Freiburgs Verwaltung kapituliert

http://www.heise.de/open/meldung/Freiburg-OpenOffice-soll-durch-MS-Office-ersetzt-werden-1749302.html

Traurige Nachricht für alle Open-Source Befürworter:

Freiburg macht, unter Ägide von grünen Politikern, den Beschluss zur Verwendung von OpenOffice statt Microsoft Office rückgängig. Am schlimmsten finde ich dabei die Entscheidung, von dem offenen Dateiformat abzugehen. Basis für die Entscheidung ist eine zum Teil oberflächliche Studie, die den Wechsel untermauern soll. Die geschilderten Probleme kenne ich auch aus meinen Erfahrungen:

  • Die Benutzer lehnen OpenOffice wegen der angeblich so anderen Bedienung ab. Das sind aber meist genau diejenigen, die beide Programme gleichermaßen schlecht bedienen können und mit „dem Standard“ MS-Office dank Werbung und Gruppengefühl einfach glücklicher sind. Ein totaler Wechsel der Bedienung wie zu den Ribbons hin wird dagegen nicht als störend, sondern als innovativ empfunden.
  • Das Konvertieren von Dokumenten zwischen den Formaten kann gut oder auch schlecht klappen. Schaut man sich die schlechten Beispiele an, so ist aber oft das Ausgangsdokument total vermurkst und sieht nur auf dem Papier korrekt aus. Schon das Einschalten der Anzeige nicht druckbaren Zeichen lässt einen erschaudern. Gut strukturierte Dokumente konvertieren auch gut.
  • Das Problem mit den Fachanwendungen kann ich nachvollziehen und ist wahrscheinlich das größte: Viele Anbieter entwickeln mit MS Werkzeugen und setzten dabei ganz selbstverständlich die ganze MS-Infrastruktur voraus: DotNet, MS-SQL-Server, Windows-Server, Internet-Explorer mit Active-X, Outlook, Office der Version XY mit VBA-Objektmodell. Das ist ein Geflecht von unseligen Abhängigkeiten, das man nur an den Quellen beseitigen kann. Die Anbieter haben den Kostenvorteil und verdienen meist auch noch an den Lizenz- und Wartungskosten mit, der Kostennachteil liegt bei der Anwender-IT. Statt ein fertiges PDF mit einem Report-Generator zu erzeugen, schießen viele Anwendung ein Word-Dokument heraus, dass der Benutzer dann noch „nacharbeiten“ kann. Sie sparen sich so die Pflege der Reports und wälzen Versions-Abhängigkeiten auf den Kunden ab.
  • Die Zerwürfnis zwischen LibreOffice und OpenOffice ist sicherlich zunächst bedauerlich und schade. Die Faktenlage ist jedoch nicht so negativ: LibreOffice veröffentlicht kontinuierlich gefällige und sehr brauchbare Versionen und hat eine vernünftige Roadmap. OpenOffice ist gerade Apache Top-Level-Projekt geworden, was eine gewisse Auszeichnung darstellt und eher für Kontinuität steht. Die Situation könnte durchaus besser sein, ist aber auch kein Grund für Gänsehaut. Ich erwarte mittel- bis langfristig ein Verschmelzen der beiden.

Schade, dass Freiburg hier Fakten für große zukünftige Abhängigkeiten schafft. Erstaunlicherweise haben sie das 2011 auch noch ganz anders dargestellt:

Dass man die Sache auch anders sehen kann zeigen die folgenden Links:

Update 16.11.2012:

Es formuliert sich auch Widerspruch gegen die Office-Migration:

2 Gedanken zu „Freiburgs Verwaltung kapituliert

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