Fachkräftemangel oder Fachkräfte in der Mangel

Schon oft habe ich in privaten Diskussionen die Ansicht vertreten, der sogenannte Fachkräftemangel kann nicht so groß sein, sonst würden marktwirtschaftlich die Löhne für diese Tätigkeit steigen und mehr Menschen diesen Beruf ergreifen. Hätten die Altenpfleger und Erzieher ein Jahresgehalt von 100000 Euro, wäre der Mangel schnell behoben 😉 Das passiert aber nicht. Statt dessen hört man eher von Putzkräften, die nebenbei noch eine bisschen Altenpflege machen, wenn gerade keine ausgebildete Kraft da ist. Es ist wohl eher so, dass man diesen Berufen so wenig zahlt, dass es zu wenige Menschen machen wollen und können, da die Mieten und Autos auch nicht billiger werden. Hat man dann zu wenige Kräfte, kommt der geringe Personalstand zusätzlich noch billiger. Die Bedauernswerten, die gerade beschäftigt sind, müssen eben mit der hohen Belastung in dieser „Ausnahmesituation“ leben und es kompensieren, die Empfänger der Leistungen wie Kinder und Pflegebedürftige leiden darunter. Hat man schon mal gehört, dass ein Pflegeplatz im Heim billiger wird, da zu wenig Pfleger da sind und die Pflege darunter leidet? Trotzdem wird immer vom „Arbeitsmarkt“ gesprochen, einem Markt, der so gar nicht existiert, schon gar nicht für Hartz IV Empfänger.

Ähnliches in der Informatik, meinem Metier. Da werden immer wieder Green- und Blue-Card Aktionen verkündet um angeblich dringend gebrauchte ausländische Softwareentwickler ins Land zu holen. Nur die Farbe der Card wechselt, damit nicht auffällt, dass es der selbe Unsinn ist wie vor Jahren und von der damaligen Regierung anderer Couleur. Diese IT’ler kommen aber nicht, weil sie gar nicht unbedingt nach Deutschland wollen und wohl auch gar nicht so gebraucht werden. Macht wohl auch nichts, da stets darauf verwiesen wird, dass Entwicklung in Deutschland kaum mehr stattfindet, da zu teuer. Zwei widersprüchliche Aussagen. Worum geht es dabei? Sollen die Gehirne der Entwickler für die nächste Gehaltsverhandlung gewaschen werden, da doch jetzt die Blue-Card Entwickler kommen?

Mit solchen Propaganda-Mechanismen setzt sich der folgende Telepolis Artikel sehr schön auseinander:

http://www.heise.de/tp/artikel/40/40189/1.html

3 thoughts on “Fachkräftemangel oder Fachkräfte in der Mangel

  1. Stefan Wehmeier

    “Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.”

    Johann Wolfgang von Goethe

    Bei jedem Gerede über “Fachkräftemangel” fehlt stets der Hinweis, dass es einen solchen nicht gibt, sondern lediglich einen Mangel an besonders billigen Fachkräften, die zum Gehalt eines ungelernten Hilfsarbeiters qualifizierte Facharbeit leisten, damit der Betrieb es sich weiterhin leisten kann, die in einer Zinsgeld-Ökonomie stets vorrangigen Kapitaleinkommen der Zinsgewinner zu bedienen.

    Damit niemand merkt, was Marktgerechtigkeit ist,…

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/marktgerechtigkeit.html

    …wird in Verdummungsanstalten (so genannte “Universitäten”) bis heute die Irrlehre von den “drei Produktionsfaktoren” verbreitet:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/halbwegs-glucklich.html

  2. Confianza

    Das ist mir auch schon oft aufgefallen, dass es in diesem Bereich sehr viele Widersprüche gibt. Ist schon ein wenig dubios. Jetzt sollen ja ausländische Hilfsarbeiter die Lücken schließen. Grundsätzlich bin ich zwar nicht dagegen abgeneigt, weil wir einfach die Hilfskräfte brauchen, aber es macht mich schon skeptisch. Stimmt die Kompetenz, können sie unsere Sprache sprechen? Für einige ist es sicher eine große Chance, andere kommen nur, weil sie hier immerhin mehr verdienen, aber auf ihren Job keinen Wert legen. Wir dürfen gespannt sein!

    LG,
    Judith von Fachkraft Altenpfleger

Kommentare sind geschlossen.