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Yes, he did! Zur britischen Unterhauswahl

In den Nachrichten von heute hört man nicht, dass Jeremy Corbyn gewonnen hat, sondern nur dass Theresa May „Fehler gemacht“ und verzockt hat. Naturgemäß sehe ich dies anders: der Labour-Kandidat, der vor kurzem noch als verschrobener, unfähiger und aus der Zeit gefallener alter Mann dargestellt wurde und sich nur durch gute Unterstützung der Basis gegen innerparteiliche Widersacher behaupten konnte, hat seiner Partei eines der besten Ergebnisse aller Zeiten eingefahren, auch wenn es am Ende nicht ganz gereicht hat. Über seine Strategie im Wahlkampf mit sozialen und linken Themen zu punkten, die so erfolgreich war, hörte man recht wenig, über Brexit und Terror und die neue Inkarnation von Maggy Thatcher dagegen sehr viel.

Schön, dass dies auch Jens Berger in einem Artikel würdigt:

Quelle: Jez, he did! Die Ära der Alternativlosigkeit ist vorbei | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Siehe hierzu auch einen Schwesterartikel: nachdenkseiten: Was wir von Jeremy Corbyn lernen können

Warum Atomstrom?

Nun ist sie schon vertraut, die Atomwende, Deutschland rückt vom Atomstrom ab. Vor allem nach Fukishima habe ich mich gefragt, warum haben wir das überhaupt gemacht, die Probleme waren doch schon vorher bekannt.

Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben Ausmaße, die die Vorstellungskraft übersteigen. Eine aktuelle Meldung zeigt den fahrlässigen Umgang damit, weil die wahren Dimensionen nicht vermittelbar oder bezahlbar sind:

Fukushima – Strahlenforscher kritisiert Aufforderung zur Rückkehr in verseuchte Gebiete

Jahrzehntelang wurde erzählt, wie billig und umweltschonend Atomstrom ist. Ich kann dem nicht folgen, den Erträgen gegenüber stehen enorme Kosten für:

  1. Subventionen zur Entwicklung der Technologie
  2. Urangewinnung (siehe Mali)
  3. Betrieb
  4. Sicherheit vor Sabotage und Terrorismus
  5. Abbau, Zwischen- und Endlager der radioaktiven Stoffe
  6. Soziale Kosten der beiden bisherigen Nuklearkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima
  7. Umweltschäden durch diese beiden Ereignisse

Gerade der letzte Punkt ist unterrepräsentiert, wenig Aufmerksamkeit hat zum Beispiel die große Menge Radioaktivität, die bei Fukushima ins Meer eingebracht wurde und immer noch wird. Ist das bei einer Nation, deren Ernährung so stark mit Fisch verknüpft ist wie Japan, erträglich?

Tschernobyl war nur durch die großen dünn besiedelten Flächen leichter beherrschbar, bei der Bevölkerungsdichte von Japan ist der Schaden viel größer. Aber die obige Meldung zeigt, wie die japanische Regierung das Problem löst, die Sorge für die Bevölkerung steht nicht im Vordergrund.

Was ist, wenn man die Anzahl der atomar erzeugten Kilowattstunden durch die obigen Kosten teilt, ist Atomstrom dann immer noch billig? Ich denke, alleine die beiden Katastrophen reichen aus, um die Aussage als Lüge zu entlarven. Ich habe einen Freund der internationaler Klimaexperte ist, den habe ich dies gefragt. Er meinte aber, eine belastbare Zahl über die Kosten von Tschernobyl und Fukishima sei nicht zu bekommen.

Wie wenig Atomstrom konkurrenzfähig ist und eigentlich immer schon war, zeigt auch ein guter DLF Beitrag, den ich gestern gehört habe:

Atomkraft in der existenziellen Krise

Die Atomindustrie steckt in einer tiefen Krise. Einer der Gründe: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima, die sich heute zum sechsten Mal jährt. Das Unglück war aber nicht der Auslöser, sondern lediglich der Beschleuniger für die milliardenschweren Verluste der Branche.

 

Erstaunlicherweise wurde trotz Fukushima in England der Neubau von Hinkley Point C beschlossen, mit enormen Kosten und hohen staatlich Beihilfen:

http://www.wiwo.de/technologie/green/news-england-baut-teuerstes-atomkraftwerk-aller-zeiten/13550358.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hinkley-point-c-geplantes-atomkraftwerk-birgt-hoehere-risiken-als-bekannt-a-1058523.html

Die Darstellung in Wikipedia zeigt, dass damit nie Geld mit dem Strom verdient werden wird, der politische Wille entscheidend war und nur der englische Steuerzahler das Projekt überhaupt ermöglicht hat. Warum also diese Entscheidung, wo doch England mit Wind leicht genug Strom erzeugen könnte? Meine Interpretation ist die, dass Großbritannien als Nation mit Atomwaffen die Kraftwerke braucht, um damit, national autark, spaltbares Material für Kernwaffen zu erzeugen.

Aus dieser Erkenntnis ist meine These entstanden, dass wir die Atomkraftwerke ja vielleicht nur zu diesem Zweck wirklich haben, da auch die Politiker der Entstehungszeit sich Entsorgungskosten und Katastrophen ausmalen konnten (siehe Technikgeschichte der Kernkraft). Aber für Deutschland, das ja gar keine Atommacht ist, ist diese These vielleicht zu gewagt, kann aber erklären, dass wir leicht aussteigen können, England und Frankreich aber nicht.

Noch eine These zum Thema als Zugabe: Endlager wird es nie geben, die sogenannten Zwischenlager auf dem Gelände der Kernkraftwerke werden die Endlager sein. Ich wohne 15 km Luftlinie vom Kernkraftwerk Isar in Ohu.

Update 17.03.2017: Durch den Tipp eines aufmerksamen Lesers kann ich folgenden Artikel zur militärischen Bedeutung von Hinkley Point C ergänzen:

https://www.heise.de/tp/features/Hinkley-Point-muss-gebaut-werden-aus-militaerischen-Gruenden-3351570.html

Rosamunde Pilcher – Land

Herrenhaus in Cornwall

Das elisabethanische Herrenhaus Trerice in Kestle Mill bei Newquay

Ich habe mich immer etwas über die Einstellung der meistens nicht mehr ganz jungen Damen gewundert, die Rosamunde Pilcher-Fans sind. Die überwiegende Mehrzahl von Ihnen kann wunderbar darüber sprechen, dass Geld nicht glücklich macht, die inneren Werte die wichtigsten sind, und die Reichen wahrscheinlich alle moralisch verkommen und furchtbar unglücklich sind. Trotzdem sehen sie dann diese Verfilmungen der Pilcher-Romane, wo das noble Landschloss riesig und in bester Lage ist, schöne Menschen aus dem Mercedes Cabrio steigen und der Gärtner nebenbei mit der Nagelschere die Buchsbaumhecken stutzt. Nach 80 Minuten ist dort alles trotz des Reichtums prima, wenn sich die beiden richtigen gekriegt haben.

Um so interessanter der Artikel in der SZ, der die für mich überraschenden anderen Seiten von Cornwall zeigt:

http://sz.de/1.1542636