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Was auf dem Spiel steht

so heißt das Buch des Historikers Philipp Blom, das er heuer veröffentlicht hat. Zu seinen Themen und zur Frage, ob wir uns gerade wieder in einer Phase wie in der Weimarer Republik befinden, wo die Demokratie verfiel und autoritäre Systeme die Macht bekamen, hat er heute ein Interview im DLF gegeben. Da ich immer öfter gerade diesen Eindruck habe, hörte ich interessiert zu.

Es war ein interessantes Interview mit vielen klugen Ansätzen, auch wenn es bei den Lösungen unkonkret blieb, aber trotzdem vielversprechend war.

Massiver Jobverlust durch Digitalisierung, Migrationsbewegungen infolge des Klimawandels – vor diesen historischen Herausforderungen stehe unsere Gesellschaft, sagte der Historiker Philipp Blom im Dlf.

Quelle: Deutschlandfunk

Sorgsamer Umgang mit dem Gewaltmonopol

Ein geschockter Korrespondent des DLF (Axel Schröder) berichtet von den Ausschreitungen in der Nacht vom 6.7. auf 7.7. zum G20 Gipfel in Hamburg, bei denen er selbst unmittelbar dabei war.

Interessant dabei: Er ist nicht nur von der Demonstranten geschockt, sondern auch vom Vorgehen der Polizei, die nach seiner Einschätzung ihr Gewaltmonopol nicht sorgsam gebraucht hat und die Situation wahrscheinlich erst durch ihr Vorgehen eskaliert hat. Dieses Verhalten der Polizei sei für ihn „nicht nachvollziehbar“. Seine Schilderung stark verkürzt:

Die Polizei habe den Zug der Demonstranten früh, gleich nach Beginn gestoppt, weil „etwa tausend Vermummte“ dabei waren, durch ihre Motorrad-Sturmhauben eine Straftat zu begehen. Nach Diskussionen zwischen Organisatoren und Polizei haben davon etwa 2/3 sich ausgezogen, gegen das restliche Drittel im hinteren Teil hat die Polizei einen „unverhältnismäßigen“ Angriff mit Pfefferspray gestartet, um „friedliche von gewaltbereiten Demonstranten zu trennen“. Bei den daraus entstehenden Tumulten wurden die Polizisten durch Flaschenwürfe verletzt. Eisenstangen, wollte der Korrespondent nicht bestätigen. Die Organisatoren beendeten darauf die Demonstration, die sich auflöste. Marodierende Gruppen richteten aber im weiteren Verlauf  verstreut in der Stadt Schäden an.

Dabei ist der Mann kein linker Chaot und gönnt sich auf die insistierenden Fragen des Moderators, der vielleicht gerne eine andere Aussage hätte, lange Nachdenk-Pausen, bevor er besonnen antwortet. Er geht mit seiner Wortwahl so weit er gehen kann, ohne seinen Job zu gefährden, trotzdem sind seine Aussagen unmissverständlich. Er hat nur drei Stunden geschlafen, vielleicht sind seine Empörung und die Eindrücke deshalb noch so präsent.
Ein Anhören lohnt sich, der Beitrag ist ungewöhnlich.

 

So ein Beitrag wirf ein anderes Licht auf die Horrorberichte, die gerne Wasserwerfer und Hundertschaft in Kampfuniformen zeigen. Aussagen wie „76 verletztet Polizisten, wie viele Demonstranten verletzt wurden ist nicht bekannt“ sollen den Eindruck verfestigen, es gehe nur um Gewalt, der in großen Teilen auch friedliche und inhaltliche Protest an sich wird diskreditiert, über dessen Inhalte weniger berichtet. Besonders bemerkenswert fand ich die letzten Tage, dass die Experten und Moderatoren schon im Voraus, vor den Demos ankündigten, wo mit hoher Wahrscheinlichkeit von Gewalt ausgegangen werden kann, viel wurde darüber schon gesprochen. Da wird fast schon eingefordert, dass es rappelt.

Das das Vermummungsverbot, das Grundlage für die Eskalation durch die Polizei war, ist bei seiner Einführung 1985 auch nicht unumstritten gewesen, ich kann mich daran erinnern. Das zeigt mir, dass jedes umstrittene Gesetz auch seine Anwendung findet.

