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Hayır

Es ist unglaublich, wie oberflächlich unsere Medien manchmal sind. So berichtet die Tagesschau über das Referendum in der Türkei, das mit Ja oder Nein ausgehen kann:

http://www.tagesschau.de/inland/deutsch-tuerken-101.html

Dabei wird in dem Artikel das türkische Nein „Hayır“ mit einem „i“ geschrieben, weil es den Laut „ı“ bei uns nicht gibt. Das ist ungefähr so als würde man einem Kind einen Marder als „Katze“ erklären, nur weil es noch nie einen Marder gesehen hat (umgekehrt hat es allerdings Republikgründer Atatürk den Türken auch leicht gemacht, als er die Schreibweise von neuen Lehnwörtern der Aussprache angepasst hat. So heißt zum Beispiel die Motordroschke in der Türkei „Taksi“.).

Kann man über türkische Befindlichkeiten, die Politik, die Verfassung des Staates berichten, wenn man nicht mal willens ist, die türkische Rechtschreibung zu beachten? Unsere Computer und Systeme können das inzwischen schon lange, wie dieser Post demonstriert (allerdings ersetzt WordPress den Laut im Permalink auch mit einem „i“ 😉 ). Ich meine, wenn man über zukunftsweisende Entscheidungen des türkischen Volkes berichtet, sollte man, egal welche Position man auch einnimmt, wenigstens die Sprache und Rechtschreibung der Kultur beachten, sonst kommt der Verdacht auf, dass man es mit den Interessen der Türken auch nicht so genau nimmt. Eine Redakteurin eines Rundfunksenders wie des hr sollte damit umgehen können, schließlich ist die Sprache ihr Metier.

Mir ist der Laut „ı“ bekannt von einer lang vergangenen Türkei-Reise, weil ich den Ortsnamen von „Kuşadası“ nie richtig aussprechen konnte, was für unsereiner wirklich schwierig ist. Es ist eben kein „i“.

Übrigens sagt man in der Türkei meistens gar nicht „Hayır“, sondern „Yok“, vielleicht ist das ja ein Omen für das Referendum.

In ähnlicher Weise ist mir zuwider, wenn Sprecher und Moderatoren ebenso wie die befragten Politiker die Ukraine mit einem Umlaut wie das „ei“ aussprechen, nicht a-i, wie es sich eigentlich gehört.

Im Kern ist die Sprachbehandlung hier Indikator für die Denkweise dahinter: Bedeutet Globalisierung, dass Entfernungen weniger Rolle spielen und wir zu einem intensiveren Austausch auch der Kulturen kommen, oder ist hegemoniale Einebnung, Standardisierung und Verdrängung der Fall? Das unsägliche Wort „Leitkultur“ gehört zu dieser Art zu denken.

Der nächste Putsch ist absehbar

Zur Lage in der Türkei hat Hans Peter Uhl ein Interview in DLF gegeben, das mir gefallen hat. Er sieht die Zukunft dieses mir so sympatischen Landes, das ich bereits 1985 mit dem Motorrad das erste Mal bereist habe, genauso düster und sorgenvoll wie ich.

Wenn jetzt zehntausende türkische Bürger aus Ihren Positionen entfernt und vielleicht auch eingesperrt werden, kann es nicht ohne Gegenwehr abgehen. Es sind ja gerade die Eliten und fähigen Leute, denen dies passiert. Werden diese es ohne Gegenwehr geschehen lassen? Sicher nur kurzfristig. Eine gespaltene Gesellschaft, so wie sie sich in der Türkei immer rasanter entwickelt, wird sich voraussichtlich nicht in Harmonie auflösen.

