Hoeneß Prozess: Alles glatt

wie viele andere habe auch ich in den letzten Tagen den Hoeneß-Prozess mit Interesse und Spannung verfolgt. Doch spätestens am dritten Tag hatte ich den Eindruck: jetzt legen sie aber den Schnellgang ein. Da werden Finanzbeamte befragt, die dann eine „Best case“ Schätzung abgeben, dass einem von der Höhe der Summen schwindelig wird, doch keiner interessiert sich für die Hintergründe. Keine Vertiefung, kein Nachfragen, kein „Woher, von wem, in welcher Weise, in welcher Höhe wirklich“. Das Höchstmaß für die Strafe ist 10 Jahre, die Summe spielt bei der Strafbemessung eine wichtige Rolle, man fragt sich, welche Summen für diese höheren Strafen nötig sind.

Die Verteidigung kündigt mit Theaterdonner Revision an, die Hoeneß dann „in der Familie“ verwirft und damit quasi über Nacht wieder zum Helden wird, den die Leute haben wollen. Seltsamerweise hat auch die Staatsanwaltschaft keine Fragen mehr, so wird die Sache kurz und schmerzlos gedeckelt und die Boulevard-Presse kann sich Gedanken über „Uli“ in Streifenklamotten machen.

Ich hätte schon gerne gewußt, wie man diese Summen an Steuern hinterzieht, und woher „Uli“ das Spielgeld dafür hat.

Ein Justiz-Kundiger macht sich auf SPON ähnliche Gedanken:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/uli-hoeness-verzicht-auf-revision-beendet-prozess-schnell-a-959051.html

Update vom 21.03.2014: Die Staatsanwaltschaft erklärt sich (SZ Artikel):

http://sz.de/1.1918285

Klingt gut, hat aber seine Schwächen: 52000 PDF-Seiten sind schnell auswertbar, weil man es mit dem Computer machen kann? Jeder, der im Job PDF verwendet, weiß, das das meist nicht so einfach ist, gerade auch dann, wenn es sich um Scans handelt, was bei Belegen ja oft der Fall ist.

Update vom 25.03.2014: Die FAZ sieht einen „unausgesprochenen Deal“:

http://www.faz.net/-gqp-7nofz