Update 07.07.17: Siehe auch weiterführende Artikel:

http://www.deutschlandfunk.de/diskussion-ueber-verantwortung-fuer-eskalation-g20-proteste.2852.de.html?dram:article_id=390440

Schröder betonte, man möge den Linken unterstellen, dass sie immer nach einem Anlass suchten, um sich mit der Polizei anzulegen. Diesen Anlass hätten sie heute aber „nicht wirklich“ geliefert. Ähnlich schildert das auch der NDR. Die globalisierungskritische Initiative Attac sprach von einer „Eskalation mit Ansage“, für die die Sicherheitskräfte verantwortlich seien.  

http://srv.deutschlandradio.de/themes/dradio/script/aod/index.html?audioMode=3&audioID=559256&state=

Update 08.07.17: Im folgenden Livestream ab Minute 58 kann man sich das Geschehen selbst anschauen.

Aufgezeichneter Livestream auf facebook

Das TINA-Syndrom

„There is no alternative“ wird uns immer wieder in vielen essentiellen politischen Fragen erzählt, gerade dann, wenn sehr teure und zugleich fragwürdige Entscheidungen von großer Tragweite gefällt werden. Damit wir das auch fast alle glauben, beten uns die Medien nahezu einstimmig die echten und vermeintlichen Fakten dazu vor, meistens in einer solchen Vehemenz und Fokussierung auf ein Thema zu einer Zeit, dass man dem nicht entkommen kann.

Am Beispiel Griechenland zeigt ein DLF-Dossier von Brigitte Baetz wie dieses TINA-Syndrom funktioniert:

http://www.deutschlandfunk.de/griechenland-krise-in-deutschen-medien-ungefragte.1170.de.html?dram:article_id=328300

 

Skript „Das TINA-Syndrom“ (PDF-Datei)

 

Bauen mit dem Geld von morgen

Der Wahnwitz von Öffentlich-private Partnerschaften ist hier schon öfter Thema gewesen. Gerade ist in Bayern die A8 München Ulm sechspurig ausgebaut worden, Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat sich dafür in Szene gesetzt und die Segnungen von ÖPP gepriesen.

Wenn der Deutschlandfunk ein gutes und kritisches Dossier dazu macht, muss ich natürlich darauf hinweisen:

http://www.deutschlandfunk.de/oeffentlich-private-partnerschaften-bauen-mit-dem-geld-von.1170.de.html?dram:article_id=324309

Bauen mit dem Geld von morgen – Über Sinn und Unsinn öffentlich-privater Partnerschaften (Manuskript als pdf) (108 kB)

 

Georg Schramm zu Atomenergie, Finanzkrise und Grexit

Die Elektrizitätswerke Schönau veranstalten ein Schönauer Stromseminar, in dessen Rahmen der Kabarettist Georg Schramm kurz seinen Rückzug von der Bühne aufgehoben hat, um Michael Sladek und seiner Frau Ursula Sladek für deren Einsatz gegen die Atomenergie zu danken.

Da sagt er in einer ausführlichen Rede, mehr Vortrag als Kabarett, mal wieder Sachen, die eigentlich nicht nur dort in diesem begrenzten Kreis zu hören sein sollten, sondern in den Mainstream-Medien. Leider findet sich das dort aber nicht, gerade ist, nach dem Όχι der Griechen in der Volksabstimmung, wieder sehr viel Fiktion und nur wenige Fakten dort zum Thema zu hören. Typisch sind „Korrespondenten“, die einen halben Satz zur belegbaren Lage sagen, um dann 10 Sätze mit ihrem persönlichen Eindruck hinterherschicken, der natürlich vor allem dem entspricht, was wir hören und glauben sollen. Eingeleitet von einem „ich habe den Eindruck …“ wird so jedes Märchen sendbar, ohne den Anspruch belegbarer Fakt zu sein. Erst heute Morgen im Deutschlandfunk wieder so praktiziert, genauso wie in anderen eigentlich anspruchsvollen Nachrichtenkanälen.

Youtube macht es möglich, Georg Schramm trotzdem zuzuhören, wenn man sich die 37 Minuten Zeit nehmen will. Es lohnt sich.

