Archiv der Kategorie: Radio

Boulevard-Radio macht blöd, oder?

viel Radio höre ich, aber meistens Sender mit Nachrichten und Wortbeiträgen. Im Auto muss es dann manchmal ein „Musiksender“ wie Bayern 3 oder dergleichen sein. In Landshut hier gehört lokal auch Radio Trausnitz in diese Kategorie, es wäre aber kein Problem auch die anderen zu nennen (Antenne, Gong, FFH …).

Das Problem ist dabei, dass der „Musiksender“ eigentlich gar nicht so viel Musik bringt, neben den Verkehrshinweisen (in zeitgeistig flapsiger Sprache natürlich), den Telefonspielen („super, ich freu mich so, darf ich noch grüßen?“), den Meinungen von Experten und Korrespondenten, dem Marketing für Konzerte und Events und den albernen Gags der Gute-Laune-Moderatoren (immer zwei) ist eigentlich nicht mehr viel Platz für Musik. Das kann man allein schon beim Aufrufen der Playlisten im Internet (hilfreich für den Hobby-DJ) feststellen, so viele Titel pro Stunde sind es gar nicht. Und kommt endlich ein Titel, dann wird mann von endlosen Jingles genervt, die einem einer Gehirnwäsche gleich eintrichtern, das man jetzt den „besten Mix“ hört. Kostprobe?

Dachte ich bisher, man wird vom hören blöd, der Postillon weiß es besser: Es ist Voraussetzung 😉

Postillon: Radiohörer ist so dumm, dass er alle 3 Minuten daran erinnert werden muss, welchen Sender er hört

Der Postillon wie immer genau auf den Punkt, köstlich.

Ein anderer Aspekt der Boulevard-Sender: Alle hecheln angeblich immer auf den Feierabend zu, ständig nervt die Arbeit und der Chef, allein das Wochenende ist die Rettung. Jeden Dienstag wird bestes Wetter für das Wochenende vorhergesagt, gut für die Laune und die vielen tollen Unternehmungen (Hauptzweck des Senders: Event und Musik-Marketing), was kümmert es den Hörer, wenn es am Freitag dann ganz anders kommt, das hat er dann schon wieder vergessen. Dass man auch als Selbständiger den Sender hören kann, oder dass die Arbeit Spaß macht ist von der Ausrichtung her gar nicht vorgesehen.

Ich gebe aber zu: auch ich bin so sozialisiert worden: „Pop nach acht“ mit Thomas Gottschalk vor dem Einschlafen, mit dem Finger auf der Aufnahmetaste des Kassettenrecorders bei „Schlager der Woche“ (die Sendung heißt heute noch so), das gehörte seinerzeit zum Teenager. Kann man in Zeiten von Musikstreaming nicht mehr vermitteln…

Unsägliche Polit-Talkshows

Mein Opa war ein politischer Mensch, wenn im Bundestag eines Haushaltsdebatte geführt wurde, damals noch mit Wehner, Strauß Genscher e.a., hörte er im Radio auf Mittelwelle neben seiner Uhrmacherarbeit gerne auch mal zu. Zu dieser Zeit war eine Bundestagsdebatte auch noch etwas Wert, ich habe den Eindruck dass diese Säule unserer parlamentarischen Demokratie damals mehr Beachtung fand. Das Radio war dafür auch keine schlechtes Medium, Fernsehen auf phoenix oder irgend ein Livestream mit Bild lenkt doch mehr ab und ist neben einer Arbeit nicht möglich. Diese Debatten haben in der Öffentlichkeit heute viel weniger Resonanz, die Frage warum, wäre einen eigenen Beitrag hier wert.

An Ihre Stelle sind die Polit-Talkshows getreten, die am prominentesten am Sonntag Abend mit den Moderatoren Christiansen, Jauch, Will ihr Publikum finden, das nach dem Tatort noch nicht ins Bett gehen will. Habe ich sie anfangs manchmal noch geschaut, findet mein Finger inzwischen in Sekundenbruchteilen die Fernbedienung für einen anderen Kanal. Das letzte Highlight, das man hätte sehen müssen, war wohl #Varoufake, dazu habe ich schon geschrieben.

