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Was für ein Zirkus

Es ist mal wieder Zeit für eine Tatort-Kritik, auch wenn sie die gestrige Ulrich Tukur-Werbesendung „Schwindelfrei“ nicht verdient hat.

Auch Matthias Dell in seiner Kritik bringt es nicht so schön auf den Punkt wie die FAZ, wo ich jedes Wort mittragen würde:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tatort-folge-schwindelfrei-wo-die-wilden-moehren-wachsen-12696940.html

Arme Tatort-Fans

Gestern während des Tatorts „Freunde bis in den Tod“ wünschte man sich wieder mal die zeit sinnvoller genutzt zu haben. Vielleicht gilt das ja ebenso wie das Posten darüber 😉

Wieder mal wünschte man sich die Pensionierung des Ludwighafener Duo Odenthal und Kopper, dabei können die Charakter und deren Schauspieler diesmal gar nichts dafür, da dieser Tatort so schematisch und uninspiriert angelegt war, wie noch selten erlebt. Da merkt man so richtig, dass ein Entscheider sagt: „Macht doch mal was über Jugend, Amoklauf und Internet“, und in Folge eine ganze Schar von Dienstleistern dieses lustlos und ohne Anspruch auf eine authentische Geschichte, ja ohne Geschichte überhaupt, darstellt, wie ein Bullshit-Bingo.

Keine der Verhaltensweisen im Film war irgendwie durch ein schlüssiges Motiv gedeckt, nicht bei einem der Charaktere.

Das war unterirdisch schlecht, noch unterhalb der Inga Lürsen-Qualen.

http://www.freitag.de/autoren/mdell/er-war-sauer-auf-dich

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tatort-freunde-bis-in-den-tod-seltsam-diese-kinder-12603952.html

Das war tödlich

Gestern habe ich mich mal wieder sehr über den Tatort „Er wird töten“ aus Bremen geärgert: Hohes Aufregerpotential, gerade für Eltern, wenig erzählte Geschichte. Eigentlich nichts zu ermitteln, bis auf die Wendung vom Schluss, aber die war nach 25 Minuten schon klar. Inga Lürsen in ihrer altersbedingt bewegungslosen, aber doch stets sehr emotionalen und Frauen-verstehenden Rolle wäre für mich ganz oben auf der Pensionierungsliste der ARD-Tatort-KommisarInnen.

Die Szenen zur Afghanistan-Bewältigung waren, wieder mal, politisch diktiert, man hätte sie ohne Probleme herausschneiden können und in jeden anderen Film einsetzen, ohne dem Film und der Handlung was zu nehmen. Das braucht es schon die Gemeinsamkeit der Federn in den Szenen, um das ganze überhaupt anzubinden. Wahrscheinlich sind es die selben Politiker, die erst entscheiden, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt wird und unsere Soldaten da hin schicken, und nachher solche Szenen erwirken, damit „Volk“ versteht, wie schwierig das für unsere Jungs dort ist.

Herrlich wieder die Rezension von Matthias Dell auf freitag.de:

http://www.freitag.de/autoren/mdell/zapf-eure-quellen-an

Link

Der Tatort „Puppenspieler“ aus Bremen wollte soviel und konnte so wenig. Viele Themen angesprochen, schon in den ersten 10 Minuten: Umwelt-Aktivismus, Erpressung (sogar doppelt),  jugendliche Prostituierte, die auf der Strasse leben, skrupellose Unternehmer, korrupte Richter, Afghanistan, Midlive-Crisis, Geheimorganisation von Profi-Killern. Da kann einem nur schlecht werden. Keines dieser Themen wird in einer Weise ausgebaut, dass man darauf nicht hätte verzichten können. Das Sonntag-Abend-Tatort-Ritual wird so zur leeren Hülse, zum „aus Gewohnheit Zeit totschlagen“.

Schön dagegen ist die kultige Aufbereitung von Matthias Dell in freitag.de, die wie immer gekünstelt wortgewaltig und herrlich zynisch und vernichtend ist. Lohnt sich auch diesmal.

