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Griechische Seelenlandschaften

Das Thema Griechenland ist aus den Schlagzeilen verschwunden, statt dessen beschäftigen und jetzt brennende Flüchtlingsunterkünfte, Gottseidank bislang noch meist vor dem Bezug. Dabei sind viele Probleme noch nicht gelöst und die wenig auf die Belange der griechischen Bevölkerung Rücksicht nehmende deutsche Verhandlungsstrategie sollte uns jetzt noch die Schamröte ins Gesicht treiben.

Um so bemerkenswerter ein Radiofeature von Alkyone Karamanolis, das heute in Bayern 2 Radio gesendet wurde und um 20:05 nochmals wiederholt wird:

Griechische Seelenlandschaften
Von Umbrüchen und Aufbrüchen
Von Alkyone Karamanolis

Es gibt ein „Davor“ und ein „Danach“ in Griechenland, die Krise hat das Land tiefgreifend verändert. Der äußere Wandel ist leicht zu erkennen: entmietete Geschäfte, magere Straßenbeleuchtung, ein ausgedünnter öffentlicher Nahverkehr mit überfüllten Bussen und U-Bahnen, Baustellen, an denen die Arbeit zum Erliegen gekommen ist. Was man nicht sieht, sind die Veränderungen im Inneren der Menschen. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, Biographien sind aus dem Tritt geraten: Da ist der ehemalige Betreiber einer Jazzbar, der heute als Friedhofswärter arbeitet. Da ist die Rentnerin, die Mühe hat, ihren Alltag zu bestreiten. Oder der Arzt, der eine Solidaritätsklinik gegründet hat. Und dann sind da die zwei jungen Designerinnen, die aus der Not eine Tugend gemacht haben und mit großem Erfolg Produkte aus billigen Materialen kreieren. Ein Feature von Alkyone Karamanolis.

Es beleuchtet die Krise, den politischen und medialen Umgang damit, und der Auswirkungen auf die Menschen fundiert und genau, auch die aktuelle Situation und hat mir deshalb gut gefallen.

http://www.br.de/radio/bayern2/inhalt/radio-revue-griechenland-100.html

Auch zum Nachhören:

 

Sollen wir aufhören zu sparen?

Gerade eben gehört: Ein sehr schönes Bayern-2-Tagesgespräch vom 21.10.2014 zum Thema Wirtschaftspolitik:

Sparen oder ausgeben – was ist in Krisenzeiten am sinnvollsten? Frankreich schlägt eine Aufgabenteilung der besonderen Art vor: Frankreich spart 50 Milliarden, Deutschland investiert die gleiche Summe. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit!

 

So manche Hörer waren sehr konstruktiv, aber insbesondere der Experte im Studio, Prof. Max Otte, Ökonom an der Fachhochschule Worms, Autor des 2006 erschienenen Buchs „Der Crash kommt“ überzeugte durch die Klarheit seiner Aussagen. Ein Medienprofi der Wirtschaftswissenschaften, den ich bisher noch nicht kannte. Interessanterweise ist er Mitglied der Atlantik Brücke, hat aber im Gespräch die Vernachlässigung europäischer Wirtschaftsinteressen gegenüber den geopolitischen und wirtschaftspolitischen der USA im Rahmen der Ukraine-Krise deutlich kritisiert. Es geht also doch beides.

Griechische Europawahlergebnisse im Medienloch

Heute am Montag nach der Europawahl wollte ich mich über die Wahlergebnisse in Griechenland informieren. Mit der Erfahrung: Es war ein Suchspiel ohne große Treffer. Die Ergebnisse von Griechenland blieben nicht nur unkommentiert, sondern in fast allen Medien des öffentlich rechtlichen Rundfunks und Webs nahezu unerwähnt. Wer einen Link von den Mainstream-Medien findet, möge Ihn bitte als Kommentar hinterlegen.

Warum ist es einerseits so interessant, dass zum Beispiel in Dänemark eine rechte Partei Erfolge erzielt hat, aber vom großen Wahlerfolg der linken Syriza-Partei in Griechenland, die dort stärkste Kraft geworden ist, erfährt man nichts? Nach den Ereignissen der Euro-Rettung in Griechenland mit dem hohen deutsch-griechischen Konfliktpotential ist das doch auch für uns von Bedeutung, oder sehe das nur ich so?

Das zeigt mal wieder, nur wer sich im Web selbst informieren kann und eine pluralistische Sammlung von Links zur journalistischen Seiten und Bloggern hat, ist heute wirklich informiert, die Mainstream-Medien versagen hier mehr und mehr. Dabei habe ich gestern auf den Schweden-Krimi im ZDF gewartet, der wegen der Wahlsendungen erst gegen 23:00 beginnen sollte. Das ZDF hat überzogen, erst gegen 23:20 war alles zur Wahl gesagt, da hat die Zeit wohl nicht gereicht für soviel Erkenntnisse. Das Wort Griechenland habe ich während des Wartens aber nicht vernommen, den Krimi habe ich dann sausen lassen und lieber geschlafen.

