Archiv der Kategorie: Internet

G20 Pranger

Die Hamburger Polizei weiß das Thema G20-Krawalle im Abstand von einigen Wochen stets neu zu befeuern. Nach der Durchsuchung von Angehörigen und Zentren der linken Szene und Beschlagnahme deren gesamter Arbeitsmittel (PC, Smartphone etc.) Anfang Dezember, ein halbes Jahr nach dem Gipfel, sind es nun Internetseiten mit Fotos und Videos von Tatverdächtigen, die das Thema wieder zum Gespräch in den Medien und in der Bevölkerung machen. Hat man in der Zwischenzeit schon mal was von den Ergebnissen der Großrazzia gehört? Ich nicht. Medienaufmerksamkeit hat stets die Härte des Vorgehens der Polizei, aber nicht die Menge der Ergebnisse, die diese Maßnahmen rechtfertigen könnten.

Dafür hat die Bildzeitung nun einen schönen Aufmacher und sucht nach „Krawall-Barbie“:

bild Aufmacher Krawall-Barbie

Bild sucht die „Krawall-Barbie“. Quelle nachdenkseiten.de

Heribert Prantl als Rechtsexperte der SZ beurteilt in seinem Kommentar diese Internet-Fahndung als „Rechtsbruch“, findet „diese Form des Internet-Prangers ist gesetzeswidrig„. Ich schließe mich seiner Meinung hier voll und ganz an.

http://www.sueddeutsche.de/politik/ermittlungen-g-ist-keine-lizenz-zum-rechtsbruch-1.3796934

Update 22.12.2017:
Auf Anregung auf die Antwort von Berta Kessel habe ich das Bild von „Krawall-Barbie“ nun verpixelt. Wird ihr nicht mehr helfen, aber war schon richtig so.

Noch besser ist natürlich:

 

Trump schleift Netzneutralität

Donald Trump ist gerade in der Phase der Einlösung der Wahlversprechen. War die Entscheidung für Jerusalem als Hauptstadt von Israel schon gruselig genug (darüber müsste eigentlich ein eigener Post geschrieben werden), hat er nun die unter Obama wirklich mühsam errungenen und ungeheuer wichtigen Regelungen zur Netzneutralität gekippt. An und für sich haben die beiden Entscheidungen nicht viel miteinander zu tun, gemeinsam ist beiden: Sie kosten Trump nichts und vielen anderen Menschen eine Menge.

Über Netzneutralität habe ich schon geschrieben, hier nochmal kurz meine Sicht:

Internet-Anschlüsse vergleiche ich veranschaulicht immer mit Wasseranschlüssen von Gebäuden: In den Anfangszeiten konnten die Menschen es immer nicht fassen, dass sie Netz an zwei Computern gleichzeitig nutzen können, hier war der Vergleich von zwei gleichzeitig offenen Wasserhähnen hilfreich. Dies ist er auch bei der Versorgung generell: Wohnen Sie in einem Haus in der Nähe eines Krankenhauses machen sie sich trotzdem keine Sorgen darüber, ob sie Duschen können, denn die Wasserversorgung ist so dimensioniert, dass beide Gebäude gut versorgt sind, sie können gut duschen ohne das das Wasser nur tröpfelt, auch wenn im Krankenhaus gerade operiert wird. Genau so verhält sich das mit dem Netz: ist es überall ausreichend dimensioniert kommen alle Pakete mit geringer Latenz und ausreichend Bandbreite an, es muss nichts geregelt werden. Netzneutralität ist damit eigentlich selbstverständlich, wir müssten uns darüber ebenso wenig Gedanken machen, wie beim Wasseranschluss.

Anders aber wenn die Kapazität nicht ausreicht, vielleicht der Fall wenn die ganze Welt Fernsehen und Filme nur noch on Demand streamt, manche Leitungen könnte Engpässe darstellen, hier muss investiert werden. Wird das Netz verbessert, wäre das Problem wieder gelöst. Aber ohne Netzneutralität ergibt sich sogar ein neues Geschäftsfeld: Ich spare mit als Netzbetreiber die Investition, nehme dafür Premium-Kunden für einen „priorisierten Betrieb“ Zusatzgebühren ab. Wahrscheinlich überwiegen die Zusatzgebühren vom Ertrag bei weitem sogar die Einsparungen der Investition, die Frage kann davon sogar entkoppelt werden. Ist das Netz nicht neutral kann ich auch Einfluss nehmen: Kommt eine neuer angesagter Streaming-Dienst als Konkurrenz hoch, kann ich ihn ausbremsen, so dass beim Kunden der Eindruck von Langsamkeit oder Unzuverlässigkeit entsteht. Die Netzanbieter könnten so großen Einfluss auf Geschäftsmodelle im Netz haben. Was das heißt, kann man am Beispiel von Telekom StreamOn schon gut sehen, hier werden die „Content-Partner“ bevorzugt.

