Wahlnachlese

Die gestrige Bundestagswahl war für mich so wie die Jahreszeit, der Herbst: Alle Ergebnisse habe ich genau so vorhergesagt wie sie jetzt eingetreten sind, so war ich nicht allzu überrascht vom Ergebnis. Mögen muss ich es deswegen nicht, genau so wie die jährliche Herbstdepression, wenn ich mir eingestehen muss, dass der Sommer vorbei ist.

Hier ein Bonmot zur Geisteshaltung von Christian Lindner (gefunden bei fefe), damit man sich besser vorstellen kann, was uns von Seiten der FDP erwartet.

Ein Artikel zu fundierten Auswertung des Wahlomaten:
http://www.dkriesel.com/blog/2017/0923_wie_die_faz_einen_artikel_von_mir_vergeigte

Ein kluger Artikel (von vor der Wahl) zu den Ursachen für den Erfolg der AfD:
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-trost-des-nationalismus-1

Boulevard-Radio macht blöd, oder?

viel Radio höre ich, aber meistens Sender mit Nachrichten und Wortbeiträgen. Im Auto muss es dann manchmal ein „Musiksender“ wie Bayern 3 oder dergleichen sein. In Landshut hier gehört lokal auch Radio Trausnitz in diese Kategorie, es wäre aber kein Problem auch die anderen zu nennen (Antenne, Gong, FFH …).

Das Problem ist dabei, dass der „Musiksender“ eigentlich gar nicht so viel Musik bringt, neben den Verkehrshinweisen (in zeitgeistig flapsiger Sprache natürlich), den Telefonspielen („super, ich freu mich so, darf ich noch grüßen?“), den Meinungen von Experten und Korrespondenten, dem Marketing für Konzerte und Events und den albernen Gags der Gute-Laune-Moderatoren (immer zwei) ist eigentlich nicht mehr viel Platz für Musik. Das kann man allein schon beim Aufrufen der Playlisten im Internet (hilfreich für den Hobby-DJ) feststellen, so viele Titel pro Stunde sind es gar nicht. Und kommt endlich ein Titel, dann wird mann von endlosen Jingles genervt, die einem einer Gehirnwäsche gleich eintrichtern, das man jetzt den „besten Mix“ hört. Kostprobe?

Dachte ich bisher, man wird vom hören blöd, der Postillon weiß es besser: Es ist Voraussetzung 😉

Postillon: Radiohörer ist so dumm, dass er alle 3 Minuten daran erinnert werden muss, welchen Sender er hört

Der Postillon wie immer genau auf den Punkt, köstlich.

Ein anderer Aspekt der Boulevard-Sender: Alle hecheln angeblich immer auf den Feierabend zu, ständig nervt die Arbeit und der Chef, allein das Wochenende ist die Rettung. Jeden Dienstag wird bestes Wetter für das Wochenende vorhergesagt, gut für die Laune und die vielen tollen Unternehmungen (Hauptzweck des Senders: Event und Musik-Marketing), was kümmert es den Hörer, wenn es am Freitag dann ganz anders kommt, das hat er dann schon wieder vergessen. Dass man auch als Selbständiger den Sender hören kann, oder dass die Arbeit Spaß macht ist von der Ausrichtung her gar nicht vorgesehen.

Ich gebe aber zu: auch ich bin so sozialisiert worden: „Pop nach acht“ mit Thomas Gottschalk vor dem Einschlafen, mit dem Finger auf der Aufnahmetaste des Kassettenrecorders bei „Schlager der Woche“ (die Sendung heißt heute noch so), das gehörte seinerzeit zum Teenager. Kann man in Zeiten von Musikstreaming nicht mehr vermitteln…

Chrome unterstützt ES6 Module

Wer wie ich als Java-Entwickler in die Javascript-Welt eintaucht, vermisst eine vernünftige Gliederung in Module und die Definition von Abhängigkeiten dazwischen. In der alten Javascript-Welt wurden dafür viele Mechanismen geschaffen, deren Gebrauch für den Neuling verwirrend ist. 

