehr bei „out-of-area“-Einsätzen verwendet. Auch sei es so, dass früher der Feuerstoß eher sparsam eingesetzt werden sollte, während die Einsätze heute dies mehr erfordern.

Als ich meinen Grundwehrdienst leistete, was ich übrigens schon oft bereute, wurde nie vom Krieg gesprochen, sondern vom Verteidigungsfall. Das Wort Krieg war eher verpönt, es wurde nie benutzt, der V-Fall war dagegen allgegenwärtig. Das gedachte Bild war damals wie im Grundgesetz formuliert, „wenn das Staatsgebiet mit „Waffengewalt“ von außen angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht“.

Der Interview-Partner dagegen macht es wieder einmal deutlich: Die Verteidigung findet heute nicht zuletzt „out of area“ statt, also überall auf der Welt, wo wir gerade „nach dem rechten sehen“ müssen. Peter Struck hat das ja mit dem „Hindukusch“ so salonfähig gemacht. Wir schießen dabei nicht nur sparsam, sondern viel mehr mit Feuerstoß. Wir verteidigen uns ja nicht nur, sondern führen einen „Krieg gegen den Terror“ und bestreiten dabei viele „humanitäre Einsätze“. Was für ein schauriger Paradigmenwechsel.

Beim Zuhören beschleicht mich der Verdacht, dass es gar nicht um die Tauglichkeit des G36, die Kritik an früheren Verteidigungsministern oder das sparsame Verwenden von Steuergeldern im Verteidigungsetat geht. Ziel ist wohl eher die geistige Vorbereitung der Bevölkerung auf eine neue Beschaffungsrunde für ein „richtiges“ Gewehr, mit dem wir uns dann auch in den heißen Ländern dieser Welt „verteidigen“ können.

Da bleibt einem eigentlich nur noch die Satire:

http://www.der-postillon.com/2015/04/aus-scham-g36-konstrukteur-versucht.html

Update 10.10.2015: Siehe den Folgeartikel zur Neubeschaffung: Uschi kauft ein