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Trump schleift Netzneutralität

Donald Trump ist gerade in der Phase der Einlösung der Wahlversprechen. War die Entscheidung für Jerusalem als Hauptstadt von Israel schon gruselig genug (darüber müsste eigentlich ein eigener Post geschrieben werden), hat er nun die unter Obama wirklich mühsam errungenen und ungeheuer wichtigen Regelungen zur Netzneutralität gekippt. An und für sich haben die beiden Entscheidungen nicht viel miteinander zu tun, gemeinsam ist beiden: Sie kosten Trump nichts und vielen anderen Menschen eine Menge.

Über Netzneutralität habe ich schon geschrieben, hier nochmal kurz meine Sicht:

Internet-Anschlüsse vergleiche ich veranschaulicht immer mit Wasseranschlüssen von Gebäuden: In den Anfangszeiten konnten die Menschen es immer nicht fassen, dass sie Netz an zwei Computern gleichzeitig nutzen können, hier war der Vergleich von zwei gleichzeitig offenen Wasserhähnen hilfreich. Dies ist er auch bei der Versorgung generell: Wohnen Sie in einem Haus in der Nähe eines Krankenhauses machen sie sich trotzdem keine Sorgen darüber, ob sie Duschen können, denn die Wasserversorgung ist so dimensioniert, dass beide Gebäude gut versorgt sind, sie können gut duschen ohne das das Wasser nur tröpfelt, auch wenn im Krankenhaus gerade operiert wird. Genau so verhält sich das mit dem Netz: ist es überall ausreichend dimensioniert kommen alle Pakete mit geringer Latenz und ausreichend Bandbreite an, es muss nichts geregelt werden. Netzneutralität ist damit eigentlich selbstverständlich, wir müssten uns darüber ebenso wenig Gedanken machen, wie beim Wasseranschluss.

Anders aber wenn die Kapazität nicht ausreicht, vielleicht der Fall wenn die ganze Welt Fernsehen und Filme nur noch on Demand streamt, manche Leitungen könnte Engpässe darstellen, hier muss investiert werden. Wird das Netz verbessert, wäre das Problem wieder gelöst. Aber ohne Netzneutralität ergibt sich sogar ein neues Geschäftsfeld: Ich spare mit als Netzbetreiber die Investition, nehme dafür Premium-Kunden für einen „priorisierten Betrieb“ Zusatzgebühren ab. Wahrscheinlich überwiegen die Zusatzgebühren vom Ertrag bei weitem sogar die Einsparungen der Investition, die Frage kann davon sogar entkoppelt werden. Ist das Netz nicht neutral kann ich auch Einfluss nehmen: Kommt eine neuer angesagter Streaming-Dienst als Konkurrenz hoch, kann ich ihn ausbremsen, so dass beim Kunden der Eindruck von Langsamkeit oder Unzuverlässigkeit entsteht. Die Netzanbieter könnten so großen Einfluss auf Geschäftsmodelle im Netz haben. Was das heißt, kann man am Beispiel von Telekom StreamOn schon gut sehen, hier werden die „Content-Partner“ bevorzugt.

Der Server, von dem Sie diesen Post lesen, ist derzeit gut erreichbar. Wenn ich für diese Erreichbarkeit viel zahlen müsste, würde ich ihn wahrscheinlich nicht betreiben, die Unabhängigkeit von anderen Diensten wäre damit weg. Damit kann ich ohne Netztneutralität sogar mittelbar die Meinungsvielfalt beeinflussen und zensieren.

Die Netzneutralität ist also wirklich ein wertvolles Gut, ohne Netzneutralität regiert und reguliert das Geld auch das Internet und damit unsere Informations- und Meinungsfreiheit.

Schön finde ich, dass das Thema jetzt beim Trump-Bashing soviel Aufmerksamkeit genießt. Diese Medienaufmerksamkeit hätte ich mir schon vor zwei Jahren gewünscht, als das Thema in der EU heiß war und auch nicht ganz sauber gelöst wurde. Hier war der Aufschrei deutlich ruhiger. Frau Merkel war übrigens auch für die Abschaffung der Netzneutralität, ist ihnen das in gleicher Weise aufgefallen, wie bei Donald Trump?

