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Landshut: AfD zweitstärkste Partei

Nochmals Bundestagswahl 2017: In meinem Wahlkreis Landshut ist die AfD zweitstärkste Kraft, noch vor der hier stets schwachen SPD. Zu mindestens als Bayer kann man sich von dem Vorurteil verabschieden, dass nur die „rückständigen Ossis“ die AfD wählen. Selbst wenn dies in Zukunft mal nicht mehr so sein sollte, gehen diese Stimmen mehrheitlich wieder zur CSU, auch das ist keine gute Vorstellung.

Wahlkreis 228 Landshut BTW 2017 Zweitstimmen

Wahlkreis 228 Landshut BTW 2017 Zweitstimmen

Bezogen auf Wahlberechtigte (nicht wie üblich gültige Stimmen) hier für die Anteile:

CSU 30,3%

SPD 10,1%

AfD 11,3%

 

Unsägliche Polit-Talkshows

Mein Opa war ein politischer Mensch, wenn im Bundestag eines Haushaltsdebatte geführt wurde, damals noch mit Wehner, Strauß Genscher e.a., hörte er im Radio auf Mittelwelle neben seiner Uhrmacherarbeit gerne auch mal zu. Zu dieser Zeit war eine Bundestagsdebatte auch noch etwas Wert, ich habe den Eindruck dass diese Säule unserer parlamentarischen Demokratie damals mehr Beachtung fand. Das Radio war dafür auch keine schlechtes Medium, Fernsehen auf phoenix oder irgend ein Livestream mit Bild lenkt doch mehr ab und ist neben einer Arbeit nicht möglich. Diese Debatten haben in der Öffentlichkeit heute viel weniger Resonanz, die Frage warum, wäre einen eigenen Beitrag hier wert.

An Ihre Stelle sind die Polit-Talkshows getreten, die am prominentesten am Sonntag Abend mit den Moderatoren Christiansen, Jauch, Will ihr Publikum finden, das nach dem Tatort noch nicht ins Bett gehen will. Habe ich sie anfangs manchmal noch geschaut, findet mein Finger inzwischen in Sekundenbruchteilen die Fernbedienung für einen anderen Kanal. Das letzte Highlight, das man hätte sehen müssen, war wohl #Varoufake, dazu habe ich schon geschrieben.

Mein Grund für die Verweigerung ist: Selten ist es eine echte Diskussion, statt dessen dürfen populäre Politiker und andere Medienprofis ausführlich ihre relativ inhaltsleeren Statements abgeben, der Feigenblatt-Experte, der auch im Studio sitzt (gibt es ihn noch, oder geht es inzwischen auch ohne ihn?), darf zwar zwei Sätze mit beisteuern, obwohl er aber meist als einziger was sachlich richtigeres zum Thema zu sagen hätte, wird er schnell abgewürgt, so viele Details will der Zuschauer ja angeblich gar nicht. Was bleibt ist meist nur die Bestätigung für die, die es gerne so haben, „Alles ist gut, wir machen weiter so“, oder die Aufregung über ein neues „Thema“, das von den eigentlich relevanten ablenken soll. Die Richtung, die die Diskussion nimmt, steht von Anfang an fest, falls es nicht so läuft, weiß der „neutrale“ Gastgeber, was er zu tun hat.

Nett dass ebenso von der ARD auch die gut gemachte Satire dazu kommt, die diese Talkshowkultur an einem vermeintlich neoliberalen Thema sehr schön persifliert:

Politiker sorgen für mehr Politiker

http://www.sueddeutsche.de/politik/wahlrechtsreform-der-bundestag-wird-groesser-1.1505375

Durch den nun beschlossenen Ausgleich werden im nächsten Bundestag vermutlich mehr Abgeordnete sitzen. Im Regelfall gab es bisher 598 Parlamentarier. Hätte das neue Wahlrecht bereits bei der Wahl 2009 gegolten, säßen jetzt 671 Abgeordnete im Bundestag.

Auch wenn die Materie schwierig ist, hätte es Lösungen gegeben, die nicht für mehr Mandate und noch mehr Hinterbänkler sorgen. Schade! Ein Wahlrecht mit etwas weniger Förderung der großen „Volks“-Parteien, mit mehr Chancen für die kleineren Parteien täte unserer Demokratie gut, ohne gleich zu Weimarer Verhältnissen zu führen.