Archiv der Kategorie: Wissen

Wissen ist Macht, wir wissen nichts, macht nichts.

Ophelia hitting Porthleven

Der Fotograf Mike Lacey ist auf Wellen spezialisiert. Davon gab es reichlich, als Sturm Ophelia auf Porthleven in Cornwall traf. Schöne Bilder für Meeresliebhaber wie mich.

Storm Ophelia hitting Porthleven today

Little video from Ophelia hitting Porthleven today. Crazy to have a Portuguese man of war hit our gallery window. Hope you all stayed safe in Porthleven. By Mike Lacey Photography

Posted by Beautiful Cornwall on Dienstag, 17. Oktober 2017

Wahl absolut

In einem guten Post „Die Wahl in absoluten Zahlen“ zeigt Paul Schreyer, dass ein Blick auf Prozentpunkte relativ zu den abgegebenen Stimmen irreführend ist, ein Ansatz, den ich auch schon in meinem früheren Beitrag „Wer sind die Nichtwähler?“ gemacht habe.

Hier die aktualisierte Grafik für die absoluten Zweitstimmenergebnisse 1990 bis 2017 (klicken zum Vergrößern):

Zweitstimmen mit Nichtwählern bezogen auf Gültige

Zweitstimmen mit Nichtwählern bezogen auf Gültige

Dass die Verwendung des Begriffes „Volksparteien“ sehr fraglich geworden ist, zeigt der folgende Chart:

Zweitstimmen 2017

Zweitstimmen 2017

Nur kurz als Ergänzung, für diejenigen die immer noch an Rot/Rot/Grün glauben:

Bürgerliche Parteien (CDU/CSU, FDP, AfD), % bezogen auf Gültige Stimmen:

1990 1994 1998 2002 2005 2009 2013 2017
54.9 48.4 41.4 45.9 45.0 48.4 51.0 56.3

Rot Rot Grün (SPD, Linke, Grüne), % bezogen auf Gültige Stimmen:

1990 1994 1998 2002 2005 2009 2013 2017
40.9 48.0 52.7 51.1 51.1 45.6 42.8 38.7

Man kann leicht sehen, dass da kein Weg hinführt, die Gesellschaft rückt nach rechts. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass man die Grünen heute eigentlich schon zu den bürgerlichen zählen müsste. Und die SPD?

Siebenschläfer

Wetterkunde: Heute ist Siebenschläfer. Oder doch erst am 7. Juli? Was kann man daraus ableiten? Der Artikel im tageschau Wetterthema erklärt es vortrefflich. Die Rubrik ist immer einen Blick wert.

Für den heutigen 27. Juni gilt eine der wohl bekanntesten Bauernregeln: „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag“. Kann man mit dieser Regel tatsächlich eine Aussage treffen, oder ist sie bedeutungslos?

http://wetter.tagesschau.de/wetterthema/2017/06/27/der-siebenschlaefer.html

Bildungstrichter

Bildungstrichter des Studentenwerks

Bildungstrichter der 20. Erhebung des Studentenwerks

Kaum weiß ich, was der Bildungstrichter ist, wird er auch schon abgeschafft. Es ist eine Grafik des Studentenwerks, die die Ungleichheit der Chancen auf einen akademischen Abschluss in Abhängigkeit von der sozialen Herkunft illustriert. In Zahlen:

Von 100 Akademiker-Kindern studieren 77. Von 100 Kindern aus Nicht-Akademiker-Elternhäusern schaffen dagegen nur 23 den Weg in Hochschule und Studium.

Da diese Erkenntnis aber in Zeiten der Aushöhlung von Bafög etc. unangenehm ist, wird sie nicht mehr propagiert, wie der folgende Artikel darstellt:

Universitäten ǀ Aufstieg für wenige — der Freitag

Das Thema liegt mir am Herzen, ich war der erste Student in meiner Familie und weiß, dass es nicht selbstverständlich ist und man einige Widerstände überwinden muss. Von Bafög und Studentenwerk habe ich sehr profitiert, ebenso natürlich von meinem Abschluss.

Powerpoint als Turingmaschine

Gefunden auf Fefes Blog: Eine spaßiges Video einer Powerpoint-Vorführung macht sich über Powerpoint Vorführungen lustig, indem sie behauptet mit Powerpoint eine Turingmaschine zu simulieren, genauer, dass Powerpoint turing-vollständig ist. Eine Turing-Maschine ist ein Rechnermodell, das ein Informatiker zum Vordiplom garantiert verstanden habe muss, der Vortrag ist also mit etwas Nerd-Know-How erst richtig zu verstehen. Witzig ist er allemal, auch für nicht-Informatiker:

ach-logo

Logo von ach

Vorgetragen auf einer (fiktiven?) Tagung Namens SIGBOVIK, die die Association for Computational Heresy (ach) jeweils am 1. April hält

Herrlich intelligent gemachter Nonsense!