Mit EcmaScript 6 (auch EcmaScript 2015) ist eine Definition von Modulen und imports bzw.  exports mit sauberen Sprachmitteln möglich. Ein Beispiel:

<!DOCTYPE html>
<html>
    <head>
        <title>ES6 Module</title>
        <meta charset="UTF-8">
        <meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
        <script type="module">
            import {getGreeting} from "./js/greeting.js";
            
            document.getElementById("content").textContent = getGreeting();
        </script>
    </head>
    <body>
        <div id="content">placeholder for content</div>
    </body>
</html>
import * as my from "./mylib.js";

export function getGreeting() {
        return my.addMy("Hello World!");
}
export function addMy(str) {
    return "My " + str;
}

Die gute Nachricht: Moderne Browser wie Chrome (ab Version 61 ohne Flags), Firefox, Safari und Edge (Edge und Firefox allerdings hinter Flags) unterstützen das bereits ohne Zusatzmittel wie Transpiler etc.:

https://medium.com/dev-channel/es6-modules-in-chrome-canary-m60-ba588dfb8ab7

https://caniuse.com/#feat=es6-module

In EcmaScript 6 (synonym ES6 und EcmaScript 2015) sind aber noch viele andere gute Features und syntaktische Erleichterungen enthalten:

http://es6-features.org

JavaScript ist damit eine richtig erwachsene Sprache und wird damit Java immer ähnlicher 😉

Völkerrecht auch für Venezuela

Für solche Analysen muss man heute schon sehr dankbar sein: Äußerungen von Donald Trump zur Möglichkeit einer militärischen Intervention in Venezuela werden mit dem Völkerrecht abgeglichen.

Es vergeht kaum eine Woche, in der in den USA nicht grundlegende Prinzipien des Völkerrechts in Frage gestellt würden.

Quelle: Militärische Interventionen – Wiener Zeitung Online

Was auf dem Spiel steht

so heißt das Buch des Historikers Philipp Blom, das er heuer veröffentlicht hat. Zu seinen Themen und zur Frage, ob wir uns gerade wieder in einer Phase wie in der Weimarer Republik befinden, wo die Demokratie verfiel und autoritäre Systeme die Macht bekamen, hat er heute ein Interview im DLF gegeben. Da ich immer öfter gerade diesen Eindruck habe, hörte ich interessiert zu.

Es war ein interessantes Interview mit vielen klugen Ansätzen, auch wenn es bei den Lösungen unkonkret blieb, aber trotzdem vielversprechend war.

Massiver Jobverlust durch Digitalisierung, Migrationsbewegungen infolge des Klimawandels – vor diesen historischen Herausforderungen stehe unsere Gesellschaft, sagte der Historiker Philipp Blom im Dlf.

Quelle: Deutschlandfunk

Was für die EU gilt, gilt für Griechenland noch lange nicht

Die unselige Privatisierung der Wasserversorgung ist die Gelddruckmaschine schlechthin. Für die Stadtpolitiker und die privaten Firmen, die übernehmen, ein Gewinn, für den Verbraucher und Steuerzahler ein Desaster. So gut wie nie wird in das Leitungsnetz investiert, immer die Preise erhöht, und wenn die Wasserqualität mangels Wartung des Netztes schlechter wird, dann fügt man reichlich Chlor zu, das ist das billigste. Ein Rückkauf wie in Berlin bringt dann Faktor 5 im Verkaufspreis.

Nach schlechten Erfahrungen hat die EU aus gutem Grund vor 4 Jahren Regeln erlassen, die eine Privatisierung der Wasserversorgung ausschließen. Doch für die gebeutelten Griechen gelten diese Regeln natürlich nicht: Die Wasserwerke von Athen und Thessaloniki sollen auf Druck der Gläubiger verkauft werden. Die taz meint dazu „es brechen alle Dämme“:

Die EU schließt eine Privatisierung der Wasserversorgung aus. Doch in Athen regieren die Gläubiger. Investoren dürfen jetzt zuschlagen.

Quelle: Privatisierung der Wasserversorgung: In Griechenland brechen alle Dämme – taz.de

Guantanamo auf Bayrisch

Viele sehen es derzeit leider als Fortschritt an, wenn man nicht für begangene Taten inhaftiert wird, sondern für Taten, die man noch gar nicht begangen hat. Mir läuft es bei solchen Gesinnungs-Haft-Gründen eiskalt den Rücken herunter: Angenommen ich bin betroffen, wie soll man denn nachweisen, dass man kein Gefährder ist? Kafka’s Prozess lässt grüßen.

Schön, dass Heribert Prantl in der SZ klare Worte findet:

Das neue Gefährder-Gesetz ist eine Schande für den Rechtsstaat. Die CSU sollte sich schämen – und die Opposition auch.

Quelle: Bayern führt Gefährder-Gesetz ein: Eine Schande – Bayern – Süddeutsche.de

Update 25.07.17: Die Meinung von Albrecht Müller hierzu:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=39325

Urvieh und Bosbach bei Maischberger

Helmut Schleich zum Auszug von Wolfgang Bosbach aus der Sendung Menschen bei Maischberger, köstliche 2 Minuten!

Wer die Sendung nicht gesehen hat, hier bei Bedarf, es war eine chaotische Inszenierung (Die Zuspitzung etwa bei 01:01): Weiterlesen