Mein Grund für die Verweigerung ist: Selten ist es eine echte Diskussion, statt dessen dürfen populäre Politiker und andere Medienprofis ausführlich ihre relativ inhaltsleeren Statements abgeben, der Feigenblatt-Experte, der auch im Studio sitzt (gibt es ihn noch, oder geht es inzwischen auch ohne ihn?), darf zwar zwei Sätze mit beisteuern, obwohl er aber meist als einziger was sachlich richtigeres zum Thema zu sagen hätte, wird er schnell abgewürgt, so viele Details will der Zuschauer ja angeblich gar nicht. Was bleibt ist meist nur die Bestätigung für die, die es gerne so haben, „Alles ist gut, wir machen weiter so“, oder die Aufregung über ein neues „Thema“, das von den eigentlich relevanten ablenken soll. Die Richtung, die die Diskussion nimmt, steht von Anfang an fest, falls es nicht so läuft, weiß der „neutrale“ Gastgeber, was er zu tun hat.

Nett dass ebenso von der ARD auch die gut gemachte Satire dazu kommt, die diese Talkshowkultur an einem vermeintlich neoliberalen Thema sehr schön persifliert:

HG. Butzko’s Rückblick auf den Februar

Jeden Freitag Nachmittag 14:00  versuche ich die Radiospitzen zu hören, eine Stunde Kabarett mit wechselnden Protagonisten. Oft wird auch ein sogenannter Monats-Rückblick gestaltet, diesmal zum ersten Mal von HG. Butzko, dem Träger des deutschen Kleinkunstpreises von 2014. In diesem macht er sich sehr ausgefeilt und pointiert Gedanken zu Flüchtlingen, Zäunen, Facebook und mehr. Die Zeit zum Anhören lohnt sich.

Radiospitzen vom 26.02.2016

Hier noch eine Vorstellung des Künstlers HG. Butzko.

Der Riese von Cardiff

Zum heutigen 16. Oktober ein köstliches Kalenderblatt: Am 16. Oktober 1869 wurde der „Riese von Cardiff“ entdeckt, eine kuriose und bauernschlaue Kunstfälschung, ein „Hoax“. Herrliches Beispiel zum Motto, die Leute glauben, was sie glauben wollen.

„Durst“ – Warten auf Merlot

In den Radiospitzen des BR war am Freitag das sehr schöne Soloprogramm von Philipp Weber „Durst“ – Warten auf Merlot zu hören.

Philipp Weber ist nicht nur ein erfolgreicher und vielfach dekorierter Kabarettist, er ist auch studierter Chemiker und kritischer Konsument. Ausgestattet mit dieser Dreifach-Begabung hat er den Verbraucherschutz zur humoristischen Kunstform erhoben. Aufnahme vom 1. September 2015 in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

Da ich das Programm, dessen Themen und Webers Art sehr genossen habe, hier die Gelegenheit es vom Podcast in zwei Teilen nachzuhören:

Teil 1

Teil 2

Sternzeit

Neulich habe ich einen guten Tipp für astronomisch interessierte bekommen:

Die tägliche Radiokolumne „Sternzeit“ im DLF ist ein Leckerbissen für Liebhaber der Sternenkunde. Jeden Tag kurz vor 17:00 am Ende der Sendung „Forschung aktuell“ erfolgt ein interessanter Beitrag eingerahmt von mystisch-sphärischen Klängen. Einen RSS-Feed für die Podcasts gibt es auch: http://www.deutschlandfunk.de/podcast-sternzeit.733.de.podcast.xml

Ein Muster vom 22.04.2015 zum besonderen Stern Eta Carinae

Homulunkulusnebnel um Eta Carinae

Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops des Sterns η Carinae (September 1995). Image Credit: NASA, STScI

Werbung für Grönemeyer

Eigentlich mag ich die Musik von Herbert Grönemeyer ganz gerne, wenn ich sie auch nicht sehr oft höre. Ich schätze Ihn als guten Musiker und habe mal überrascht zur Kenntnis genommen, dass er auch ganz erfolgreich Filmmusik macht, zum Beispiel zu dem Film „The American„, den ich sehr mochte. Gerade hat er sein neues Album „Dauernd jetzt“ herausgebracht, und ist ständig in allen Kanälen und Talkshows präsent, so dass ich mich schon wunderte, was er für einen guten Draht zu den Verantwortlichen hat. Nicht nur mich, sonder auch die Wochenzeitung Kontext hat es genervt. Auf deren gute und lesenswerte Artikel möchte ich mal verlinken:

http://www.kontextwochenzeitung.de/medien/191/mensch-werbung-inklusive-2581.html

Aber auch zu Stuttgart 21:

http://www.kontextwochenzeitung.de/politik/191/ja-aber-2579.html

Jazz & Politik: Adé Égalité? Immergleiche Ungleichheit

Im BR2 Hörfunk läuft Samstags 17:00 für eine Stunde immer das politisches Feuilleton „Jazz und Politik“.