Die Gefahren der Privatisierung

heißt ein Beitrag auf SWR2-Wissen, den ich hier anführen möchte, da ich PPP für eine elegante und intrigante Möglichkeit halte, das Geld der Steuerzahler umzuverteilen:

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/privatisierung-gefahren/-/id=660374/did=19001370/nid=660374/1l0wtf1/index.html

Hohe Preise für Wasser, Strom und Gas, baufällige Schulgebäude, die kaum noch zu benutzen sind, immer schlechtere Verbindungen der Deutschen Bahn auf dem Land, Krankenhäuser in der Krise – all das sind Folgen einer jahrzehntelang betriebenen Privatisierung. Der Staat zieht sich aus bestimmten Bereichen immer mehr zurück. Die Gefahren dieser Entwicklung beschreibt Tim Engartner, Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt schulische Politische Bildung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Hayır

Es ist unglaublich, wie oberflächlich unsere Medien manchmal sind. So berichtet die Tagesschau über das Referendum in der Türkei, das mit Ja oder Nein ausgehen kann:

http://www.tagesschau.de/inland/deutsch-tuerken-101.html

Dabei wird in dem Artikel das türkische Nein „Hayır“ mit einem „i“ geschrieben, weil es den Laut „ı“ bei uns nicht gibt. Das ist ungefähr so als würde man einem Kind einen Marder als „Katze“ erklären, nur weil es noch nie einen Marder gesehen hat (umgekehrt hat es allerdings Republikgründer Atatürk den Türken auch leicht gemacht, als er die Schreibweise von neuen Lehnwörtern der Aussprache angepasst hat. So heißt zum Beispiel die Motordroschke in der Türkei „Taksi“.).

Kann man über türkische Befindlichkeiten, die Politik, die Verfassung des Staates berichten, wenn man nicht mal willens ist, die türkische Rechtschreibung zu beachten? Unsere Computer und Systeme können das inzwischen schon lange, wie dieser Post demonstriert (allerdings ersetzt WordPress den Laut im Permalink auch mit einem „i“ 😉 ). Ich meine, wenn man über zukunftsweisende Entscheidungen des türkischen Volkes berichtet, sollte man, egal welche Position man auch einnimmt, wenigstens die Sprache und Rechtschreibung der Kultur beachten, sonst kommt der Verdacht auf, dass man es mit den Interessen der Türken auch nicht so genau nimmt. Eine Redakteurin eines Rundfunksenders wie des hr sollte damit umgehen können, schließlich ist die Sprache ihr Metier.

Mir ist der Laut „ı“ bekannt von einer lang vergangenen Türkei-Reise, weil ich den Ortsnamen von „Kuşadası“ nie richtig aussprechen konnte, was für unsereiner wirklich schwierig ist. Es ist eben kein „i“.

Übrigens sagt man in der Türkei meistens gar nicht „Hayır“, sondern „Yok“, vielleicht ist das ja ein Omen für das Referendum.

In ähnlicher Weise ist mir zuwider, wenn Sprecher und Moderatoren ebenso wie die befragten Politiker die Ukraine mit einem Umlaut wie das „ei“ aussprechen, nicht a-i, wie es sich eigentlich gehört.

Im Kern ist die Sprachbehandlung hier Indikator für die Denkweise dahinter: Bedeutet Globalisierung, dass Entfernungen weniger Rolle spielen und wir zu einem intensiveren Austausch auch der Kulturen kommen, oder ist hegemoniale Einebnung, Standardisierung und Verdrängung der Fall? Das unsägliche Wort „Leitkultur“ gehört zu dieser Art zu denken.

Warum Atomstrom?

Nun ist sie schon vertraut, die Atomwende, Deutschland rückt vom Atomstrom ab. Vor allem nach Fukishima habe ich mich gefragt, warum haben wir das überhaupt gemacht, die Probleme waren doch schon vorher bekannt.

Die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben Ausmaße, die die Vorstellungskraft übersteigen. Eine aktuelle Meldung zeigt den fahrlässigen Umgang damit, weil die wahren Dimensionen nicht vermittelbar oder bezahlbar sind:

Fukushima – Strahlenforscher kritisiert Aufforderung zur Rückkehr in verseuchte Gebiete

Jahrzehntelang wurde erzählt, wie billig und umweltschonend Atomstrom ist. Ich kann dem nicht folgen, den Erträgen gegenüber stehen enorme Kosten für:

  1. Subventionen zur Entwicklung der Technologie
  2. Urangewinnung (siehe Mali)
  3. Betrieb
  4. Sicherheit vor Sabotage und Terrorismus
  5. Abbau, Zwischen- und Endlager der radioaktiven Stoffe
  6. Soziale Kosten der beiden bisherigen Nuklearkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima
  7. Umweltschäden durch diese beiden Ereignisse

Gerade der letzte Punkt ist unterrepräsentiert, wenig Aufmerksamkeit hat zum Beispiel die große Menge Radioaktivität, die bei Fukushima ins Meer eingebracht wurde und immer noch wird. Ist das bei einer Nation, deren Ernährung so stark mit Fisch verknüpft ist wie Japan, erträglich?

