Bayerischer Rundfunk als Regierungssender

Bereits als ich kleiner Bub war, war der Bayerische Rundfunk nicht für für seine Neutralität und Ferne zur regierenden Partei bekannt, wohl aber für die Qualität mancher Beiträge. Hörte man dann mal wieder Nachrichten vom ORF, war man baff erstaunt, das das dort alles etwas anders klang.

Diese politische Färbung war jedoch zumindestens am Ende der Amtszeit des Intendanten Thomas Gruber nicht sehr stark, das Programm war für mich als regelmäßigen Hörer von Bayern2 Radio auch von einer gewissen Liberalität und Offenheit gekennzeichnet.

Leider hat sich dies seit der Amtsübernahme durch Ulrich Wilhelm am 6. Mai 2010 grundlegend geändert. Man merkt der politischen Grundfärbung des bayerischen Rundfunks jetzt wieder an, woher der Wind weht: Wilhelm hat ein CSU-Parteibuch, war Pressesprecher von Edmund Stoiber, Regierungssprecher von Angela Merkel und hätte Chef der Bayerischen Staatskanzlei werden können.

Seither ist die Nachrichtenlage und Darstellung wieder sehr von diesem Blickwinkel bestimmt, meine frühere Frühstücksendung „Welt am Morgen“ wurde mir dadurch oft zum Ärgernis. Dadurch höre ich in dieser Zeit den Deutschlandfunk, der wesentlich neutraler informiert und bei längeren Interviews den Politiker auch mal etwas auf den Zahn fühlt.

Einen erneuten Höhepunkt hat dies nun in der Berichterstattung über das Volksbegehren gegen Studiengebühren genommen: In einer Sendung des Magazins Kontrovers hat nicht nur der eingespielte Beitrag sondern auch die Moderation einen Tag vor dem Start des Volksbegehrens eindeutigst und explizit Position für die Studiengebühren bezogen: http://sz.de/1.1575884. Will man dies vor Volksbegehren wirklich in dieser Form haben? Ist das der Auftrag der öffentlich rechtlichen Grundversorgung? Wenn man bedenkt, dass gerade die Rundfunkgebühr zum Zwangssteuer geworden ist, da dieser Auftrag ja so wichtig ist, ist das sehr bedenklich.

Man kann dies auch an der Auswahl des Einstiegshörers beim Tagesgespräch vom 17.01.2013 zu diesem Thema hören: Die Dame war eindeutig politisch vorbelastet und hat sich am Ende noch als glühende Anhängerin des Ministers geoutet. Diese Art und Weise war sogar dem Moderator Stefan Parrisius peinlich, wie man dessen Tonfall anmerken konnte. Natürlich kann dort jeder Anrufen und diese Meinung ist genauso zulässig wie jede andere. Aber dass nach den Vorgesprächen genau so jemand auf die wichtige Position des ersten Hörers gesetzt wird spricht für sich. Auch sind die Sendungen, bei denen der zugeschaltetete Experte ein BR-Mitarbeiter ist, wie dieses mal Frau Dr. Annette Maier die „BR-Bildungsexpertin“, nicht die ausgewogenen. Auch Frau Maier hat mehr die Argumente pro Studiengebühren vertreten.