Netze in unser aller Hand

Schon immer habe ich mich gegen die Mär der segensreichen Privatisierung von Netzen gewehrt. Netze eigenen sich IMHO nicht für die Privatisierung, da

  • Netze sind nie der Ertragsbringer, sondern immer der Kostenfaktor. Die Privatisierung der englischen Bahnnetzes oder von Wasserleitungssystemen zeigt, dass ein Netz in privater Hand meistens verkommt.
  • Netze sind per se monopolartige Strukturen. Die mehrfache Auslegung von Netzen macht keinen Sinn: Ein Haus wird nicht zwei Wasserleitungen, drei Gasanschlüsse und zwei Bürgersteige haben. Bei Mobilfunkmasten leisten wir uns so einen Unsinn.
  • Ist das Netz nicht mehrfach ausgelegt, so wird ein privater Inhaber immer Versuchen darüber seine Konkurrenten zu benachteiligen. Bei der Telekom und der Bahn erleben wir es. Die Telekom behauptet mir an meinem Standort ein schnelleres DSL anbieten zu können als die Mitbewerber. Mag betriebswirtschaftlich schlüssig sein, ist aber trotzdem verrückt. Ein Markt findet bei einem privaten Netz nicht wirklich statt. Auch der jüngste Vorstoß zur Drosselung von Flatrates passt in diese Bild.
  • Um dies zu verhindern, gibt es dazu die Bundesnetzagentur, einen Moloch, der mit vielen Gehältern versucht den Wahnsinn zu kanalisieren und dabei selbst viel Geld kostet.  Die Bundesnetzagentur hatte 2011 rund 2500 Mitarbeiter. Ist es nicht absurd, ein Monopol erst zu privatisieren und dann mit einer „Agentur“ staatlich zu verwalten?

Daher gehören Netze in staatliche Hand, Privatisierung ist hier Humbug und wird nur deswegen gemacht, weil der Verkauf für Politiker so eine schöne Geldquelle ist, ohne als explizite Verschuldung in den Bilanzen aufzuscheinen.

Welche Probleme es bei Kommunen und deren Rückkauf von Stromnetzen gibt, zeigt sehr schön der folgende Artikel. Solche Themen hätten es viel mehr verdient, im vergangenen Bundestagswahlkampf im Mittelpunkt zu stehen, als der alberne Hype um den „Veggie-Day“.

http://www.freitag.de/autoren/timostukenberg/staedte-unter-strom