Tschernobyl war nur durch die großen dünn besiedelten Flächen leichter beherrschbar, bei der Bevölkerungsdichte von Japan ist der Schaden viel größer. Aber die obige Meldung zeigt, wie die japanische Regierung das Problem löst, die Sorge für die Bevölkerung steht nicht im Vordergrund.

Was ist, wenn man die Anzahl der atomar erzeugten Kilowattstunden durch die obigen Kosten teilt, ist Atomstrom dann immer noch billig? Ich denke, alleine die beiden Katastrophen reichen aus, um die Aussage als Lüge zu entlarven. Ich habe einen Freund der internationaler Klimaexperte ist, den habe ich dies gefragt. Er meinte aber, eine belastbare Zahl über die Kosten von Tschernobyl und Fukishima sei nicht zu bekommen.

Wie wenig Atomstrom konkurrenzfähig ist und eigentlich immer schon war, zeigt auch ein guter DLF Beitrag, den ich gestern gehört habe:

Atomkraft in der existenziellen Krise

Die Atomindustrie steckt in einer tiefen Krise. Einer der Gründe: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima, die sich heute zum sechsten Mal jährt. Das Unglück war aber nicht der Auslöser, sondern lediglich der Beschleuniger für die milliardenschweren Verluste der Branche.

 

Erstaunlicherweise wurde trotz Fukushima in England der Neubau von Hinkley Point C beschlossen, mit enormen Kosten und hohen staatlich Beihilfen:

http://www.wiwo.de/technologie/green/news-england-baut-teuerstes-atomkraftwerk-aller-zeiten/13550358.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hinkley-point-c-geplantes-atomkraftwerk-birgt-hoehere-risiken-als-bekannt-a-1058523.html

Die Darstellung in Wikipedia zeigt, dass damit nie Geld mit dem Strom verdient werden wird, der politische Wille entscheidend war und nur der englische Steuerzahler das Projekt überhaupt ermöglicht hat. Warum also diese Entscheidung, wo doch England mit Wind leicht genug Strom erzeugen könnte? Meine Interpretation ist die, dass Großbritannien als Nation mit Atomwaffen die Kraftwerke braucht, um damit, national autark, spaltbares Material für Kernwaffen zu erzeugen.

Aus dieser Erkenntnis ist meine These entstanden, dass wir die Atomkraftwerke ja vielleicht nur zu diesem Zweck wirklich haben, da auch die Politiker der Entstehungszeit sich Entsorgungskosten und Katastrophen ausmalen konnten (siehe Technikgeschichte der Kernkraft). Aber für Deutschland, das ja gar keine Atommacht ist, ist diese These vielleicht zu gewagt, kann aber erklären, dass wir leicht aussteigen können, England und Frankreich aber nicht.

Noch eine These zum Thema als Zugabe: Endlager wird es nie geben, die sogenannten Zwischenlager auf dem Gelände der Kernkraftwerke werden die Endlager sein. Ich wohne 15 km Luftlinie vom Kernkraftwerk Isar in Ohu.

Update 17.03.2017: Durch den Tipp eines aufmerksamen Lesers kann ich folgenden Artikel zur militärischen Bedeutung von Hinkley Point C ergänzen:

https://www.heise.de/tp/features/Hinkley-Point-muss-gebaut-werden-aus-militaerischen-Gruenden-3351570.html

Acesulfam-K im Pool

Interessanter Ansatz:

DLF24: Wie man Urin im Wasser nachweisen kann

Folgende Fragen hierzu:

  1. Will ich das wissen? 😉
  2. Annahme: Der Betreiber kriegt als Ergebnis eine hohe Konzentration. Tauscht er dann das Wasser kostenträchtig schneller aus, oder wartet er auf langsame Normalisierung? Also: will er das wissen?
  3. Als Laie geht man davon aus, dass mehr kleine Kinder ins Wasser bieseln als Erwachsene. Das Verfahren kann also nur funktionieren, wenn sie Acesulfam-K ausreichend mit ihrer Nahrung aufnehmen. Das wäre in dieser Allgemeinheit schon erschreckend. Ist das wirklich so?
  4. Der Süßstoff geht laut Artikel nahezu un-verstoffwechselt durch. Reichert er sich dann irgendwo an? Hat er Schadwirkungen?

Mein Fazit: Tolles Verfahren, gut ausgedacht, aber in Hinsicht meiner Fragen beunruhigend und unbefriedigend.