Der Server, von dem Sie diesen Post lesen, ist derzeit gut erreichbar. Wenn ich für diese Erreichbarkeit viel zahlen müsste, würde ich ihn wahrscheinlich nicht betreiben, die Unabhängigkeit von anderen Diensten wäre damit weg. Damit kann ich ohne Netztneutralität sogar mittelbar die Meinungsvielfalt beeinflussen und zensieren.

Die Netzneutralität ist also wirklich ein wertvolles Gut, ohne Netzneutralität regiert und reguliert das Geld auch das Internet und damit unsere Informations- und Meinungsfreiheit.

Schön finde ich, dass das Thema jetzt beim Trump-Bashing soviel Aufmerksamkeit genießt. Diese Medienaufmerksamkeit hätte ich mir schon vor zwei Jahren gewünscht, als das Thema in der EU heiß war und auch nicht ganz sauber gelöst wurde. Hier war der Aufschrei deutlich ruhiger. Frau Merkel war übrigens auch für die Abschaffung der Netzneutralität, ist ihnen das in gleicher Weise aufgefallen, wie bei Donald Trump?

Und weil das Video von TotalBiscuit einfach so gut ist, will ich es hier abermals wiederholen:

 

Red Cap für Bushido

Ein wunderbares Schlusslicht der Tagesschau zu einem Vorfall, der ein wunderbarer Aprilscherz sein könnte, aber angeblich keiner ist.

http://www.tagesschau.de/schlusslicht/bushido-101.html

http://www.bildblog.de/88285/polizei-und-medien-gehen-mit-bushido-auf-verbrecherjagd/

Als Vorlage für ein Fahndungsfoto wurde einfach ein Internet-Bild des Künstlers genommen, die Ähnlichkeit ist entsprechend. Nun erkennen alle auf dem Bild: Bushido!

Bushido als Fahndungsbild

Bushido als Fahndungsbild. Quelle bildblog.de

Das LKA kann sich aus „ermittlungstechnischen Gründen“ nicht weiter äußern. Das Schlusslicht wirft ein Schlaglicht auf die harte Polizeiarbeit dort 😉

Vault 7 aus der Gießener Strasse

Wikileaks veröffentlicht brisante Dokumente über Hacking-Aktivitäten der CIA auf deutschem Boden, ohne dass es auf großes Interesse stößt, und wenn, dann mehr aus Empörung über den schlimmen Geheimnisverrat. Schade, dass der Datenschutz in Zeiten von Smartphone, Siri und Cortana so wenig im Fokus der Menschen ist.

Jens Berger nennt die Hintergründe in den nachdenkseiten:

Quelle: Wikileaks veröffentlicht beunruhigende Daten über Hacker bei der CIA und niemanden interessiert es | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Die Originaldokumente:

Vault 7: CIA Hacking Tools Revealed

Router-Zertifizierung

Wie schnell es doch manchmal geht: Erst gestern kam die Meldung von den Störungen im Telekom-Netz, heute schon spricht man von einem Hacker-Angriff und BSI-Präsident Schönbohm fordert in der Zeitung „Die Welt“ die Hersteller von Routern zu Gütesiegeln und Zertifikaten zur Verbesserung der IT-Sicherheit  zu verpflichten. „Unter anderem könne man die Hersteller verpflichten, regelmäßig und zeitnah Sicherheits-Updates automatisch aufzuspielen.“ Das ging ja rucki-zucki. Der BND weiß sogar schon, dass es angeblich ein Angriff aus Russland war.

Wenn man bedenkt, welche Brisanz der hauseigene Router für technische Rahmenbedingungen des Datenschutzes hat und welches Einfallstor ein Router ist, wo der Hersteller jederzeit unbemerkt Updates einspielen kann, lässt einen so eine Forderung aufhorchen. Ein möglicher Einschleusungsweg für Bundes- oder andere Trojaner ist auch der Router eines Haushaltes, wenn man ihn beliebig manipulieren kann.

Gerade  wurde Anfang 2016 die gesetzliche Neuregelung zum Routerzwang heftig diskutiert, und nur halbwegs klar gelöst. Da käme mit der Zertifizierung und Zwangs-Updates wieder ein Zugriff auf die Router über die Hintertür: Mit entsprechend starken Auflagen kann der Anbietermarkt auf nur weniger Player reduziert werden, wenn man mit denen „gut kann“, hätte man wieder Zugriff auf die Router.

Freie und quell-offene Routerbetriebssysteme, zum Beispiel DD-WRT, die für technisch Kundige eine Alternative darstellen, die sich den offiziellen Begehren verweigern kann, kann man mit solchen Beschränkungen der Hersteller leicht ausschließen. Dabei sind es doch gerade die Router des größten Providers, der Telekom, die mit Ihren monopolartigen Strukturen und großer Verbreitung weniger Routermodelle die Angriffe erst möglich gemacht haben.

