Archiv für den Monat: Januar 2013

Bayerischer Rundfunk als Regierungssender

Bereits als ich kleiner Bub war, war der Bayerische Rundfunk nicht für für seine Neutralität und Ferne zur regierenden Partei bekannt, wohl aber für die Qualität mancher Beiträge. Hörte man dann mal wieder Nachrichten vom ORF, war man baff erstaunt, das das dort alles etwas anders klang.

Diese politische Färbung war jedoch zumindestens am Ende der Amtszeit des Intendanten Thomas Gruber nicht sehr stark, das Programm war für mich als regelmäßigen Hörer von Bayern2 Radio auch von einer gewissen Liberalität und Offenheit gekennzeichnet.

Leider hat sich dies seit der Amtsübernahme durch Ulrich Wilhelm am 6. Mai 2010 grundlegend geändert. Man merkt der politischen Grundfärbung des bayerischen Rundfunks jetzt wieder an, woher der Wind weht: Wilhelm hat ein CSU-Parteibuch, war Pressesprecher von Edmund Stoiber, Regierungssprecher von Angela Merkel und hätte Chef der Bayerischen Staatskanzlei werden können.

Seither ist die Nachrichtenlage und Darstellung wieder sehr von diesem Blickwinkel bestimmt, meine frühere Frühstücksendung „Welt am Morgen“ wurde mir dadurch oft zum Ärgernis. Dadurch höre ich in dieser Zeit den Deutschlandfunk, der wesentlich neutraler informiert und bei längeren Interviews den Politiker auch mal etwas auf den Zahn fühlt.

Einen erneuten Höhepunkt hat dies nun in der Berichterstattung über das Volksbegehren gegen Studiengebühren genommen: In einer Sendung des Magazins Kontrovers hat nicht nur der eingespielte Beitrag sondern auch die Moderation einen Tag vor dem Start des Volksbegehrens eindeutigst und explizit Position für die Studiengebühren bezogen: http://sz.de/1.1575884. Will man dies vor Volksbegehren wirklich in dieser Form haben? Ist das der Auftrag der öffentlich rechtlichen Grundversorgung? Wenn man bedenkt, dass gerade die Rundfunkgebühr zum Zwangssteuer geworden ist, da dieser Auftrag ja so wichtig ist, ist das sehr bedenklich. Weiterlesen

Justiz mit zweierlei Maß in Dresden

In einem Kommentar hebt Katharina König in der Zeit das Unterschiedliche Maß bei Urteilen gegen Rechtsradikale und gegen Gegner der Rechten hervor. Natürlich ist der Prozess gegen den AntiFa-Aktivisten einer, bei dem es um verletzte Polizisten geht, da gilt immer eine andere Einschätzung in der Justiz. Trotzdem legt sie Details offen, die ein Geschmäckle hinterlassen und die Kritik am Urteil durchaus rechtfertigen.

http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2013/01/17/urteil-gegen-nazigegner-ein-fatales-gesellschaftspolitisches-signal_11085

Sicherheit im Funktionärsleben

Macht das was, wenn sich die Vorsitzenden von Pro Bahn Ihren Lebensunterhalt von der Bahn bezahlen lassen? Macht nichts, sagen die, die das eingefädelt habe, oder davon profitieren. Macht schon was, sagt einer der Vorsitzenden, der Trierer Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim, und tritt zurück. Unglaublich, welche Grätschen in einem Funktionärsleben möglich sind, wenn es nur der eigenen finanziellen Sicherheit dient. Ein aufschlussreicher Artikel:

http://sz.de/1.1574151

 

Gimp in neuen Spären

GIMP logo

Immer mehr steige ich für in den meisten Bereichen auf OpenSource Programme um. Im Bereich der Bildverarbeitung sitzt Photoshop zwar noch sehr fest im Sattel, aber auch hier kommt sein freier Zwillingsbruder GIMP inzwischen schneller voran.

