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Wenn ich mal meine Meinung zu einer Fernsehsendung loslassen will.

Unsägliche Polit-Talkshows

Mein Opa war ein politischer Mensch, wenn im Bundestag eines Haushaltsdebatte geführt wurde, damals noch mit Wehner, Strauß Genscher e.a., hörte er im Radio auf Mittelwelle neben seiner Uhrmacherarbeit gerne auch mal zu. Zu dieser Zeit war eine Bundestagsdebatte auch noch etwas Wert, ich habe den Eindruck dass diese Säule unserer parlamentarischen Demokratie damals mehr Beachtung fand. Das Radio war dafür auch keine schlechtes Medium, Fernsehen auf phoenix oder irgend ein Livestream mit Bild lenkt doch mehr ab und ist neben einer Arbeit nicht möglich. Diese Debatten haben in der Öffentlichkeit heute viel weniger Resonanz, die Frage warum, wäre einen eigenen Beitrag hier wert.

An Ihre Stelle sind die Polit-Talkshows getreten, die am prominentesten am Sonntag Abend mit den Moderatoren Christiansen, Jauch, Will ihr Publikum finden, das nach dem Tatort noch nicht ins Bett gehen will. Habe ich sie anfangs manchmal noch geschaut, findet mein Finger inzwischen in Sekundenbruchteilen die Fernbedienung für einen anderen Kanal. Das letzte Highlight, das man hätte sehen müssen, war wohl #Varoufake, dazu habe ich schon geschrieben.

Mein Grund für die Verweigerung ist: Selten ist es eine echte Diskussion, statt dessen dürfen populäre Politiker und andere Medienprofis ausführlich ihre relativ inhaltsleeren Statements abgeben, der Feigenblatt-Experte, der auch im Studio sitzt (gibt es ihn noch, oder geht es inzwischen auch ohne ihn?), darf zwar zwei Sätze mit beisteuern, obwohl er aber meist als einziger was sachlich richtigeres zum Thema zu sagen hätte, wird er schnell abgewürgt, so viele Details will der Zuschauer ja angeblich gar nicht. Was bleibt ist meist nur die Bestätigung für die, die es gerne so haben, „Alles ist gut, wir machen weiter so“, oder die Aufregung über ein neues „Thema“, das von den eigentlich relevanten ablenken soll. Die Richtung, die die Diskussion nimmt, steht von Anfang an fest, falls es nicht so läuft, weiß der „neutrale“ Gastgeber, was er zu tun hat.

Nett dass ebenso von der ARD auch die gut gemachte Satire dazu kommt, die diese Talkshowkultur an einem vermeintlich neoliberalen Thema sehr schön persifliert:

#Varoufake

Schon sehr lange, seit Sabine Christiansen bereits, schaue ich die Sonntag Abend Politik-Talkshow nicht mehr. Ich habe das stets nur als Bühne für die inhaltsarme Selbstdarstellung der Politiker empfunden, der als Feigenblatt eingeladene Experte wird meist schnell unterbrochen, sobald er etwas Substanzielles beitragen will. Die vergangene Sendung mit Günter Jauch und dem griechischen Finanzminister scheint aber ein neuer Tiefpunkt im Niveau gewesen zu sein:

http://www.flassbeck-economics.de/europa-stirbt-zuerst-im-kopf-beschimpfungen-beleidigungen-und-reparationsforderungen-oder-wo-man-hinkommt-wenn-man-absolut-nicht-mehr-weiter-weiss/

Zu dieser Sendung auch der folgende Post stellvertretend für viele andere:

http://le-bohemien.net/2015/03/16/varoufakis-bei-guenther-jauch/

Update 20.3.2015: Guter Artikel auch im Tagesanzeiger:

http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Video-und-Wahrheit/story/24435143

Und jan Böhmermann hat den richtigen Riecher für wirksame Medienverwendung und -kritik:

Ukraine-Konflikt: ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik

Einseitig finden die Berichterstattung in den Mainstream-Medien, in diesem Fall der ARD,  nicht nur viele Zuschauer, sondern auch die zuständigen Gremien. So kritisierte der ARD-Programmbeirat die Berichterstattung als „Fragmentarisch“, „tendenziös“, „mangelhaft“ und „einseitig“. Der Grad der Kritik ist beispiellos in der Geschichte der ARD. Geleakt wurde das Protokoll von der Zeitschrift Telepolis:

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42784/1.html

Der Artikel nennt Details, einzelne besonders schlechte oder auch bessere Sendungen und gibt auch Reaktionen auf die Kritik mit an.

