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Metallindustrie – Längere Beschäftigung von Zeitarbeitern ermöglicht

„Vorbildliches“ Verhalten der Gewerkschaft: Für unser Klientel in Stammbelegschaft handeln wir was heraus, für das Heer der Leiharbeiter sind wir nicht zuständig. Wer so leichtfertig die Zeitspanne für Leiharbeit von 1,5 auf 4 Jahre verlängert, hat die Bezeichnung Arbeitnehmervertreter nicht verdient.

In der Metall- und Elektroindustrie ist einem Medienbericht zufolge künftig eine deutlich längere Beschäftigung von Zeitarbeitern möglich.

Quelle: Metallindustrie – Längere Beschäftigung von Zeitarbeitern ermöglicht

Pro Bahn und die GDL

Gerade eben habe ich mich über eine Nachrichten Meldung des BR ärgern müssen. Nach der Ankündigung der GDL, dass nun wieder mit Streiks gerechnet werden muss ist dort heute als oberste Meldung folgendes zu lesen:

„Pro Bahn“ kritisiert Streikankündigung der GDL

Berlin: Die Fahrgastvereinigung „Pro Bahn“ hat die neue Streikankündigung der Lokführergewerkschaft GDL scharf kritisiert. Vorstandsmitglied Naumann sagte, mit solchen Aktionen schade GDL-Chef Weselsky seiner Organisation mehr, als dass er den Mitgliedern nutze. Langsam hätten die Bahnkunden kein Verständnis mehr. Weselsky hatte die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn zum wiederholten Mal für gescheitert erklärt. In der ARD kündigte er für nächste Woche neue Streiks an. Einzelheiten nannte der GDL-Chef nicht. Der Konzern bezeichnete das Vorgehen der Spartengewerkschaft als völlig unverständlich und überzogen. Personalvorstand Weber sagte, die GDL steige nur einen Meter vor der Ziellinie aus den Verhandlungen aus.

Das klingt zunächst gut, ist aber eher Propaganda, damit wird schon vor Streikbeginn die Hetze auf GDL eröffnet. Das „Vorstandsmitglied Naumann“ hat hier wohl eher eine Privatmeinung ausgedrückt, als für Pro Bahn zu sprechen. Der eigentliche Vorsitzende der Pro Bahn wäre Jörg BruchertseiferKarl-Peter Naumann gehört dem Vorstand eigentlich nicht direkt an, sondern ist seit 2012 lediglich Ehrenvorsitzender.

Und dies nicht zufällig, seine Unabhängigkeit von der Bahn wurde aufgrund eines anstehendes „Beschäftigungsverhältnisses“ mit der Bahn auch verbandsintern angezweifelt, ein kleiner Eklat. Dieses Beschäftigungsverhältnis wurde von der Bahn wohl extra konstruiert, um Naumann finanziell abzusichern. Nachzulesen ist dies noch mehrfach:

Die Meldung geht also auf einen gerne noch quer schießenden „Ehren“-vorsitzenden zurück, der außerhalb und innerhalb von Pro Bahn verdächtigt wurde, nicht genug unabhängig von der Bahn zu sein. Das ist dem Meldungstext so wohl nicht zu entnehmen, der dies eher wie eine Pressemitteilung von Pro Bahn behandelt. Da wäre es eigentlich Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden, dies klar zu stellen. Mal schauen, ob das passiert und ob dies dann auch wieder die erstgenannte Meldung des Tages ist.

Der öffentlich rechtliche Rundfunk bezieht jährlich über 8 Milliarden Euro. Hauptargument dafür ist, dass wir gut und unabhängig informiert seine sollten. Diese Art von Meldung ist kein gutes Beispiel dafür.

Gewerkschaft erzielt Mindestlohn + 0,01 €

Heute hat der Bayerische Rundfunk die folgende Nachricht getextet:

Mitarbeiter von Schnellrestaurants bekommen mehr Geld

Berlin: Die Beschäftigten von Mc Donald’s, Burger King und anderen Schnell-Restaurants bekommen mehr Geld. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten einigte sich in der Nacht mit dem Bundesverband der System-Gastronomie auf einen Tarifvertrag für zwei Jahre. Künftig verdient jeder Mitarbeiter mindestens 8,51 Euro in der Stunde – das ist rund ein Euro mehr als bisher.

Klingt sehr Positiv, oder? Der DLF spricht zusätzlich noch von „langen Verhandlungen“. Was in beiden Meldungen nicht erwähnt wird: Der gesetzliche Mindestlohn beträgt ab 1. Januar 2015 8,50 EUR. Nach meiner Auffassung würde der Lohn von Gesetz wegen also eh bald 8,50 EUR betragen.

Die Gewerkschaft hat es also geschafft, einen symbolischen Cent über diesem Mindestlohn zu erzielen und dies in langen Verhandlungen. Gut das wir so starke Gewerkschaften haben. Man stelle sich doch mal vor, jeder zehnte Mc. Donalds oder Burger King würde bestreikt – mehr Deckung hätten die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hier bestimmt nicht – unsere Wirtschaft würde still stehen. Beruhigend, dass Frau Nahles Gesetz zur Tarifeinheit da bald Sicherheit schafft.

Seltsam, dass das Wort Mindestlohn in den Meldungen so gar nicht auftaucht.

Was ist die Rolle der Gewerkschaft hier? Hat sie was erzielt? Zynisch gesprochen: Ohne die Gewerkschaft hätte ein Bewerber im Gespräch wohl die theoretische Chance mehr als den Mindestlohn zu erzielen. Jetzt gibt es einen Tarifvertrag, der den Mindestlohn samt symbolischem Cent festschreibt, da kann der Bewerber eigentlich kaum mehr verlangen. Ist das also eine Gewerkschaft, die den Arbeitnehmer gut vertritt? Ich glaube ich habe es nicht wirklich verstanden. Solche Gewerkschaften sind es, die sich Frau Nahles und die Arbeitgeber wünschen, eine GDL, Cockpit oder Marburger Bund, die wirklich was erzielen für ihre Mitglieder braucht es dagegen nicht.

Link

In einem Interview mit dem DLF spricht Reiner Hoffmann, der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) über die Akzeptanz des Gesetztentwurfs zur Tarifeinheit von Arbeitsministering Nahles seitens des DGB. Friederike Spiecker von flassbeck-economics.de zerlegt seine Aussagen auf das Feinste:

http://www.flassbeck-economics.de/ueberbietungskonkurrenz-aufgelesen-bei-reiner-hoffmann/

Audio des Interviews, die Passage ab 02:02 wird kritisiert:

Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze?

„Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze“, dieses Mantra wird immer wieder von Wirtschaftexperten verbreitet. Das Argument der Arbeitsplatz-Vernichtung wird in unserer Zeit immer als das finale Argument verwendet, wenn die Diskussion beendet sein soll. So stelle ich mir ein „Gott will es so“ im Mittelalter vor, da kann man auch nicht mehr viel dagegen sagen.

Eine Gegenposition vertritt Franz-Josef Möllenberg, Chef der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten, heute Morgen im Interview im Deutschlandfunk sehr vehement und kompetent.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/2078966/