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Bildungstrichter

Bildungstrichter des Studentenwerks

Bildungstrichter der 20. Erhebung des Studentenwerks

Kaum weiß ich, was der Bildungstrichter ist, wird er auch schon abgeschafft. Es ist eine Grafik des Studentenwerks, die die Ungleichheit der Chancen auf einen akademischen Abschluss in Abhängigkeit von der sozialen Herkunft illustriert. In Zahlen:

Von 100 Akademiker-Kindern studieren 77. Von 100 Kindern aus Nicht-Akademiker-Elternhäusern schaffen dagegen nur 23 den Weg in Hochschule und Studium.

Da diese Erkenntnis aber in Zeiten der Aushöhlung von Bafög etc. unangenehm ist, wird sie nicht mehr propagiert, wie der folgende Artikel darstellt:

Universitäten ǀ Aufstieg für wenige — der Freitag

Das Thema liegt mir am Herzen, ich war der erste Student in meiner Familie und weiß, dass es nicht selbstverständlich ist und man einige Widerstände überwinden muss. Von Bafög und Studentenwerk habe ich sehr profitiert, ebenso natürlich von meinem Abschluss.

Bildung muss in die Breite gehen

Die Mär von der Elitenbildung geht immer wieder durchs Land, eine „Exzellenz-Initiative“ jagt die andere. Nach meiner Meinung ist die Investition in wenige hochbegabte ein Irrweg: herausragende Begabungen bedürfen keiner zusätzlichen Förderung, der Sprung von „sehr gut“ zu herausragend vollzieht sich von selbst, ja ist genau das Wesen der Eliten. Der Nutzen dieser Investitionen ist gering, wenn beispielsweise überdurchschnittliche Wissenschaftler ins Ausland gehen, weil sie dort mehr verdienen und angeblich viel besser forschen können. Wie wenig fundiert dieses Herausheben ist, zeigt das „Summa cum laude“, das unser ehemaliger Minister für seine Doktorarbeit bekommen hat, die schludrig zusammenkopiert war. Meines Erachtens ist das Verhalten der Hochschule der eigentliche Skandal dahinter.

Sehr viel größeren Nutzen würde eine Förderung der Breitenbildung bringen, die jedoch nicht politisch opportun ist. Viele Pisa-Tests und OECD-Studien zeigen, wie undurchlässig unser Bildungssystem für Kinder ist, die nicht aus Akademikerfamilien sind oder gar aus sozial schwachen Verhältnissen kommen. Darüber hinaus: selbst sehr wohlhabende Handwerker-Familien und andere Familien, wo Mittel reichlich vorhanden sind, aber die Eltern selbst keinen Hochschulabschluss haben, scheuen sich, mir ganz unverständlich, vor einem Hochschulbesuch ihrer Kinder. Die Vernachlässigung dieser Ressourcen kann sich ein Land wie Deutschland, in dem Fläche und Rohstoffe knapp sind, nicht leisten.

Auch wenn manche Fakten im folgenden Interview schlecht belegt sind und ein wenig dogmatisch verkürzt daherkommen, ist es lesenswert. Einen Absatz möchte ich durch Zitieren unterstreichen:

Wir brauchen ein vernünftiges BAföG. Das BAföG ist das wirkungsvollste Instrument, um etwas zu ändern. Es hat in den siebziger Jahren schnell und wirksam die Hochschulen für bildungsferne Schichten geöffnet. Über 40 Prozent der Studenten damals erhielten BAföG. Heute sind es nur noch gut 20 Prozent, weil die Bemessungsgrundlagen und Höchstsätze nicht regelmäßig angepasst werden. Würde das BAföG reformiert, gäbe es mehr Studenten, insbesondere aus bildungsfernen Schichten. Und mit einem größeren und gemischterem Reservoir, aus dem bei der Elitenbildung geschöpft wird, könnte auch der Zugang zu Eliten allmählich leistungsgerechter werden.

Interview in zeit.de mit Michael Hartmann „Vor allem zählt der richtige Stallgeruch“