Update 26.09.2014: Schwer getroffen schreit man über die Kritik auf, vergleicht sie sogar mit Stalinismus:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=23397

Update 27.09.2014: Eine Artikel des Spiegel zum Vorgang auseinander genommen:

http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2014/09/spiegelrundfunkbeiratkritik-an-ukraine-spiegel-online-fuhlt-sich-wohl-durch-kritik-des-ard-programmbeirats-mit-angegriffen-durchaus-zurecht/

Lanz und Wagenknecht

Die Talkshow von Markus Lanz mit Sarah Wagenknecht hat viele empört und zum Unterschreiben einer Online-Petition bewogen. Nicht ganz zu unrecht, wie man unten im Youtube-Zusammenschnitt nachschauen kann. Der freitag.de Artikel macht sich Gedanken darüber:

http://www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/was-in-der-lanz-petition-fehlt-1

Und auf den nachdenkseiten wird das ganze noch sehr viel kritischer gesehen:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=20257

Was für ein Zirkus

Es ist mal wieder Zeit für eine Tatort-Kritik, auch wenn sie die gestrige Ulrich Tukur-Werbesendung „Schwindelfrei“ nicht verdient hat.

Auch Matthias Dell in seiner Kritik bringt es nicht so schön auf den Punkt wie die FAZ, wo ich jedes Wort mittragen würde:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tatort-folge-schwindelfrei-wo-die-wilden-moehren-wachsen-12696940.html

Arme Tatort-Fans

Gestern während des Tatorts „Freunde bis in den Tod“ wünschte man sich wieder mal die zeit sinnvoller genutzt zu haben. Vielleicht gilt das ja ebenso wie das Posten darüber 😉

Wieder mal wünschte man sich die Pensionierung des Ludwighafener Duo Odenthal und Kopper, dabei können die Charakter und deren Schauspieler diesmal gar nichts dafür, da dieser Tatort so schematisch und uninspiriert angelegt war, wie noch selten erlebt. Da merkt man so richtig, dass ein Entscheider sagt: „Macht doch mal was über Jugend, Amoklauf und Internet“, und in Folge eine ganze Schar von Dienstleistern dieses lustlos und ohne Anspruch auf eine authentische Geschichte, ja ohne Geschichte überhaupt, darstellt, wie ein Bullshit-Bingo.

Keine der Verhaltensweisen im Film war irgendwie durch ein schlüssiges Motiv gedeckt, nicht bei einem der Charaktere.

Das war unterirdisch schlecht, noch unterhalb der Inga Lürsen-Qualen.

http://www.freitag.de/autoren/mdell/er-war-sauer-auf-dich

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tatort-freunde-bis-in-den-tod-seltsam-diese-kinder-12603952.html

Das war tödlich

Gestern habe ich mich mal wieder sehr über den Tatort „Er wird töten“ aus Bremen geärgert: Hohes Aufregerpotential, gerade für Eltern, wenig erzählte Geschichte. Eigentlich nichts zu ermitteln, bis auf die Wendung vom Schluss, aber die war nach 25 Minuten schon klar. Inga Lürsen in ihrer altersbedingt bewegungslosen, aber doch stets sehr emotionalen und Frauen-verstehenden Rolle wäre für mich ganz oben auf der Pensionierungsliste der ARD-Tatort-KommisarInnen.

Die Szenen zur Afghanistan-Bewältigung waren, wieder mal, politisch diktiert, man hätte sie ohne Probleme herausschneiden können und in jeden anderen Film einsetzen, ohne dem Film und der Handlung was zu nehmen. Das braucht es schon die Gemeinsamkeit der Federn in den Szenen, um das ganze überhaupt anzubinden. Wahrscheinlich sind es die selben Politiker, die erst entscheiden, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt wird und unsere Soldaten da hin schicken, und nachher solche Szenen erwirken, damit „Volk“ versteht, wie schwierig das für unsere Jungs dort ist.

Herrlich wieder die Rezension von Matthias Dell auf freitag.de:

http://www.freitag.de/autoren/mdell/zapf-eure-quellen-an

50 Jahre ZDF

Gestern im heute-Journal konnte man es wieder bewundern: Zur „Kriegserklärung“ von Nordkorea wurde ein langer Beitrag zu dem Land gezeigt, der nur in einigen Ton-Passagen Bezug zum aktuellen Geschehen hatte, ansonsten ein vorbereiteter Beitrag wie er im Regal liegt und zu jedem Anlass gezeigt werden kann. Die aktuellen Manöver der USA und Südkoreas wurden natürlich mit keinem Wort erwähnt, dafür reichlich alte nord-koreanische Weiblein, die Hunger haben.

Das dieser Stil kein Zufall ist, sondern mangelnde Neutralität auch zum Wesen des Senders gehört, zeigt der folgende taz Artikel:

http://www.taz.de/Die-Gruendung-des-ZDF-vor-50-Jahren/!113532/