Tatort „Melinda“

Der „Neue“ vom Tatort Saarbrücken musste gleich in der ersten Folge die Welt vor skrupellosen Diplomaten ( = Drogenhändlern, = Kinderhändlern) und unterbelichten Staatsanwältinnen retten. Inszeniert eher wie ein Kommödienstadel als wie ein Tatort. Die Staatsanwältin (Sandra Steinbach) erinnerte in Ihrer Art an die Comedienne Martina Hill, die in der Heute Show die Statistik-Expertin Tina Hausten genauso exaltiert und schrill gibt.

Das positivste: Hier ist mal der männlicher Polizist für die Emotionen zuständig, die seine kalten Kolleginnen nicht hatten. Das wäre ausbaufähig entgegen den Lena Odenthal Klischees. Mein Urteil: Was fürs Herz, aber auch eher seltsam als gelungen. Ob daraus noch ein Publikumsliebling wird?

http://www.freitag.de/autoren/mdell/der-ist-in-frankreich-ne-unterweltgroesse

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tatort-melinda-im-ersten-ein-saarlaendischer-irrweg-12036339.html

Tatort: „Machtlos“

Gestern ein sehr experimenteller, aber trotzdem guter Tatort. Eher philosophisches Kammerspiel als Lösen eines Falles. Alles an diesem Film nimmt sich zurück: Die Polizeieinsätze, die Stimmen der Schauspieler, die Darstellung des Polizeiapparates. Keine gewohnten Bilder: Keine hysterische Mutter, keine Telefonzurückverfolgungs-Ritual, keine rüden Drohungen durch den Entführer, kein good-cop, bad-cop Spiel, kein Klischee wird benutzt und ausgefüllt. Erleichterung: Auch kein Versuch die Ermittler foltern zu lassen wie etwa im Fall Metzler/Gäfgen/Dascher.

Die Machtlosigkeit auf allen Ebenen wird schön gezeigt und auch zum Schluss nicht mit einem Patentrezept gelöst, sondern nur unspektakulär zu Ende geführt: Dem Zuschauer bleibt viel Raum und Zeit zum Nachdenken, der Fall ensteht im Kopf und nicht auf der Mattscheibe, was mir sehr gut gefällt. Andere wie die Spiegel Kritik finden das langweilig. Ich schließe mich da eher den lobenden Seiten an:

http://www.sueddeutsche.de/medien/berlin-tatort-machtlos-wer-die-stille-ertraegt-1.1565558

http://www.freitag.de/autoren/mdell/ein-rentner-aus-spandau

Sonntag Abend TV

2.12.2012: Sonntag Abend Ritual des Tatort-Schauens: Schon aus der Vorankündigung, die wie in letzter Zeit üblich, 95% der dürftigen Handlung offenbart, war mir klar, das mir das nicht gefallen wird: Jugend-Klischees für dauerempörte Law-and-Order-Bürger visualisiert. Das man aber auch soviele andere Klischees und Platitüden so lose zusammenpackt und mit Bildern garniert auf den Zuschauer los läßt, hätte ich mir nicht vorstellen können. Der Artikel in freitag.de sagt das sehr treffend:

http://www.freitag.de/autoren/mdell/ist-ne-ueble-gegend-hier

Später ging es leider auch nicht besser weiter: Roche und Böhmermann haben leider nicht nur Ihre „Gästin“ Sarah Wagenknecht vermisst, sondern auch Ihre Fähigkeit aus Ihren Gästen durch kluge Fragen was rauszukitzeln. Eine eher laue Folge dieser eigentlich recht innovativen Talkshow.

Tatort „Alter ego“ von gestern

Neugierig war ich auf den Tatort von gestern speziell nach der Vorankündigung im Spon. Nach der Sendung mehr Enttäuschung als Begeisterung: Stressige Schnittfolgen im Sekundentakt ist man ja allerorten schon gewohnt, aber zu den Pathologen-Szenen kommen jetzt noch die Profiler-Szenen mit dazu, wie die Mode sie fordert: CSI Dortmund. Es ist scheinbar nicht einfach, die Oldie-Sendung Tatort zu modernisieren.

Dem Thema Homosexualität sind sie trotz Ambition doch nur im Klischee gerecht geworden. Da Hat mir Jan Weilers Glosse zum Thema schon besser gefallen, wenn auch nicht immer politsch korrekt 🙂

Gute jedoch die Schauspieler und die Zusammensetzung des Teams.

Wer wissen will, wie es den anderen gefallen hat: Im Tatort Fundus bewerten die Fans die Folge.