Trend zum eBook

Anlass Tagesgespräch

Aus dem BR2 Tagesgespräch zum Thema eBook  vom 10.10.2012 waren die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Ältere Menschen nehmen eBooks unvoreingenommener an als jüngere
  • Die Widersacher reden eher von Haptik und Geruch eines Buches als von DRM, das Problem wird von den meisten unterschätzt und zu wenig gesehen.
  • Der als technischer Experte verkaufte Vertreter der Bitkom hat wie so oft statt Fakten eher Marketing-Aussagen und Nebelkerzen im Rahmen seiner Lobbyarbeit verkündet, und das rhetorisch auch noch schlecht.

Mein Standpunkt

Das eBook wird das Papierbuch zum Großteil verdrängen und das hat schon lange begonnen. Die Frage ist nur wie.

Viele Menschen diskutieren über die Haptik eines Buches, den schönen Umschlag, die Typografie, den Geruch und haben natürlich irgendwie recht. Großformatige Bildbände, wie sie Weihnachten unter dem Christbaum liegen, werden so schnell nicht ein eBook sein. Aber alle Bücher, die weitgehend nur aus Fließtext bestehen und wenig Bilder enthalten, werden nicht mehr lange auf Papier gedruckt werden. In USA hat das eBook die Papierbücher schon fast eingeholt. Gerade eben hat sich libri.de in ebooks.de umbenannt. Letzteres zeigt wohl auch den Trend weg vom Latein, hin zu Anglizismen 😉

Die Vorteile

Die Vorteile liegen liegen meiner Ansicht nach gerade im Reader:

  • Er ist, da über den Buchverkauf mit finanziert, leicht bezahlbar.
  • Die guten ePaper-Displays sind in Qualität jetzt schon mit einem Buch vergleichbar und das wird sicher noch besser.
  • Man kann auf Ihm viele Bücher mitnehmen, z.B. im Urlaub, ohne viel zu tragen.
  • Er fühlt sich bei allen Büchern gleich vertraut an.
  • Die Displays und die Handhabung werden mit jeder Hardware-Generation besser. Haben wir mit Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen, wird das in Zukunft die Hintergrundbeleuchtung machen. Mit Ihr kann man im Doppelbett auch lesen, ohne den schlafende Partner zu stören.
  • Die Akku-Laufzeiten der ePaper Reader sind sehr lang.
  • Der gewohnte Online-Käufer kommt ohne Ladenbesuch zu neuen Büchern, zum Beispiel schon während des Gesprächs mit einem Freund über ein Buch kann man es kaufen und schon auf dem Heimweg mit dem Lesen beginnen.

In ein nicht allzu langer Zeit wird jeder Pendler, der gerne liest, einen eBook-Reader mitführen, keine Bücher. Bei Musik und MP3 ist es ja das gleiche: Viele hören Musik in der U-Bahn, aber wer hat schon einen Vinyl-Plattenspieler dabei? Wer trauert der Haptik der verhassten CD-Boxen nach?

Die Nachteile

DRM

Dei Nachteile liegen im Wirtschaftlichen, und hier machen es die Anbieter, Buchhändler und Verlage, sehr geschickt: Man zahlt pro gekauftem Buch nur unwesentlich weniger, besitzt aber nichts mehr, sondern erwirbt nur ein Leserecht. Das Löschen von Büchern durch Amazon im Jahr 2009 hat dies gezeigt. Ginge Amazon pleite, wären vermutlich alle gekauften eBooks verloren. Die Kosten für den Druck und das Buch waren früher beim Verlag, sie fallen weg. Die Kosten für die Lesegeräte liegen beim Käufer. Der Kostenvorteil der Anbieter wird aber klein geredet und kaum an den Lesenden weitergegeben.

Viel schwerer wiegt aber noch die Vertragsgestaltung in Kombination mit dem Digitalen Rechte Management (DRM). Man kann die Bücher nicht verkaufen, nicht gebraucht verschenken, schlecht verleihen. Das ist keine technische Einschränkung, technisch wäre das heute leicht, sondern eine wirtschaftliche, und mindert den Wert des Buchkaufes nochmals. Hat man ein gutes Buch früher in der Familie weitergereicht oder an Freunde verliehen, und es wurde bei einem Kaufpreis mehrfach gelesen, läuft dies, bei der derzeitigen Struktur, eher auf einen mehrfachen Kauf hinaus. eBooks sind, wenn man dies in Relation setzt, also nicht billiger sondern teurer als Papierbücher.

Wieder der Vergleich mit Musik als MP3: Die MP3 Datei ist ohne DRM als Privatkopie auf mehrere Abspielgeräte verteilbar. Auf Datenträger wie USB Stick gesichert gehört sie mir auch physikalisch, selbst wenn ein MP3 Player kaputt geht und mein Musik-Store Pleite geht. Doch auch die Musik- und Filmindustrie versucht dies zu ändern: Mit dem bequemen Streaming-Abo eines Anbieters kann man die Musik und die Filme nur noch konsumieren, aber nicht mehr aufbewahren und archivieren. Die Leitungskosten für die Internet-Flat dazu auf dem Smartphone trägt man selbstverständlich auch. Hat man mal finanzielle Probleme und kein Geld fürs Musik-Abo, hört man eben keine Musik mehr und sieht keine Filme, selbst wenn man über die Jahre vorher ganz stattliche Summen dafür ausgegeben hat.

Technische Fragen

Standardformate wie ePUB und PDF sind schön, aber Amazon als Marktführer hat auf Kindle sein eigenes, proprietäres Format. Ein Kindle zeigt kein ePUB, ein Sony Reader kein Kindle Buch. Das Konvertieren ist zwar möglich, aber umständlich und eine Wissenschaft für sich. Amazon mit seiner Marktmacht schafft hier Fakten. Mehrere Anbieter heiß also vielleicht auch mehrere Reader.

Der separate eBook-Reader wird vielleicht ein Übergangsprodukt sein, eBooks werden in Zukunft mehr auf Smartphones und Tablets gelesen werden. Diese Geräte haben aber nicht alle guten Eigenschaften der Spezialisten.

Datenschutz

Die Reader speichern bei den Geräten die aktuell gelesene Seite auf Servern des Anbieters (z.B. Amazon), damit man das Buch leicht wieder aufschlagen kann, auch bei einem Wechsel auf ein anderes Gerät. Dadurch wird es den Anbietern möglich, die Lesegewohnheiten zu analysieren, Schnelligkeit, Zurückblättern, Mehrfachlesen, Abbruch nach einer bestimmten Seite, alles wird überwachbar. Der Schaden wiegt hier größer als der Nutzen der Synchronisierung über mehrere Geräte.

Fazit

Ich habe noch keinen Reader und kein eBook (Ausnahme: IT-Fachbücher), auch wenn ich von den Vorteilen überzeugt bin. Die Nachteile aber lassen mich bislang vom Kauf Abstand nehmen und das ist gut so, auch das Papierbuch tut es noch. Wenn alle Verbraucher Zurückhaltung üben würden, mit dem Ziel einen Verbraucher-freundlicheren Markt zu erwirken, wäre das ideal. Das wird aber wahrscheinlich nicht passieren, das eBook wird sich verbreiten. Das Papierbuch wird dann als Luxus-Objekt plötzlich dreimal soviel kosten 🙁

Ein Gedanke zu „Trend zum eBook

  1. Pingback: Amazon blockiert Kindle-Benutzerkonto | Hotchpotch Blog

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