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In meinem Post „Der Russe wars“ bin ich auf den Umgang der Medien mit dem „Feind Russland“ eingegangen. In dem guten Artikel  Spiel ohne Regeln stellt Michael Jäger im Freitag dies in einen größeren Zusammenhang, das Ringen um eine neue Weltordnung. Er zeigt darin, dass die Vergleiche mit dem „kalten Krieg“ hinken.

Der Jemen am Abgrund – Die vergessene Katastrophe

Im Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten schaut die Welt auf Syrien. Derweil spielt sich im Jemen eine ähnlich dramatische Tragödie ab. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungerkatastrophe, das US-Militär intensiviert seine Angriffe auf Al-Qaida-Stellungen im Land.

Quelle: Der Jemen am Abgrund – Die vergessene Katastrophe

Audio:

Ein seltener Beitrag, findet doch der Krieg in Jemen nicht die Beachtung wie vergleichbar Syrien, da er doch von „den Guten“ geführt wird.

Deutschland führt in Syrien Krieg

Da ich nichts davon halte, das Deutschland am Hindukusch oder anderswo auf der Welt „verteidigt“ wird, habe ich der Abstimmung über den Syrien-Einsatz im Bundestag schon mit Grauen entgegen gesehen. Spannend war nach Tagen der Vorbereitung eigentlich nur, wie die Grünen abstimmen. Trotzdem wurde das Ergebnis in viele Eilmeldungen getextet, aber das ist ein anderes Thema. Hier ist das Ergebnis:

Abstimmung Syrieneinsatz

Abstimmung Syrieneinsatz 4.12.2015 Quelle Bundestag

Bei Geschlossenheit in CDU/CSU und der Linken sind bei den Grünen und SPD die Abweichler interessant, die Anzahl bei der SPD hat mich überrascht. Das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten lässt sich über den Link nachvollziehen.

Ich hätte dagegen gestimmt, weil ich:

  • den Verteidigungsfall gemäß unseres Grundgesetzes enger und in Folge auch pazifistischer sehe.
  • den Einsatz ohne UN-Beschluss als völkerrechtswidrig ansehe. (SPON, Handelsblatt). Umgangssprachlich auf den Punkt gebracht: Wir haben da unten nichts zu suchen.
  • den Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris für konstruiert halte. Man hat sich nicht einmal mehr die Mühe gemacht, Belege dafür zu präsentieren, die reine Behauptung reicht. Es werden zwar bekennende Bildchen aus dem Internet präsentiert, aber ohne Quellenangabe, aus der man den Kontext prüfen könnte. Jeder der schon mal eine Phishing-Mail bekommen hat, weiss wie einfach ein Layout zu fälschen ist. Ein Diskussion der Glaubwürdigkeit und der Motivation findet nicht statt. Der deutliche Widerspruch der Biografien der Täter zum Zusammenhang mit dem IS wird ignoriert.
  • den Schluss, dass eine Terrorgefahr in Paris auch eine Terrorgefahr in Deutschland bedeutet, für zweckorientiert und nicht für zutreffend halte. Erst durch unsere Beteilung am Einsatz entsteht eine solche Gefahr durch IS überhaupt.
  • nicht glaube, dass sich die Lage in Syrien durch Bombardements verbessern lässt oder der IS mittel- und langfristig damit bekämpft wird.
  • glaube, dass der IS durch vorangegangene Einsätze im Irak und durch die Destabilisierung Syriens durch den „Westen“ erst den Raum bekommen hat, den er jetzt für sich beansprucht.

Ganz egoistisch denke ich auch: Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo deutsche Nazi-Vergangenheit so lange her war, dass man mit deutschem Pass die ganze Welt bereisen konnte, ohne Hass oder Gefahr auf sich zu ziehen. Das war ein schönes Gefühl und ein guter Zustand. Wenn Deutschland als Nation jetzt wieder weltweit Kriege führt, die so nach meiner Einschätzung grundgesetzwidrig sind, führt das dazu, dass ich die Landkarte, ähnlich wie die Angelsachsen einfärben muss: In Länder, wo ich hinreisen kann und andere, wo es zu gefährlich ist. Ich würde mir wünschen, als Deutscher überall willkommen zu sein, wie ich das früher erlebt habe, und habe Angst, dass es für meine Kinder nicht mehr so ist. Ist der IS diesen Verlust wert?

In der Heute-Show wird der „Krieg gegen den Terror“ wunderbar in zwei Minuten erklärt:

Christine Prayon als Birte Schneider, heute show

Lüge in Kriegszeiten

Wer meinen Blog hier liest, weiß, dass ich zu den aktuelle Konflikten in Gaza und der Ukraine und der Art, wie sie uns in unseren Medien präsentiert werden, nicht still sein kann.

Der folgende Telepolis Artikel von Mathias Bröckers befasst sich mit den Thesen von Arthur Ponsonby, der den berühmten Spruch „When war is declared, truth is the first casualty“ (dt.: „Nach der Kriegserklärung ist die Wahrheit das erste Opfer.“) ersonnen hat, sowie deren Anwendbarkeit auf unsere Medienlandschaft. Er fasst die aktuelle Vorgehensweise wunderbar zusammen und verlinkt dabei auf gute Quellen und Beispiele, der Artikel ist überaus lesenswert. Auch in den Forenbeiträgen dazu verbirgt sich mancher gute Kommentar und Link.

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42386/1.html