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Bewegung in der Katholischen Kirche?

Nach einem scheinbar liberalen Zwischenbericht machten sich viele, denen eine Öffnung der Katholischen Kirche am Herzen liegt, Hoffnung auf den Abschluss der Synode. Sie wurden enttäuscht, nicht einmal das auch in Deutschland sehr wichtige Thema des Umgangs mit geschiedenen Katholiken wurde angepackt.

SZ: Katholische Kirche verfehlt grundlegende Öffnung

Das als überraschend zu bezeichnen wäre wohlwollend. Bereits beim Zwischenbericht zeichneten sich große Differenzen in dem Gremium ab. Das Satire-Magazin extra 3 hat dies auch schon vorher gewusst:

Update 21.10.2014: Ein etwas ernsterer und wohlwollender Kommentar im DLF:

http://www.deutschlandfunk.de/bischofssynode-der-heiligenschein-ist-weg.720.de.html?dram:article_id=300784

UNESCO-Weltkulturerbe für 30 Euro

früher hieß es, in Bayern gehen die Uhren anders. Das gilt wohl generell für sehr katholische Länder wie man am folgenden Artikel über die umstrittenen Besitzverhältnisse für die Mezquita-Catedral de Córdoba nachlesen kann.

http://www.taz.de/Katholische-Kirche-kassiert-reichlich/!134552/

Das Bauwerk war immerhin von 784 bis 1236 islamische Moschee, soll aber nicht mehr so genannt werden, wenn es nach dem Bistum geht. Durch ein umstrittenes Gesetz aus dem Jahre 1996, erlassen von der damals konservativen Regierung von José María Aznar, konnte sich die Kirche das Bauwerk, das jährlich von 1,4 Millionen Besuchern besichtigt wird, für 30 Euro aneignen, das vorher allen Spaniern gehörte. Eine Petition und die jetzige Regierung wollen das rückgängig machen.

Bravo Benedikt

Papst Benedikt (wikipedia)

Papst Benedikt (wikipedia)

Papst Benedikt hat mit seinem Rücktritt seiner Amtszeit noch eine revolutionäre Note gegeben, indem er die Kirche und insbesondere seinen Nachfolger angeregt hat, das Papstamt neu zu definieren. Dies verdient höchsten Respekt.

Ich habe die lebenslange Amtszeit immer als unübersehbaren Anachronismus empfunden: Wie soll jemand in hohem Alter eine solch komplexe Organisation wie die katholische Kirche mit der im verliehenen riesigen Machtfülle und der damit verbundenen Verantwortung leiten, wenn er gebrechlich ist? Bereits in der Kindheit habe ich viel mit alten Menschen zu tun gehabt, und kann es mir einfach nicht vorstellen, dass lebenslanges Wirken dem Amt dient. Zweifelsohne werden in solchen Phasen körperlicher und geistiger Schwäche andere die Macht ausüben und die Kirche prägen. Dies ist ein größerer Widerspruch zur Definition des Papsttums als er sich jetzt durch den Rücktritt ergibt.

Noch ganz genau ist mir die lange Qual in Erinnerung, die Johannes Paul II. durch die Kombination von Krankheit und Amt erleiden musste. Dies war der Würde des Amtes und der Fülle der Aufgaben unangemessen. Viel schlimmer noch: Es hat den Ritualen der Kirche und den repräsentativen Auftritten ein unmenschliches Antlitz gegeben.

Vielleicht war ja Josef Ratzinger in dieser Zeit als Chef der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre schon ein bisschen Papst, so dass er nur noch die Bürde des Amtes durch die Wahl bekommen hat. Diese Bürde hat er nun wieder abgeschüttelt. Die Amtszeit wird wohl vor allem mit Ihrem Anfang, der „Wir sind Papst“ Euphorie, und ihrem Ende, der Neudefinition des Papsttums durch Benedikts Rücktritt, in Erinnerung bleiben.

Ich schließe mich mal wieder Heribert Prantl an, der lesenswert in der SZ schreibt:

In dieser Größe liegt aber etwas sehr Bitteres, ja Tragisches – weil die Kraft sich eben erst im Abschied zeigt. Nur mit seinem Rücktritt sprengt Benedikt die Ketten der Tradition, überall sonst hat er an den Ketten der Tradition nicht gerührt, da und dort hat er sie sogar verstärkt; nur dieses eine Mal wächst er über sich, über sein Herkommen, sein traditionelles Verständnis von Kirche, nur dieses eine Mal wächst er hinaus über das, was schon immer galt in der Kirche.

Sehr viel beissender und kirchenferner drückt dies die taz in Ihrem „Nachruf auf Papst Benedikt“ aus, doch auch solche Stimmen haben angesichts der Amtsführung ihre Berechtigung.