Und weil das Video von TotalBiscuit einfach so gut ist, will ich es hier abermals wiederholen:

 

Eingriff in die Demokratie – die Manipulations-Tools des GCHQ

Bereits im Post „NSA: Nicht nur lesen sondern manipulieren“ habe ich auf die schändlichen Planungen des britischen Geheimdienstes GCHQ hingewiesen, die öffentliche Meinung durch Fakes im Internet zu manipulieren und missliebige Personen in Misskredit zu bringen.

Das Magazin Breitband von Deutschlandradio Kultur hat sich des Themas angenommen:

http://breitband.deutschlandradiokultur.de/brb140719/

Wider den Routerzwang

Schöne neue Welt: Während beim klassischen DSL Anschluss die Wahl beim Kunden liegt, was am für ein Gerät am Splitter hängt, ist bei den Anschlüssen der nächsten Generation, Kabel oder Glasfaser, nur ein vom Provider vorgeschriebenes Modell zulässig. Dies hat für den Provider viele Vorteile, für den Verbraucher fast nur Nachteile:

  • Kostengünstige oder leistungsfähigere Modelle können nicht in Betrieb genommen werden. Nicht nur im professionellen Umfeld ist dies ein großer Nachteil, den ich in meiner Arbeit immer wieder beobachten kann.
  • Die günstige und aggressiv beworbene Monatspauschale für das Internet wird klammheimlich um eine Mietgebühr für den Router ergänzt, die nur im Kleingedruckten steht. Diese trägt aber nennenswert zu den Kosten bei, und ist viel variabler vom Provider zu steuern.
  • Orwell 2.0: Mit einem Zwangsgerät, dessen Eigenschaften ich nicht nachprüfen kann, ist eine unbemerkte Überwachung leicht möglich. Ebenso wie die sogenannten „intelligenten Stromzähler“ sind diese Geräte trojanische Pferde im eigenen Haus, die jegliche Information über Nutzungsgewohnheiten und den Netzverkehr zum Provider oder weiter zu BND und NSA liefern können.

Die Proteste dagegen sind also sehr verständlich. Doch die Politik und die Bundesnetzagentur hören mehr auf die Lobbyisten, wie die beiden folgenden Artikel gut im Detail belegen:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Transparenzverordnung-kommt-Routerzwang-bleibt-2249972.html

http://www.golem.de/news/chaos-computer-club-bundesnetzagentur-schafft-routerzwang-nicht-ab-1403-105442.html

Streaming kann Besitz nicht ersetzen

In einem aktuellen Fall wird mal wieder der Hauptnachteil von Streaming deutlich: Disney meint, dass Amazon-Käufer Ihre Weihnachtsfilme besser im Juli anschauen sollen, damit Disney sie zweimal verkaufen kann:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/streaming-disney-loescht-weihnachtsfilm-fuer-amazon-kunden-a-939297.html

In einem bösen Spruch sage ich manchmal: „Mach die Augen zu, dann weißt Du, was Dir gehört!“. Genau so ist es beim Streaming von Musik und Filmen (und ähnlich auch beim EBook): Man erwirbt nur ein Nutzungsrecht und hat keinen Besitz. Der Fall im Artikel demonstriert, wie feinfühlig die Rechteinhaber damit umgehen.

Auch wenn Streaming bequem ist, man stelle sich mal nur einen finanziellen Abstieg vor. Eine CD-Sammlung, oder moderner, die MP3 Sammlung auf der Festplatte, die man in liquiden Zeiten erworben hat,  kann man weiter abhören, der Streaming-Vertrag wird gekündigt und vorbei ist es mit dem Medien-Konsum. Das für das Streaming gezahlte Geld ist trotzdem weg. Alles wird virtueller, auch unser Konsum.