Sternzeit

Neulich habe ich einen guten Tipp für astronomisch interessierte bekommen:

Die tägliche Radiokolumne „Sternzeit“ im DLF ist ein Leckerbissen für Liebhaber der Sternenkunde. Jeden Tag kurz vor 17:00 am Ende der Sendung „Forschung aktuell“ erfolgt ein interessanter Beitrag eingerahmt von mystisch-sphärischen Klängen. Einen RSS-Feed für die Podcasts gibt es auch: http://www.deutschlandfunk.de/podcast-sternzeit.733.de.podcast.xml

Ein Muster vom 22.04.2015 zum besonderen Stern Eta Carinae

Homulunkulusnebnel um Eta Carinae

Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops des Sterns η Carinae (September 1995). Image Credit: NASA, STScI

Kritik an DLF Chefredakteur

Ein schönes Musterbeispiel war es , was am 30.10.2014 durch die Meldungen geisterte: Russische Flugzeuge hätten den Europäischen Luftraum verletzt und wären durch NATO Flugzeuge abgefangen worden. In den ersten Meldungen hörte sich das hochbrisant, wie nach drittem Weltkrieg an. Die Fakten waren aber:

  • Solche Flüge finden ständig statt, Russland hat in einem unfreundlichen Akt wohl aber mehr davon gemacht.
  • Von Verletzung des Luftraums kann keine Rede sein, was auch die Nato bestätigte, die Flugzeuge flogen immer über erlaubtem Terrain. Was „europäischer Luftraum“ überhaupt sein soll, ist fraglich, sind die russischen Flugzeuge doch schon über Europa, wenn sie z.B. in Moskau starten.
  • Von Abfangen kann nicht die Rede sein, die Nato-Flugzeuge fliegen halt parallel ein bisschen mit, um ebenso Präsenz zu zeigen.
  • Die Gefährdung der Zivilluftfahrt ist auch eine eher verwegene Behauptung. Der Sprecher der Deutschen Flugsicherung, Axel Raab, sprach von „völlig legal“ und „geringer Gefährdung“.

So bleibt in der Rückschau von der ganzen Aufregung nicht viel, hier wird, auch in vielen seriösen Medien, eine Kriegsgefahr willkürlich herbei geredet. Ein Chefredakteur des Deutschlandfunks, Rolf Clement, der außerdem als Soldat und Militärfachmann sehr kundig ist, hat hier wider besseres Wissen in einem Kommentar besonders laut getrommelt und wird jetzt dafür heftig kritisiert. Zurecht meine ich, der öffentlich rechtliche Rundfunk sollte sich hier nicht in dieser Weise hervortun.

http://www.hintergrund.de/201411063307/kurzmeldungen/aktuell1/agitatorisch-kriegshetzerisch.html

http://www.rationalgalerie.de/schmock/rolf-clement-deutschlandradio.html

Im Wesentlichen profitiert der Anleger

Wer es noch lesen und hören kann: Bemerkenswertes Interview mit Hans-Werner Sinn im dradio.de zu Griechenland-Hilfe.

Auch wenn ich Herrn Sinns Ansichten nicht immer teile, spricht er doch vieles sehr deutlich an, besonders in diesem Abschnitt:

Armbrüster: Wer profitiert denn von diesem Hilfspaket, das da morgen beschlossen werden soll?

Sinn: Na ja, im Wesentlichen profitiert natürlich der Anleger. Sie müssen bedenken: Es sind hier drei Gruppen im Spiel miteinander. Das eine sind die internationalen Gläubiger der südlichen Länder, dann sind es die südlichen Länder selber, die sich verschuldet haben; die beiden haben ein Problem miteinander. Und die dritte Gruppe besteht aus den Steuerzahlern der noch gesunden Länder. Und da der Schuldner dem Gläubiger nichts zurückzahlen kann, sucht man jetzt eben die Hilfe des Steuerzahlers. Der soll anstelle des Schuldners zurückzahlen, damit die Gläubiger sich noch aus dem Staube machen können. Nun gut: Die Gläubiger sind zum Teil wir selber über unsere Banken und Lebensversicherungen, aber auch nur zum Teil.

Die hauptsächlichen Gläubiger Südeuropas sind die französischen Banken und dann sind natürlich Anleger aus aller Welt da: amerikanische Pensionsfonds, es sind die Chinesen dabei, wer auch immer. Und indem wir jetzt diese großen Rettungsaktionen machen, erlauben wir es den Gläubigern aus aller Welt, sich da noch rauszuziehen und ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen, und wir und unsere Kinder werden stattdessen zu Gläubigern der Südländer. Das ist für die alle gut, die fühlen sich beruhigt, man redet davon, die Kapitalmärkte sind beruhigt, aber ich finde, dieser Prozess gibt jeden Anlass, selber beunruhigt zu sein.