Archiv für den Monat: Juli 2013

Nach S kommt R

Zur Zeit beschäftige ich mich im Rahmen eines Dienstleistungsprojektes mit dem System und der Programmiersprache „R“, die eine Weiterentwicklung von „S“ darstellt. Eine sehr mächtiges und tolles System, mit dem in sehr kompakter Notation komplexe Fragestellungen aus der Statistik berechnet und visualisiert werden können.

Für mich wieder ein gutes Beispiel, wie man mit Opensource für Beruf oder auch Hobby hochinteressante Dinge mit dem Computer anstellen kann, die nur Zeit und, wie man in Bayern sagt, Hirnschmalz kosten. Empfehlung für Freunde der Mathematik und Wissensdurstige:

http://www.r-project.org/

Komfortabel mit http://www.rstudio.com/ zu bedienen.

90 Milliarden, hauptsächlich für die Gläubiger

Die Grünen haben eine Studie über die Bankenrettung in der Europa in Auftrag gegeben und vorgestellt. Diese ist erwartungsgemäß wenig schmeichelhaft und weist handwerkliche Fehler im Vorgehen auf.

Vor allem aber zeigt das Papier, dass viel Geld vom Steuerzahler direkt zu den Gläubigern und Investoren geflossen ist, ohne über andere Modelle zu nachzudenken. In meiner Anschauung die größte und schamloseste Umverteilung von unten nach oben in der jüngeren Geschichte. Der Autor fordert daher eigentlich eine Selbstverständlichkeit:

Was können die Regierungen künftig also besser machen? „Entscheidend ist, dass die Staaten zuerst die Gläubiger beteiligen und erst danach mit Steuergeld helfen“, sagt Studienautor Dübel. Wichtig sei deswegen, dass die Euro-Staaten im Voraus festlegen, in welcher Reihenfolge wer zur Kasse gebeten werde.

http://sz.de/1.1723186

Offshore Windparks als Strompreistreiber

Große Zweifel habe ich an der Rentabilität von Offshore-Windparks, die technischen Probleme werden die Erträge schmälern. Nur durch staatliche Garantien auf unsere Kosten wird das ganze ein Geschäft. Billigere Alternativen an erneuerbaren Energien, sind für die Stromkonzerne nicht so interessant, das es kleinzelliger Strukturen sind, nicht wieder monopolartige, wie es die Groß- und Atomkraftwerke waren. Da käme ja wirklich mal Markt auf.

Das Handelsblatt berichtet, dass der Netzbetreiber Tennet die Ziele der Bundesregierung für die Errichtung von Offshore-Windparks nicht für realisierbar hält.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/untersuchung-zur-energiewende-windausbau-ziele-auf-see-unerreichbar/8480694.html

Obwohl die Regierung behauptet das EEG wäre der Grund für die Erhöhung der Strompreise, sind es doch wesentlich mehr die Regelungen für die neuen Investments der großen Stromkonzerne:

Durch ein Verfehlen der Ausbauziele könnten weitere Kosten anfallen: Dem Bericht zufolge drohen ab 2016 „Leerkosten“ von 500 Millionen bis eine Milliarde Euro für Netzanschlüsse, durch die mangels Windparks aber kein Strom fließt. Diese Kosten würden über die Netzentgelte ebenfalls die Strompreise zusätzlich belasten. „Wir fordern realistische Ziele, damit wir nicht ineffizient Leitungen auf Kosten der Konsumenten bauen“, sagte Tennet-Chef Lex Hartman.

Aus meiner Sicht sind die Offshore-Parks eh nur Subventionsprogramme zum Trost für den Wegfall der Atomstrom-Milliarden, es ginge auch ohne:

http://www.handelsblatt.com/technologie/energie-umwelt/energie-technik/windenergie-mehr-platz-an-land-statt-auf-hoher-see/8335076.html

Wahlempfehlungen

Früher hat der Pfarrer von der Kanzel gepredigt, wen wir wählen müssen, damit wir nicht in die Hölle kommen oder nicht schon auf Erden die Hölle ausbricht.

Heute macht das das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft für uns, und die Hölle sind verlorene Arbeitsplätze.

Dass das alles wie immer auch relativ ist, erklärt uns die Süddeutsche Zeitung:

http://sz.de/1.1718239

Franz Boas

Heute im Kalenderblatt: Die interessante Biographie von Völkerkundler Franz Boas, der für seinen Kulturrelativismus bekannt wurde:

Franz Boas geboren, Ethnologe (09.07.1858) – 09.07.2013
Der Ethnologe Franz Boas, geboren am 9. Juli 1858, ist der Begründer der Kulturanthropologie. Ihm ist es vor allem zu verdanken, dass sich die Wissenschaften vom Sozialdarwinismus ab- und den Menschenrechten zuwandten. Autor: Christian Feldmann

PRISM religiös betrachtet

Zwei religiöse Betrachtungen zu PRISM und der Flucht von Edward Snowden:

Christoph Süß als Laie bringt einen alttestamentarischen Süßstoff zu Edward Snowden:

Der evangelische Priester Burkhard  Müller im Deutschlandfunk in den Gedanken zur Woche, 05.07.2013 06:35 dagegen liefert schon eine fast linke Betrachtungsweise:

Postwachstumsökonomie

Jeder, der nur halbwegs logisch denken kann, begreift, dass das Wachstum begrenzt sein muss, wenn es begrenzende Ressourcen gibt. Auf der Erde gibt es natürlich auch diese Grenzen, wie Fläche, Menge von Rohstoffen, Eingehende Energie von der Sonne.