 

Wahlkampf à la Erdogan

In einem sehr seltsam anmutenden Youtube-Spot, setzt Erdogan sich und seine Partei mit dem Staat gleich und degradiert sein Volk zu aufopferungsbereiten Ameisen.

http://www.vice.com/de/read/der-verrueckteste-wahlkampfspot-der-welt

Nun ist aber das Verwenden von Staatsflagge und Nationalhymne im Wahlkampf verboten, deswegen verbietet ein Gericht den Spot. Die Staatsflagge wird darauf hin ersetzt, die Hymne bleibt, das Urteil kümmert den Präsidenten hier nicht viel. Macht auch nichts, da er kurz später Youtube verbietet, weil es Pläne zu Kriegsprovokationen mit Syrien leakt, dann kann den Spot eh keiner mehr sehen. So geht Demokratie!

Update 1.4.2014: Auch diesem Post kann man vorwerfen, ein so wichtiges Thema wie die Planung einer Kriegsprovokation durch das Nato-Land Türkei gegen Syrien hinter „lustigen“ Youtube-Videos und der Nachricht von der Sperrung von Youtube zu vernachlässigen. Der Link auf den beunruhigenden SZ Artikel ist zwar da, wird aber sicherlich nicht von vielen gelesen. Deshalb sei hier ein Link auf einen freitag.de Artikel ergänzt, der genau dieses beklagt:

https://www.freitag.de/autoren/propagandaschau/nato-land-tuerkei-plant-ueberfall-auf-syrien

Club Magic Life Sarigerme

Gerade planen wir den Urlaub für dieses Jahr und überlegen uns, den für uns erfolgreichen Aufenthalt in der Türkei Ende August bis Anfang September 2013 zu wiederholen. Offensichtlich planen andere auch, denn ich bin von jemand per Email nach dem Club gefragt worden, über den wir seinerzeit erzählt haben. Meine Antwort ist ziemlich ausführlich geworden, und da wir recht zufrieden waren, sei dies hier mal in einen Post gefasst.

Wir waren im Club Magic Life Sarigerme Imperial im Süden der Türkei, nahe Dalaman. Dies ist eine sehr lange etablierte Urlaubsregion, diese Anlage gibt es seit 1986, entsprechend schön ist die Lage eingebettet in den Hügeln der Küste und die Gartengestaltung, für uns wichtige Kriterien. Ein Standort, wo man im Hochsommer wirklich auf Jacke und Pullover verzichten kann und auch nasse Badekleidung nicht frösteln lässt.

Magic Life sind die preiswerte Variante der Robinson-Clubs und eine österreichische TUI-Tochter. Der Club dort existiert seit 1986 und hat eine fantastische landschaftliche Lage, ein wunderschönes Hotelgelände.

Mit Club Robinson, Ibero Hotel und Club Seno teilt er sich den sehr großzügigen Strand, hat einen ausgedehnten Abschnitt, eher den besseren. Das vorgelagerte Inselchen „Baba Adası“ schützt den Strand und erlaubt sowohl Wasserski als auch Segelbetrieb. Wir sind wegen des Topcat-Segelns dort gewesen, das war wunderbar, dort kann man auch den Schein machen (ca. 150 EUR, 3-4 Tage), der Pflicht dafür ist. Gebucht wird der Club von vielen auch wegen der leichten bis anspruchsvollen Mountainbike-Touren in die gebirgige Umgebung.

Fast nur von deutsch sprechenden Leuten aller Altersklassen besucht, viele Österreicher, einige türkische Familien, viel Stammpublikum, auch Rentner, die das 15te mal da sind. Nach den bayerischen Schulferien ab Mitte September, als wir abgereist sind, war der Altersdurchschnitt schon recht hoch.

Lage, Sportmöglichkeiten, Animation und Abendshows herausragend, Essen gut, viele türkische Sachen, aber eher sparsam, den Sternen gerade noch so angemessen. Blick von der Dachterrasse sensationell, kann man im a la Carte Restaurant genießen.

Hier eine Galerie mit ein paar Bildern und Panoramen, die ich gemacht habe:

Für uns ein erfolgreicher Urlaub, den wir sehr genossen haben. Vielleicht buchen wir heuer einen anderen Club dieser Kette.