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Gewerkschaft erzielt Mindestlohn + 0,01 €

Heute hat der Bayerische Rundfunk die folgende Nachricht getextet:

Mitarbeiter von Schnellrestaurants bekommen mehr Geld

Berlin: Die Beschäftigten von Mc Donald’s, Burger King und anderen Schnell-Restaurants bekommen mehr Geld. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten einigte sich in der Nacht mit dem Bundesverband der System-Gastronomie auf einen Tarifvertrag für zwei Jahre. Künftig verdient jeder Mitarbeiter mindestens 8,51 Euro in der Stunde – das ist rund ein Euro mehr als bisher.

Klingt sehr Positiv, oder? Der DLF spricht zusätzlich noch von „langen Verhandlungen“. Was in beiden Meldungen nicht erwähnt wird: Der gesetzliche Mindestlohn beträgt ab 1. Januar 2015 8,50 EUR. Nach meiner Auffassung würde der Lohn von Gesetz wegen also eh bald 8,50 EUR betragen.

Die Gewerkschaft hat es also geschafft, einen symbolischen Cent über diesem Mindestlohn zu erzielen und dies in langen Verhandlungen. Gut das wir so starke Gewerkschaften haben. Man stelle sich doch mal vor, jeder zehnte Mc. Donalds oder Burger King würde bestreikt – mehr Deckung hätten die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hier bestimmt nicht – unsere Wirtschaft würde still stehen. Beruhigend, dass Frau Nahles Gesetz zur Tarifeinheit da bald Sicherheit schafft.

Seltsam, dass das Wort Mindestlohn in den Meldungen so gar nicht auftaucht.

Was ist die Rolle der Gewerkschaft hier? Hat sie was erzielt? Zynisch gesprochen: Ohne die Gewerkschaft hätte ein Bewerber im Gespräch wohl die theoretische Chance mehr als den Mindestlohn zu erzielen. Jetzt gibt es einen Tarifvertrag, der den Mindestlohn samt symbolischem Cent festschreibt, da kann der Bewerber eigentlich kaum mehr verlangen. Ist das also eine Gewerkschaft, die den Arbeitnehmer gut vertritt? Ich glaube ich habe es nicht wirklich verstanden. Solche Gewerkschaften sind es, die sich Frau Nahles und die Arbeitgeber wünschen, eine GDL, Cockpit oder Marburger Bund, die wirklich was erzielen für ihre Mitglieder braucht es dagegen nicht.

Faule Äpfel

Der Mindestlohn sei wie „ein roter Apfel, der auf einer Seite verfault ist“. So kritisiert die Vorsitzende des Forum Demokratische Linke, kurz DL21, das Vorgehen beim jüngsten politischen Projekt. DL21 ist das wichtigste Forum der SPD-Linken, bei dem Frau Nahles einmal Vorsitzende war, und aus dem sie jetzt wegen dieser Kritik an ihrer Politik ausgetreten ist.

Frei nach Müntefering: „Große Koalition ist Mist“. So kann auch ich mich der obigen Aussage anschließen. Wie wenig man auch innerhalb der Parteien mit den Ergebnissen der Großen Koalition zufrieden sein kann, zeigen die beiden folgenden Artikel sehr schön:

Thema Mindestlohn:

http://www.sueddeutsche.de/politik/streit-um-mindestlohn-spd-linke-steht-vor-der-spaltung-1.2031702

Beim Thema EEG ganz ähnlich:

http://www.freitag.de/autoren/julian-heissler/die-neinsager

Christoph Süß im schönen Süßstoff vom 05.07.2014 illustriert hierzu die Widersprüche beim Mindestlohngesetz:

Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze?

„Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze“, dieses Mantra wird immer wieder von Wirtschaftexperten verbreitet. Das Argument der Arbeitsplatz-Vernichtung wird in unserer Zeit immer als das finale Argument verwendet, wenn die Diskussion beendet sein soll. So stelle ich mir ein „Gott will es so“ im Mittelalter vor, da kann man auch nicht mehr viel dagegen sagen.

Eine Gegenposition vertritt Franz-Josef Möllenberg, Chef der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten, heute Morgen im Interview im Deutschlandfunk sehr vehement und kompetent.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/2078966/