Am 25.10.2014 war unter dem Titel „Adé Égalité? Immergleiche Ungleichheit“ vieles zu hören, das ebenso wie das besprochene Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty sehr interessant ist. Wer nicht so viel Zeit hat steigt bei 25:17 ein und hört nach ein bisschen Musik den guten Schlussaufsatz.

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/jazz-und-politik/ungleichheit-schere-piketty100.html

SR2 Audiotipp: Fragen an M. Broeckers, Putinversteher

Hier mal wieder ein Audiotipp, diesmal zu Ukrainekrise:

M. Broeckers, 12.10.14, Putinversteher, Podcast – Fragen an den Autor, SR 2

Mathias Broeckers, „Wir sind die Guten! Ansichten eines Putinverstehers -oder- Wie uns die Medien manipulieren“. Ist Russland wirklich aggressiv? Wer schürt den Konflikt in der Ukraine? Warum berichten die meisten Medien sehr ähnlich?

Hier noch eine Besprechung des Buches auf freitag.de.

Kritik an israelischer Politik gleich Antisemitismus

Immer wieder wieder kann man beobachten, dass Kritik an israelischer Politik gewollt pauschal mit Antisemitismus gleich gesetzt wird und mit dieser großen Keule gegen jede Stimme, gleich welche Argumente sie führt, gekämpft wird. In der Vergangenheit wurden auch viele Politiker, die sonst durchaus als moralisch gefestigt angesehen werden, mit diesem Vorwurf konfrontiert, wie zum Beispiel Norbert Blüm.

Auch ich fühle mich diesem Vorwurf ausgesetzt, da ich in diesem Blog auch die Ereignisse im Nahen Osten kommentiere, dies meist kritisch gegenüber israelischer Politik, aber mich selbst, nicht nur durch den Geburtsjahrgang bedingt, sondern auch nach Gewissenserforschung, gar nicht als Antisemit einordne.

Deswegen macht mir ein Beitrag wie der folgende aus der wöchentliche Sendung „Schalom“ des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Angst. Die Sendung wird Freitags in Bayern 2 Radio nach den von mir geschätzten Radiospitzen ausgestrahlt, deswegen höre ich bisweilen mit rein. In der hier verlinkten Folge wird schon in den ersten 10 Minuten jeder Kritiker zum Antisemiten gestempelt, jegliches Recht zur Kommentierung der Politik verweigert und statt dessen mit Judenhass und Holocaust(Shoa)-Leugnung nahezu gleich gesetzt. Besonders abstoßend finde ich die Betrachtungsweise, dass auch intellektuelle Menschen Israel-kritisch sein können, wo die es doch auf Grund Ihrer geistigen Fähigkeiten besser wissen müssten. Der nahe liegende Umkehrschluss, dass nur dumme Menschen Kritik an Israel äußern bzw. äußern dürfen, befremdet mich. Interessanterweise wird das Sendungsthema von einem Leserbrief eingeleitet, der eine aktuelle und differenzierte Betrachtung der Ereignisse fordert und dessen Zitat für mich durchaus vernünftig und legitim klingt. Dies wird jedoch nur als Aufhänger benutzt, um genau jenes als ungehörig und fehlgeleitet darzustellen. Zitat: „gerne wird die israelische Regierung angegriffen, und wenn man dann hinter die Kulissen schaut, geht aus gar nicht um Israel, sonder um uns Juden im Allgemeinen“. Bei dieser Art der Darstellung bekomme ich Angst, und frage mich, ob ich hier Beiträge wie diesen überhaupt schreiben kann, ohne der schlimmsten Dinge verdächtigt zu werden.

 

Update vom 22.07.2014:

Zum gleichen Thema ein gutes Interview im DLF mit Rolf Verleger, ehemaliges Direktoriums-Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland: