Archiv der Kategorie: Internet

Floskelwolke

Eine Webseite mit einer eingeschränkten, dafür aber sehr wertvollen Funktion wurde gerade mit dem „Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik“ ausgezeichnet und ist für den Grimme Online Award 2015 nominiert: Die Floskelwolke stellt überflüssige Phrasen und Floskeln aus den Medien und Nachrichten relativ zur Häufigkeit Ihrer Benutzung dar:

Floskelwolke aktuell

Floskelwolke aktuell vom 09.06.2015

http://www.floskelwolke.de/

Link

„Bundesregierung erleichtert WLAN-Hotspots“, hieß es diese Woche in den Medien. Das ist gelinde gesagt eine Gefälligkeitsmeldung, denn wer sich die Gesetzesvorlage genau anschaut, sieht, dass mehr juristische Risiken für Betreiber und Verbote bestätigt als abgeschafft werden. Mehr ein Kotau vor der Urheberrecht-Verfechter-Lobby als ein echter Fortschritt. Dies zeigt auch gut der folgende Kommentar auf heise.de:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Macht-endlich-Schluss-mit-faulen-Kompromissen-bei-der-WLAN-Haftung-2574087.html

Netzneutralität ist Zukunftsfrage

Kanzlerin Merkel hat auf dem IT-Gipfel in Hamburg die Frage der Netzneutralität in die Zukunft verschoben, zu mindestens keine Entscheidung gegen sie.

Der Begriff Netzneutralität ist ganz Zentral für die Funktionsweise des Internet. Im wesentlichen stellt ein Aufgeben der Netzneutralität zusätzlich Entgelte für den unbehinderten Transport bestimmter Inhalte dar. Zynisch gesagt: Zuerst bewirbt man massiv Video on demand über das Internet. Wenn das alle machen und Netz dadurch zu voll wird, leitet man Konkurrenten langsamer durch bzw. lässt sie oder deren Kunden nochmals extra für die Durchleitung zahlen.

Hier ein sehr plakatives gutes Erklärungs-Video dazu.

Update 04.12.2014: So schnell kann es gehen: Heute hat Frau Merkel erklärt, warum sie keine Netzneutralität will:

http://www.sueddeutsche.de/digital/netzpolitik-der-bundesregierung-merkel-stellt-netzneutralitaet-infrage-1.2252640

Verschlüsselung funktioniert

Zu den häufigsten Nebelkerzen in der IT gehört die Behauptung, Verschlüsselung funktioniere nicht, sei für den Laien nur umständlich zu machen und letztendlich doch wieder leicht zu knacken. Alle diese Behauptungen sind falsch, es wird aber einiges dafür getan, dass sie sich in der Praxis bewahrheiten. Dennoch: eine End-zu-End-Verschlüsselung wäre komfortabel machbar, sicher und auch von Laien zu bedienen. Das Pretty Good Privacy (PGP)-Plugin Enigmail für das Email-Programm Mozilla Thunderbird zeigt dies schon sehr lange. Dies hilft aber nicht, wenn Microsoft Outlook Express und Outlook ebenso wie die Clients auf Mobiltelefonen und Webclients diesen Standard nicht unterstützen und ignorieren. Eine Mehrzahl der Benutzer liest Emails (wenn überhaupt noch, in Zeiten von WhatsApp) auf solchen Programmen. Wäre dem nicht so, und die Programme würden Verschlüsselung anbieten, wäre dies auch für Privatleute und Laien eine gute Sache. Warum sich Firmen und Mittelständler diesen Fragestellungen nicht mehr zuwenden, ist für mich sowieso ein Rätsel.

Apple und Google und Yahoo haben aber angekündigt, Verschlüsselung in Ihre Dienste mit zu integrieren. Ein begrüssenswerter und wichtiger Schritt, wenn er denn technisch sauber umgesetzt wird. Dass diese Technologien auch für Geheimdienste und andere Überwacher nicht so leicht knackbar und unangenehm sind, zeigen die folgenden Artikel über Forderungen des FBI zu einem neuen Calea-Gesetz:

http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2014-10/fbi-hintertueren-verschluesselung-cryptowars

http://www.heise.de/newsticker/meldung/iOS-und-Android-FBI-Chef-will-Vordereingang-in-verschluesselte-Geraete-2426948.html

Man kann nur hoffen, dass sich das FBI und andere der großen Brüder nicht mit Ihren Forderungen durchsetzen und die Vorhaben von Google, Apple und yahoo von den Nutzern auch als der große Vorteil, den sie darstellen, erkannt werden.

Update 20.01.2014: Braucht es einen stärkeren Beleg dafür, dass Verschlüsselung funktioniert? Kaum findet sie mehr Verbreitung, will US-Präsident Obama sie aufweichen:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Obama-will-Verschluesselung-aufweichen-2520434.html

Virale Medienwelt

Ich blogge hier gerade über Journalisten, die über Journalisten schreiben, die Youtube-Videos von edlen, lebensrettenden Katzen als virales Marketing und Hoax (Fälschung) bezeichen. Ganz schön künstlich, oder? Aber so ist unsere Medienwelt heute wohl, hat ein bisschen was von Münchhausens sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Dabei gäbe es doch eigentlich nach wie vor auch substantiellere Themen 😉

http://www.taz.de/Youtube-Hit-Cat-saved-my-Son/!141040/

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42018/1.html

http://www.everyjoe.com/2014/05/14/play/cat-saving-boy-from-dog-video-fake-real-hoax/

Auf das Video sei hier verzichtet, da ich es auch für gestellt halte. Ist aber in den Links zu sehen.

Father Kelly ist ein Star

Tolles Schnipsel aus der Netzwelt: Ein Pfarrer singt am Ende der kirchlichen Trauung einem Paar ein ungewöhnliches Lied als Überraschung. Er kann das so gut, dass er auf Youtube über 2 Millionen Mal gesehen wird. Am schönsten ist sein spitzbübisches Lächeln (ca: 3:01) zwischendurch.

Zwei Dinge fallen mir dazu ein: Schön, dass sich Können und Fähigkeit auf youtube so durchsetzt, ein Kontrapunkt zu vielen Dampfplauderern. Und: Ist für einen Priester damit die Todsünde Superbia (Hochmut, Eitelkeit, Stolz, Übermut) gegeben? Wäre ja schade 😉

Gefunden in http://sz.de/1.1934392

Streaming kann Besitz nicht ersetzen

In einem aktuellen Fall wird mal wieder der Hauptnachteil von Streaming deutlich: Disney meint, dass Amazon-Käufer Ihre Weihnachtsfilme besser im Juli anschauen sollen, damit Disney sie zweimal verkaufen kann:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/streaming-disney-loescht-weihnachtsfilm-fuer-amazon-kunden-a-939297.html

In einem bösen Spruch sage ich manchmal: „Mach die Augen zu, dann weißt Du, was Dir gehört!“. Genau so ist es beim Streaming von Musik und Filmen (und ähnlich auch beim EBook): Man erwirbt nur ein Nutzungsrecht und hat keinen Besitz. Der Fall im Artikel demonstriert, wie feinfühlig die Rechteinhaber damit umgehen.

Auch wenn Streaming bequem ist, man stelle sich mal nur einen finanziellen Abstieg vor. Eine CD-Sammlung, oder moderner, die MP3 Sammlung auf der Festplatte, die man in liquiden Zeiten erworben hat,  kann man weiter abhören, der Streaming-Vertrag wird gekündigt und vorbei ist es mit dem Medien-Konsum. Das für das Streaming gezahlte Geld ist trotzdem weg. Alles wird virtueller, auch unser Konsum.

Link

In einem SZ-Kommentar stellt der Autor dar, wie unsinnig es ist, Internetnutzer, die nicht abgehört wollen, zu Zurückhaltung aufzufordern. Statt solchen Aufrufen zur Selbstbeschränkung seien Gesetze zur Beschränkung der Überwachung nötig. Eine Meinung, der ich mich anschließen kann.

http://sz.de/1.1731166

Internetprovider leisten weniger

In einer groß angelegten Studie hat die Bundesnetzagentur die Qualität der Internet-Anschlüsse getestet. Ergebnis: Fragwürdig in Qualität und Vertragsgestaltung.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Speed-Studie-Bis-zu-ist-ein-dehnbarer-Begriff-1840513.html

Die Originalstudie gibt es zum Download als PDF.

Wer will, kann auf http://www.initiative-netzqualitaet.de/ bis Ende Juni 2013 auch noch am Test teilnehmen. Auch die so wichtige Netzneutralität kann geprüft werden.