In einem Ausblick auf die neue Version 2.10 von GIMP, des OpenSource-Pedant zu Photoshop, zeigt sich, dass es dort gut vorangeht: Dank der Generic Graphics Library gibt es endlich Verarbeitung von 16 und 32 Bit Bildern, auch auf Mehr-Kern- Prozessoren und in den Chips der Graphikkarte. Farbprofile sind jetzt auch dabei. Wann die Version erscheint ist noch nicht entschieden, aber es gibt eine Testversion.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bildbearbeitung-Ausblick-auf-Gimp-2-10-1781599.html

In der Rückschau auf 2012 auf der Gimp Homepage steht auch viel (auf Englisch).

VLC Version 2.05 erschienen

Da ich seit Jahren sehr zufrieden den Open Source Video Player vlc benutze, möchte ich das Erscheinen der neuen Version 2.05 als Anlass benutzen, Ihn hier mal auf das Podest zu heben. Dieser Player ist:

  • frei und Open Source
  • Universell, technisch versiert und spielt fast alles ab, ohne Einschränkungen wegen fehlender Codecs wie bei Media Player
  • Zuverlässig, müllt die Maschine nicht zu, geht bei jeder Windows-Version gleich gut
  • Ist auch ein Musik-Player
  • Kann sogar ein bisschen konvertieren und auch Webradio aufnehmen
  • Verrichtet auch unter Android auf meinem Nexus 7 gute Dienste.

Die neue Version ist nur ein Bugfix- und Stabilitäts-Release. Runterladen von http://www.videolan.org/

Kommt zurück in die Blogs

Für mich als Neu- und Hobby-Blogger ist es interessant, dass sich gerade eine Diskussion über Einzel-Blogger gibt, und solche, die sich in soziale Netzwerke integrieren. Gerade der folgende Artikel im Tagesspiegel zeigt, wie viel Einschränkung und Unfreiheit auch mit den sozialen Netzen einhergeht und wie man sich davor durch eigenständige Blogs schützen kann. Vieles von dem, was Jonny Haeusler hier äußert, hat mich auch zu hotchpotch-blog.de geführt, und ich bin mit meiner Entscheidung immer noch zufrieden.

http://www.tagesspiegel.de/medien/internet-und-grossunternehmen-kommt-zurueck-in-die-blogs/7589524.html

http://www.spreeblick.com/2012/12/28/2013-das-web-zuruck-erobern/

http://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/die-krise-der-blogger

 

Tatort: „Machtlos“

Gestern ein sehr experimenteller, aber trotzdem guter Tatort. Eher philosophisches Kammerspiel als Lösen eines Falles. Alles an diesem Film nimmt sich zurück: Die Polizeieinsätze, die Stimmen der Schauspieler, die Darstellung des Polizeiapparates. Keine gewohnten Bilder: Keine hysterische Mutter, keine Telefonzurückverfolgungs-Ritual, keine rüden Drohungen durch den Entführer, kein good-cop, bad-cop Spiel, kein Klischee wird benutzt und ausgefüllt. Erleichterung: Auch kein Versuch die Ermittler foltern zu lassen wie etwa im Fall Metzler/Gäfgen/Dascher.

Die Machtlosigkeit auf allen Ebenen wird schön gezeigt und auch zum Schluss nicht mit einem Patentrezept gelöst, sondern nur unspektakulär zu Ende geführt: Dem Zuschauer bleibt viel Raum und Zeit zum Nachdenken, der Fall ensteht im Kopf und nicht auf der Mattscheibe, was mir sehr gut gefällt. Andere wie die Spiegel Kritik finden das langweilig. Ich schließe mich da eher den lobenden Seiten an:

http://www.sueddeutsche.de/medien/berlin-tatort-machtlos-wer-die-stille-ertraegt-1.1565558

http://www.freitag.de/autoren/mdell/ein-rentner-aus-spandau

Link

Noch im Feiertagszyklus von Bayern2 Radio: Hörenswerter Beitrag zum Thema „Wie wir leben wollen, Postwachstumsökonomie„:

Die eigentliche Religion unserer Tage ist doch der Glaube an das Wachstum, diesem darf man nicht ketzerisch widersprechen, doch der Beitrag tut es.

Update 08.01.2013: Schön auch der Anfang der Radiospitzen Live aus Aschaffenburg Teil 2 von Volker Pispers dazu.