eBooks sind zu teuer!

eBooks kosten trotz vielfältiger Einschränkungen in der Nutzung kaum weniger als die Print-Ausgaben. Zum Beispiel bei Taschenbüchern sind es nur 7%, wie die folgende Graphik illustriert:

eBooks Taschenbuch Preise

Quelle c’t 1/2013

Dass das nicht so sein müsste will ich im Folgenden begründen.

Trotz des hohen eBook Preises kauft man nicht das gleiche Produkt, man hat durch DRM einen deutlich geringeren Nutzen: Kein nacheinander Lesen in der Familie, kein Verkauf, kein Verleih, kein Vererben, kein Auseinander-Dividieren nach einer Trennung und vielleicht sogar eine Neubeschaffung nach einer technischen Panne, Account-Problemen, Anbieter-Pleite oder einem Systemwechsel. Geschlossene Systeme wie Kindle-Amazon schaffen zusätzlich Risiken. Nichts mehr wird gekauft, was das Wohnzimmer schmückt!

Die Verlage und Anbieter behaupten ja, durch eBooks kaum einen Kostenvorteil zu haben, es sei ja nur das Werk, das bezahlt wird, gar nicht so sehr das physikalische Buch, das man anfasst. Das ist IMHO nur eine Behauptung, wie man sich leicht überlegen kann. Die Verlage und der Handel sparen reichlich an folgenden Punkten:

  • Materialkosten für Papier etc.
  • Umschlaggestaltung etc. wird kostengünstiger: Keine aufwendigen Materialien, Drucke und Prägungen mehr, bunte Pixel kosten Online immer das selbe.
  • Logistik und Lagerung im Großhandel entfällt
  • Versandkosten zum Buchladen entfallen
  • Druckmatritzen und -Filme etc. müssen nicht mehr für eine Wiederauflage eingelagert werden. Diese Nutzen sich auch beim Druck ab. Neuerstellung bei hoher Auflage entfällt.
  • Buchläden werden obsolet, da e-Bücher online gekauft werden. Die Kosten für Läden, Präsentation, Personal im Handel entfallen. Die Verdienstmöglichkeiten für den Buchhandel wohl auch, wenn Verlage direkt vermarkten. Zu mindestens verlagern sie sich. Die größeren Margen werden von den Verlagen und Groß-Buchhändlern eingesteckt.
  • Das unternehmerische Risiko für Verlage wird geringer, da die Kosten und Risiken einen unbekannten Autor auf den Markt zu bringen geringer werden, sich praktisch nur noch auf die Vermarktung reduzieren.
  • Auf Amazon gibt es sogar Autorenpaket Kindle Direct Publishing, wo die Arbeit der technischen Erstellung des Werkes vom Autor übernommen wird. Amazon stellt nur noch die Plattform.
  • Die Kosten für Internettransfer, Lesegeräte werden durch den Leser getragen.

Für die Anbieter bleiben neben neben der Pflege der Autoren und der elektronischen Archivierung des Portfolios nur noch die Kosten der Online-Vermarktung: Marketing, Shops, Server-Farmen und IT-Systeme. Diese Kosten wachsen aber nicht in dem Maße proportional zu den Stückzahlen die umgesetzt werden, wie dies bei physikalischer Vermarktung der Fall ist. Ein Bestseller lässt die Kassen also viel deutlicher klingeln, ein Ladenhüter verursacht weniger Kosten.

Wie so oft bei Innovationen bleiben die Ersparnisse beim Anbieter hängen, die Endverbraucherpreise ändern sich kaum. Ja, der Endverbraucher übernimmt sogar mit seinen Lesegeräten und Internet-Verträgen freiwillig die Zusatzkosten der Innovation.

Ein eBook ist eine schöne Sache und wird sich, davon bin ich überzeugt, schnell durchsetzen. Die Verbraucher sollten sich aber überlegen, ob sie zu diesen Bedingungen unkritisch auf den Zug aufspringen sollten:

  • Kaufzurückhaltung würde die Verlage und den Buchhandel zum Umdenken bringen
  • Aufklärung ist wichtig, denn bei Print und eBook werden sehr ungleiche Produkte verglichen, anders als der Verbraucher es wahrnimmt. Ein eBook ist eben nicht sowas wie ein Buch ohne Papier, sondern nur noch eine Lese-Erlaubnis. Diesen Paradigmenwechsel verstecken die Anbieter hinter den technischen Neuerungen.
  • Die höhere Mehrwertsteuer für eBooks ist unsinnig.
  • Die Buchpreisbindung für eBooks macht keinen Sinn und ist dem Markt, der sich entwickeln müsste, abträglich. Sie passt nicht zu den Bedingungen eines Online-Marktes.
  • Format-Bindung wie beim Kindle oder zum Teil bei den apple-Shops ist abzulehnen. Standardformate wie ePub öffnen den Markt. Würden sie sich beim Autokauf die Tankstellen vorschreiben lassen?

Fazit: Weniger DRM, mehr Standardisierung bei Formaten und Leseeinrichtungen und günstigere Preise, dann wird das eBook eine Revolution und Erleichterung auch für den Leser. Der viel gerühmten Haptik eines Taschenbuches wird dann keiner mehr nachtrauern.