So schnell die Rufer aus BSI und BND reagieren, sollte eine gesunde Skepsis gegenüber deren Forderungen angebracht sein.

Siehe auch meinen Post „Wider den Routerzwang„.

 

Deutsch? Nice!

Jan Böhmermann und das ZDF neo magazin Royale haben mal wieder ein politisches Statement in ein virales Video verpackt. Oder umgekehrt? Egal, gut gemacht und in jedem Fall nützlich.

Die Welt dreht durch! Europa fühlt sich so schwach, dass es sich von 0,3% Flüchtlingen bedroht sieht, Amerika ist drauf und dran einen Mann zu wählen, bei dem niemand so genau weiß, wer unter dem Toupet die Fäden zieht und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, muss man sich nun auch noch ausgerechnet von Deutschland darüber belehren lassen, wie man sich moralisch richtig verhält. Ausgerechnet Deutschland! Die haben noch nicht mal einen Weltkrieg gewonnen!

The world is going completely nuts! Europe feels threatened by 0.3% refugees, the USA are about to elect a man, of who no one really knows who is pulling the strings under the toupee and just as if that was not bad enough, Germany of all nations has to disabuse the world of how to behave morally right. I mean GERMANY! They did not even win one single world war in history!

Ein Teil meiner Antwort würde Sie nur verunsichern

Eine Glanzleistung unseres Innenministers De Maizière: Er erklärt die terroristische Bedrohung und die Hinweise darauf als „ernst zu nehmen“, will aber nicht erklären woraus sie besteht. Er sagt Nichts und begründet: „Ein Teil dieser Antwort würde die Bevölkerung verunsichern“. Erst so schafft man die Verunsicherung, die man haben will.

Entsprechend leicht ist es daraus Satire zu machen, wenn so ein Satz nicht selbst schon Satire ist:

#DoItLikeDeMaiziere

Update 14.12.2015: Der Originallink von tagesschau Netzreporter ist leider nicht mehr verfügbar. Statt dessen auf youtube:

Quelle: Tagesschau Netzreporter vom 18.11.2015.

Söder macht die Heimat hot

Heimatminister Markus Söder hat diese Woche wieder einen guten Auftritt gehabt:
Er erklärte, dass in 5000 Standorten in Bayern staatlich eingerichtete freie WLAN-Hotspots enstehen sollen. Koordiniert wird das ganze von einem „WLAN-Zentrum des Landesamtes für Digitalisierung“ in Straubing.

An sich eine gute Sache, die zu begrüßen ist. Trotzdem habe ich natürlich was auszusetzen. Zum Beispiel kritisiert Söder auch die Störerhaftung als Hindernisgrund, durchaus löblich, aber seine Partei, die CSU, und die anderen Partner in der GroKo (CDU, SPD) haben im Bund gerade erst ein relativ untaugliches Gesetz verabschiedet, das Initiativen in Richtung freie WLANs eher behindern soll. Die Störerhaftung ist dort nicht entsprechend geregelt, was man durchaus kritisieren kann, aber warum hat auch Söder’s Partei dieses Gesetz dann so gemacht? Da habe ich das Gefühl, dass eine privates, nicht wirtschafts-wirksames Vorgehen eher verhindert werden soll. Da könnte doch sonst jeder einfach einen zusätzlichen Router aufstellen oder sein Netz öffnen. Auch viel systematischer und sicherer existiert das durchaus, die Freifunk Initiative zum Beispiel gibt es schon ganz rege an meinem Wohnort Altdorf, wird aber durch diese Gesetzeslage viel komplizierter und dadurch behindert.

Schön, dass statt dessen dann dafür medienwirksam ein staatliches Trostpflasterchen geschaffen wird. Bei diesem Trostpflasterchen kann dann die ein oder andere Firma gut verdienen und in Straubing mit dem Zentrum die Region gefördert werden. Das passt dann auch gut, wo doch in Straubing bei Wahlen die CSU immer exorbitant gute Ergebnisse jenseits der 60% einfährt.

Zweitens: Netzaufbau auf dem Land: Schön wäre auch, wenn nicht nur die Städte sondern auch die ländlichen Regionen von Haus aus eine gute Internetanbindung hätten. Doch hier hat man mit der unseligen Privatisierung der Telekom und der Netze Bedingungen geschaffen, wo die Konzerne auf dem Land schlicht keine „Lust zu Investitionen“ haben und dadurch viele Privatleute und Firmen keine gute Anbindung bekommen, selbst wenn sie dafür zahlen würden. Versuchen sie doch mal, im Bayerischen Wald oder anderen Regionen ein schnelles DSL zu bekommen. Die Klagen dieser Betroffenen, auch unter meinen Kunden, bleiben ungehört. Auch hier haben Söder und seine Kollegen wenig bewirkt oder gar verbessert.

Das hat auch Franz Liebl in seiner Glosse hierzu gut ausgedrückt (Achtung Überdosis Mundart):