Trotzdem ist heute das Maß aller Dinge das sogenannte Wirtschaftswachstum, von dem wir angeblich abhängig sind wie der Junkie vom nächsten Schuss. Immer wieder stellen sich Politiker vor die Mikrophone und behaupten, wenn wir nur mehr Wachstum hätten, werde alles gut. Das ist natürlich eine Lüge, wie die Geschichte zeigen wird.

Einer derer, die das gut und erfolgreich erklären, ist Niko Paech, Ökonomieprofessor aus Oldenburg, der Bereits in meinem Post „Wohlstand auch ohne Wachstum“ vorgestellt wird.

Anscheinen hat er einen guten Draht zu Bayern2 Radio, denn er kam jetzt wieder in 2 Sendungen, einem Feature und einem Portrait ausführlich zu Wort:

Wirtschaftswachstum: Darf’s ein bisschen weniger sein? – 03.07.2013
Um das Wirtschaftswachstum ist ein ideologischer Streit entbrannt. Die einen fordern zum Verzicht auf, wir sollten eher schrumpfen als wachsen. Andere sagen, wir brauchen Wachstum, sonst haben wir keine neuen Ideen mehr und allen wird es schlechter gehen. Aber brauchen auch Unternehmen immer mehr Wachstum? Oder können sie auch kreativ sein, ohne immer mehr haben zu wollen?
Nico Paech, Wirtschaftswissenschaftler – 05.07.2013
Nico Paech kritisiert das ständige Ziel des Wirtschaftswachstum. Und daher setzt sich der Ökonom damit auseinander, wie eine ökologisch verträgliche Lebensweise aussehen könnte. „Befreiung vom Überfluss“ heißt sein aktuelles Buch. Moderation: Stephanie Heinzeller

DB: Transparenz ist nicht gefragt

Seit den Plänen zum Börsengang der Bahn haben wir uns daran gewöhnt, dass aus dem gemütlichen Staatsbetrieb eine Cash-Cow werden soll. Für mich sind solche Privatisierungen mit unserem Tafelsilber nur eine versteckte Kreditaufnahme der Politik, wenn sie mit dem Geldsegen daraus bequem Geschenke für Klientel und Wahlkampf finanzieren können, ohne dass der Haushalt in Schieflage gerät. Die Pläne sind freilich gescheitert, Ex-Bahnchef Mehdorn darf jetzt im Berliner Flughafen Gutes tun.

Die Gepflogenheiten sind freilich noch die gleichen: Jährliche Gebührenerhöhungen + Steuergelder verschwinden in einem undurchschaubaren Geflecht von Untergesellschaften, so dass keiner weiß, ob die Kosten wirklich so stark steigen wie immer behauptet und ob das Geld im Sinne der Steuerzahler und Kunden verwendet wird. Rekordgewinne werden meist auf Kosten der Pendler gemacht, die keine Wahl haben. Wenn ich mir die Preise für eine Monatskarte der Bahn anschaue, weiß ich nicht wie zum Beispiel ein Niedriglohn-Empfänger aus Niederbayern oder dem Bayerischen Wald in München eine Arbeit annehmen soll, wenn schon das Ticket seinen Lohn fast auffrisst. Diese Flexibilität wird gefordert, aber wie meist nicht gefördert.

Der Bundesrat hat gerade dafür gesorgt, dass dies nicht durchschaubarer wird. Der folgende SZ Kommentar meint auch, das man sich darüber ärgern kann:

http://sz.de/1.1713089

Die SPD hat nicht nur ein Umfrageproblem

Der Kabarettist Frank Markus Barwasser alias Erwin Pelzig vergleicht die SPD mit einem Zirkus-Lama in der Fußgängerzone: Alle haben ein bisschen Mitleid mit ihm, aber im Endeffekt steht es einfach nur im Weg herum.

Das trifft es leider nur zu gut: Sich als „Volkspartei“ staatstragend zu gerieren und, fast nur noch von den Traditions-Anhängern im Rentenalter gewählt werden, um vielleicht wieder in einer großen Koalition zu landen, reicht nicht. Um die Leidenschaft der Wähler zu wecken müssten es auch Programmpunkte und Inhalte sein, die die Menschen ansprechen!

Dies beschreibt sehr gut auch der folgende Artikel:

http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-profilvermeider