Schlagwort-Archive: Griechenland

Den wilden Gram macht die Gewohnheit zahm

„Den wilden Gram macht die Gewohnheit zahm“ schreibt William Shakespeare. Will meinen: Wenn ein Missstand nur lange genug besteht, regt man sich nicht mehr darüber auf. Und so ist es auch in Sachen Griechenland: Der wilde Gram der Austeritätsgegner ist inzwischen zahmer Gleichgültigkeit gewichen.

Aus einem Kommentar in der taz in meinem Sinne:

Quelle taz.de: Kommentar Griechische Austeritätspolitik: Macht der Gewohnheit

EZB: Umgang mit Griechenland legal?

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte 2015 Griechenland mit mehreren harten Maßnahmen unter Druck. Ein routinemäßiges Rechtsgutachten dafür wird geheimgehalten, so dass ein der EZB nicht genehmer Inhalt vermutet werden darf.

Eine Kampagne von DiEM25 (wikipedia) und der folgende Artikel auf freitag.de beschäftigen sich mit dem für die europäische Demokratie wichtigen und brisanten Thema.

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mario-rueck-das-gutachten-raus

Europoly

Europoly, so heißt die medial gekonnt aufbereitete Studie zur Situation in den Ländern wie Portugal und Griechenland, die derzeit unter dem Einfluss der Troika stehen und kaum Aussichten haben, als Gewinner aus der Krise zu kommen.

Etwas sarkastisch wird die Analogie zum Spiele-Klassiker Monopoly aufgezeigt. Sehenswert!

http://europoly.tagesspiegel.de/

 

Herzloses Europa

Mein gewohntes Hören von Nachrichtenmagazinen am Morgen hat zur Zeit meist Pause, ich höre mehr Musik als früher. Grund ist, dass ich die vielen Meldungen und Äußerungen unserer Politiker aller Couleur zur Vorgehensweise mit den Flüchtlingen kaum mehr ertragen kann. Asylrecht, Völkerrecht, menschliches und empathisches Vorgehen, alles scheint gerade in den Gehirnen der Bevölkerung ebenso wie in deren Vertretern nicht mehr zu existieren oder Pause zu haben. Das ist weder inhaltlich noch in seiner Zerstrittenheit formal das Europa, das ich mir vorgestellt habe, für vieles was passiert schäme ich mich.

Da hat mir ein Interview, in das ich am Freitag hinein gerutscht bin, gut getan. Karl Kopp, der Europareferent von Pro Asyl ist in einem Interview mit dem DLF, anlässlich der Verabschiedung des Asylpaket II  an manchen Stellen sehr emotional geworden und hat mir aus der Seele gesprochen. Er hält sich in Griechenland auf und kann die Verhältnisse dort gut schildern.

http://www.deutschlandfunk.de/pro-asyl-zur-eu-fluechtlingspolitik-ein-rabenschwarzer-tag.694.de.html?dram:article_id=346757

Griechische Seelenlandschaften

Das Thema Griechenland ist aus den Schlagzeilen verschwunden, statt dessen beschäftigen und jetzt brennende Flüchtlingsunterkünfte, Gottseidank bislang noch meist vor dem Bezug. Dabei sind viele Probleme noch nicht gelöst und die wenig auf die Belange der griechischen Bevölkerung Rücksicht nehmende deutsche Verhandlungsstrategie sollte uns jetzt noch die Schamröte ins Gesicht treiben.

Um so bemerkenswerter ein Radiofeature von Alkyone Karamanolis, das heute in Bayern 2 Radio gesendet wurde und um 20:05 nochmals wiederholt wird:

Griechische Seelenlandschaften
Von Umbrüchen und Aufbrüchen
Von Alkyone Karamanolis

Es gibt ein „Davor“ und ein „Danach“ in Griechenland, die Krise hat das Land tiefgreifend verändert. Der äußere Wandel ist leicht zu erkennen: entmietete Geschäfte, magere Straßenbeleuchtung, ein ausgedünnter öffentlicher Nahverkehr mit überfüllten Bussen und U-Bahnen, Baustellen, an denen die Arbeit zum Erliegen gekommen ist. Was man nicht sieht, sind die Veränderungen im Inneren der Menschen. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, Biographien sind aus dem Tritt geraten: Da ist der ehemalige Betreiber einer Jazzbar, der heute als Friedhofswärter arbeitet. Da ist die Rentnerin, die Mühe hat, ihren Alltag zu bestreiten. Oder der Arzt, der eine Solidaritätsklinik gegründet hat. Und dann sind da die zwei jungen Designerinnen, die aus der Not eine Tugend gemacht haben und mit großem Erfolg Produkte aus billigen Materialen kreieren. Ein Feature von Alkyone Karamanolis.

Es beleuchtet die Krise, den politischen und medialen Umgang damit, und der Auswirkungen auf die Menschen fundiert und genau, auch die aktuelle Situation und hat mir deshalb gut gefallen.

http://www.br.de/radio/bayern2/inhalt/radio-revue-griechenland-100.html

Auch zum Nachhören:

 

Das TINA-Syndrom

„There is no alternative“ wird uns immer wieder in vielen essentiellen politischen Fragen erzählt, gerade dann, wenn sehr teure und zugleich fragwürdige Entscheidungen von großer Tragweite gefällt werden. Damit wir das auch fast alle glauben, beten uns die Medien nahezu einstimmig die echten und vermeintlichen Fakten dazu vor, meistens in einer solchen Vehemenz und Fokussierung auf ein Thema zu einer Zeit, dass man dem nicht entkommen kann.

Am Beispiel Griechenland zeigt ein DLF-Dossier von Brigitte Baetz wie dieses TINA-Syndrom funktioniert:

http://www.deutschlandfunk.de/griechenland-krise-in-deutschen-medien-ungefragte.1170.de.html?dram:article_id=328300

 

Skript „Das TINA-Syndrom“ (PDF-Datei)

 

Wahlen in Griechenland

Gestern wurde in Griechenland gewählt, dass Alexis Tsipras so stark bestätigt wieder die gleiche Koalition bilden kann, hat dabei zumindest die Demoskopen überrascht. Mich hat es gefreut, dass die Vertreter der gescheiterten politischen Kaste, die ND und Pasok, nicht wieder erstarken und als langer Arm der EU zur Verfügung stehen konnten. Die Pasok ist in einem Zustand wie die FDP in Deutschland, die ND verharrt auf ihrem harten Kern von Stammwählern.

Interessant aus meiner Sicht die mediale Aufbereitung in Deutschland: Sind bei deutschen Wahlen Zahlen und Charts von allen Quellen verfügbar, so muss man sie hier mühsam aus den Meldungen, Kommentaren und Interpretationen herauspicken. Eine Trennung von Meldung und Kommentar findet ohnehin nur noch selten statt. Charts gibt es fast nicht, spiegel.de hat als einzige Online-Redaktion gute, die Tagesschau verweist dazu auf Griechenlands Innenministerium. So ist es schwer, sich eine eigene Meinung zu bilden, weil man die Informationen aus vielen anderen Meinungen herauspicken muss.

Sehr blumig die vielen Interpretationen: „Keine Begeisterung“, „keine Spielräume“, „kein wirklicher Sieg“, „auch für die EU die beste Wahl“, … Was da alles zu hören war lies mich oft schmunzeln. Das ist schon fast eine Kunstform, was die Korrespondenten und Experten da liefern.

Da ist es wohltuend, in der Zeit einen relativ guten und umfassenden Kommentar zu finden:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-09/alexis-tsipras-griechenland-syriza-wahl/komplettansicht