Ich reiche deswegen hier eine detaillierte Betrachtung zum Griechischen Ergebnis nach:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=21844

Update 27.05.2014:
Etwas konnte ich doch noch finden:

http://www.berliner-zeitung.de/home/griechenland–eine-wahl-mit-vielen-botschaften,10808950,27253518.html

http://www.deutschlandfunk.de/europawahl-in-griechenland-linkspopulisten-gewinnen.795.de.html?dram:article_id=287470

Griechenland: Linkspartei Syriza gewinnt Europawahl

Und von heute:
http://www.deutschlandfunk.de/rechtsradikalismus-ich-weiss-wie-opa-ums-leben-kam.1247.de.html?dram:article_id=282350

Mega-Krise Euro-Krise

Das Besondere an der Euro-Krise ist, dass gerade oft Politiker und Wirtschaftsexperten aus der konservativen Ecke kritisch gegenüber den sogenannten Rettungspaketen sind. Man konnte dies bei den Abstimmungen für diese Pakete im Bundestag sehen, wo mehr Abgeordnete aus der Regierung dagegen gestimmt haben, als aus der rot-grünen Opposition. Nennen kann man hier Peter Gauweiler, Wolfgang Bosbach oder Hans-Werner Sinn.

Letzterer hat im Deutschlandfunk wieder mal ein Interview zu dem Thema Eurorettung gegeben, bei dem er sehr klare Worte spricht, die mehr Gehör verdienen:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/2206398/

Zitat:

Im Grunde sind wir in dieser ganzen Rettungsmaschinerie dabei, diesen Maastrichter Vertrag zu brechen. Das begann mit den Entscheidungen vom Mai 2010, riesige Haftungsrisiken umzuladen auf die Steuerzahler, und da, finde ich, ist eigentlich das wirkliche Problem. Wir haben jetzt doch im Grunde drei Gruppen von Menschen. Wir haben einmal die Schuldner, die sitzen meistens in Südeuropa. Wir haben die Gläubiger, das sind die Investoren aus aller Welt, auch unsere Banken. Und wir haben die Steuerzahler. Schuldner und Gläubiger haben ein Problem miteinander, weil der Schuldner nicht zurückzahlen kann, und jetzt möchte man also, dass der Steuerzahler einspringt, die Gelder zur Verfügung stellt, damit die Gläubiger sich noch aus dem Staube machen können.

90 Milliarden, hauptsächlich für die Gläubiger

Die Grünen haben eine Studie über die Bankenrettung in der Europa in Auftrag gegeben und vorgestellt. Diese ist erwartungsgemäß wenig schmeichelhaft und weist handwerkliche Fehler im Vorgehen auf.

Vor allem aber zeigt das Papier, dass viel Geld vom Steuerzahler direkt zu den Gläubigern und Investoren geflossen ist, ohne über andere Modelle zu nachzudenken. In meiner Anschauung die größte und schamloseste Umverteilung von unten nach oben in der jüngeren Geschichte. Der Autor fordert daher eigentlich eine Selbstverständlichkeit:

Was können die Regierungen künftig also besser machen? „Entscheidend ist, dass die Staaten zuerst die Gläubiger beteiligen und erst danach mit Steuergeld helfen“, sagt Studienautor Dübel. Wichtig sei deswegen, dass die Euro-Staaten im Voraus festlegen, in welcher Reihenfolge wer zur Kasse gebeten werde.

http://sz.de/1.1723186

Attac rechnet vor

Wer nur Bildzeitung liest, glaubt die Griechen sitzen nur alle von dem Geld in der Sonne, das die fleißigen Deutschen erarbeiten. Mit anderen Quellen kann man sehr gut sehen, dass Länder wie Griechenland nur ein Durchlauferhitzer für Steuergelder sind, die an Anleger und Investoren verteilt werden. Zuvor hat man hat Griechenland das Geld wider besseres Wissen auch geliehen, damit sie uns die schönen Sachen abkaufen können, die wir als Exportweltmeister produzieren. Zur Erinnerung: Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur und Griechenland der beste Kunde.

Vorgerechnet hat das jetzt dankenswerterweise attac Österreich: „77 Prozent flossen in den Finanzsektor“ ist das Ergebnis des Berichts.

Im SZ Artikel dazu (http://sz.de/1.1698066) wird die Frage gestellt, was ohne die Rettung passiert wäre, die stets unbefriedigend beantwortet wird. Hier gibt es nur die düsteren Weltuntergangsszenarien der Rettungsbefürworter. Schade, dass sich hier nie jemand zu einer alternativen Prognose bewegen lässt.

Zyperns Schulden wachsen

Der Geldbedarf Zyperns ist, oh Wunder, von 17,5 Milliarden auf 23 Milliarden gewachsen, ein Zuwachs von 31,5 %, da kann man sich doch mal verrechnen, oder?

Hier nochmals die Rechnung, die ich auch schon in „Ist Zypern systemrelevant?“ aufgemacht habe:

23 Milliarden durch 778700 Einwohner gibt 29536 Euro pro Zyprischer Nase. Unglaublich. Zum Vergleich: Schuldenstand 2011 pro deutschem Bundesbürger 25000 Euro.