Breitband-Entwicklungsland Deutschland

Mein Wohnort ist nicht der Nabel der Welt, deswegen ist kaum mehr als 6000 Kbit/s Internet Bandbreite zu kriegen. Ein full HD-Streaming von Videos ist damit nicht möglich. Ich bin zufriedener Kunde von Vodafone (früher Arcor). Die Telekom verspricht zwar mehr, das habe ich aber nicht verbindlich zugesagt bekommen und die Art, wie die Telekom zu Neuverträgen kommen will, ist gelinde gesagt, fragwürdig. Ich sollte einen Portierungsauftrag unterschreiben, bevor ich einen Telekomvertrag und dessen Bedingungen zu Gesicht bekommen habe.

Dabei muss ich noch froh sein, überhaupt DSL zu haben, nur ein paar hundert Meter Luftline entfernt gibt es gar nichts. Dass Deutschland im Kontext eher Entwicklungsland als High-Tech-Nation ist, zeigt der folgende Artikel mit vielen Zahlen und Details. Das die schwarz-gelbe Regierung hier keine gute Figur macht, kommt dabei auch heraus. Statt die Rahmenbedingungen für einen Ausbau entweder finanziell oder gesetzgeberisch zu schaffen, bedeckt man sich mit nur Feigenblätter wie die LTE-Verpflichtung der Provider.

Mich wundert immer noch, dass die Privatisierung von Netzen immer noch als witschaftspolitisch sinnvoll angesehen wird. Die Folge ist jeweils ein geringer Ausbau bzw. eine fahrlässiger Umgang mit der Pflege und Wartung des Netzes, egal ob Wasser, Strom, Bahnnetz. Lediglich beim Kassieren der Gebühren sind die privaten Anbieter vorbildlich.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/schmalband-deutschland-warum-unser-internet-immer-noch-zu-langsam-ist-a-901508.html

Internetprovider leisten weniger

In einer groß angelegten Studie hat die Bundesnetzagentur die Qualität der Internet-Anschlüsse getestet. Ergebnis: Fragwürdig in Qualität und Vertragsgestaltung.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Speed-Studie-Bis-zu-ist-ein-dehnbarer-Begriff-1840513.html

Die Originalstudie gibt es zum Download als PDF.

Wer will, kann auf http://www.initiative-netzqualitaet.de/ bis Ende Juni 2013 auch noch am Test teilnehmen. Auch die so wichtige Netzneutralität kann geprüft werden.

ARD komplett im Netz

Die ARD haben Ihr komplettes Programm ins Web gestellt. Wenn jetzt auch noch das Depublizieren nach 7 Tagen aufhören würde, ist das richtig was für unsere (seit 1.1.2013: Zwangs-) Gebühren.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/ARD-streamt-komplettes-Programm-von-Das-Erste-1776536.html

http://live.daserste.de/

http://www.ardmediathek.de/

„Depublizieren“, schon das Wort ist absurd

Schön, wenn ich mit der CSU einer Meinung bin, aber eigentlich kommen die Idee im Rundfunkgebühren-Staatsvertrag doch aus dieser Ecke:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/CSU-kritisiert-Depublizieren-oeffentlich-rechtlicher-Inhalte-1739371.html

Schon im Artikel über die Tagesschau App habe ich mich über die unsägliche 7-Tages Beschränkung ereifert. Ich hoffe, sie fällt. Das Gangnam-Style Video wird auf Youtube 500 Millionen mal gesehen, aber tolle Sendungen werden nach 7 Tagen aus dem Netz genommen. Betrifft sogar meine Blog-Artikel wie z.B. Versprechen in der Euro-Krise, die leiden darunter, dass die Videos nicht mehr verfügbar sind.

Update: Jetzt ist das Gangnam Style Video auch nicht mehr verfügbar, dank der Wohltaten der GEMA in Deutschland. Siehe zu diesem Thema auch den Radiobeitrag in Wer kontrolliert das Wissen? – Die Zukunft unserer digitalen Kultur.