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Zeitumstellung

An diesem Wochenende erleben wir wieder das Schauspiel der Zeitumstellung, und immer wieder werden ähnliche Statements abgegeben. Da gibt es Politiker, diesmal ist es Ilse Aigner, die den Kampf gegen die Zeitumstellung medienwirksam antreten, weil es erwiesen ist, dass sie nichts bringt und die Menschen sie nicht wollen. Da höre ich zwar immer genau hin, weil ich selbst ein Gegner der Zeitumstellung bin, habe aber stets die Skepsis, ob wirklich etwas passiert.

Diese Diskussion gibt es seit Jahren, auch die Erkenntnis, dass die Energieeinsparung durch die Sommerzeit nicht gegeben ist, ist eine uralte und oft belegte. Da ist es wohlfeil für die Politiker ihre Abschaffung zu fordern, Bevölkerung und Wissenschaft ist in großere Mehrheit dafür. Und: was gibt es schöneres für Politiker, als eine populäre Maßnahme, die nichts kostet, weil man nur aufhören muss, die Uhren umzustellen? Und trotzdem passiert jedesmal: Nichts.

Meine Interpretation: Mag es auch stimmen, dass die Energieeinsparung nicht spürbar ist, es gibt es starke Interessen am Verbleib der Daylight Saving Time, sonst hätten wir sie nicht mehr. Nach meiner Einschätzung wirkt die Zeitumstellung nämlich schon, aber nicht auf die „armen geplagten Milchkühe“, sondern auf uns Menschen. Ist es Abends lange hell, haben wir eben auch nach einem langen, stressigen Arbeitstag keine Lust früh zu Bett zu gehen, sondern können die Zeit für Gastronomie, Freizeitverhalten und Shopping nutzen, wir haben trotz Überstunden die Zeit und auch die Lust, um Umsätze zu machen. Und das passiert im Gegensatz zur Energieeinsparung wirklich und ist IMHO der wahre Grund, warum wir uns zweimal im Jahr mit der Umstellung und ihren Nachteilen ärgern. Dieser ist, anders als die Energieeinsparung durchaus in Euro messbar. Und gerade auch für uns Menschen ist es lästig: Die Milchkühe stellen sich um, aber wenn wir uns im Biergarten abends länger aufhalten, nimmt uns der Wecker am morgen die Stunde trotzdem weg, geschenkt gibt es hier nichts. Aber darüber haben Frau Aigner und die anderen Akteure vor Ihr nichts gesagt.

Ich denke also, ich muss noch länger warten, bis aus den vielen Forderungen der Politiker eine echte Maßnahme wird. Und wenn dann wird eher ganzjährig die Sommerzeit beibehalten, damit wir es anders als Putin machen und die Nutznießer unseres Freizeitverhaltens keinen Schaden leiden.

Ich hätte gerne die Winterzeit für das ganze Jahr, so wie wir es früher gemacht haben, ohne Umstellung. Das Ziel sollte es stets sein, dass um 12:00 der amtlichen Zeit der wahre Mittag auch möglicht nahe ist, so wie wir es durch die Einteilung der Welt in Zeitzonen ja auch anstreben. Der ganze Stress der Umstellungen fällt dann weg, Uhrzeit und astronomische Verhältnisse sind sich nahe. Politische Ziele, die das Verhalten der Menschen betreffen, sollten zum Beispiel durch Regelungen der Arbeitszeiten, Öffnungszeiten und des Schulbeginns dann auch wirklich demokratisch diskutiert und beschlossen werden, und nicht durch Tricksereien mit der Uhrzeit.

EEG Reform: Verlierer sitzen nicht am Tisch

Der Kommentar der Tagesschau sagt es trefflich: Es gibt bei der heute in Gang gebrachten Reform des EEG nur Sieger, denn die Verlierer sitzen nicht mit am Tisch. Und die Verbraucher zahlen, für die Kürzung sinnvoller Reformen und die Ausweitung bzw. Fortschreibung unsinniger.

http://www.tagesschau.de/inland/energiekommentar100.html

Update 03.04.2014: Auch die TAZ sieht den Abschluß negativ:

http://www.taz.de/Debatte-Strompreise-und-Energiewende/!136032/

Offshore-Geldmaschinen

Eine Montagsmeldung (eigentlich Osterdienstagsmeldung) von heute kommt von den Verbraucherschützern, die die Rentabilität von Offshore Windanlagen in Zweifel ziehen:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ausstiegs-forderung-verbraucherschuetzer-halten-offshore-windkraft-fuer-irrtum/8007926.html

Zurecht meine ich. Wir erleben gerade eine Revolution: Die Zentralisierte Energiewirtschaft wird gerade dezentralisiert: Viele Windräder, Solarfarmen und vielleicht auch Wasserkraftwerke (die ich kritisch sehe) erzeugen überall in der Fläche Strom. Die Unternehmer und Profiteure sind dabei nicht nur die großen Stromkonzerne, sondern vielerlei Anbieter, auch der einzelne Landwirt oder die Genossenschaft einer Gemeinde. Da könnte vielleicht sogar ein Markt entstehen 😉

Siehe auch http://www.oeko.de/oekodoc/1512/2012-077-de.pdf

Da die Energie überall erzeugt wird, muss man sie auch nicht erst durch ganz Deutschland leiten. Und das beste: Die Anlagen stehen schon überall, die Einstiegsinvestition ist schon getan, auch wenn das EEG hier natürlich noch fordert.

Ganz anders die Offshore-Windparks: Sie sind die Renaissance des Zentralismus: Aufgrund des absurden Aufwandes können das natürlich wieder nur die Konzerne leisten, die sich von uns dafür bezahlen lassen. Die Anlagen liegen fernab von den Verbrauchern, allein der Anschluss an die Küste ist eine Herausforderung, die Weiterleitung nach Baden-Würtemberg ein Schildbürgerstreich. Aber irgendwie muss doch auch nach der Atomkraft eine Geldmaschine erhalten bleiben.

Hier muss ich nochmals auf die sehr gute Glosse des BR hinweisen, die ich in „Schlappe Energiewende“ schon gepostet habe.