Archiv der Kategorie: Medien

Ob TV oder Zeitung oder Blog, ich bin immer neugierig.

Faktenfinder vom Feinsten

Schon der Name Faktenfinder ist ein Schlag ins Gesicht: Medien sollten Meldungen und Nachrichten verbreiten, die auf Fakten beruhen. Es ist nicht Aufgabe von Medien für uns arme dumme Konsumenten, die Fakten herauszusuchen. Wenn die Meldungen die Fakten schon genannt haben, warum sollte ein „Faktenfinder“ sie für den Leser nochmals zusammensetzen? Der Umkehrschluss, „wenn wir die Fakten schreiben, schreiben die anderen die Fakes“ ist natürlich dabei auch beabsichtigt.

Dass diese „integere Absicht“ des Fakten-Findens nicht immer verfolgt wird, zeigt der Faktenfinder zur Untersuchung des mutmaßlichen Giftgasangriffs von Duma:

Quelle: Faktenfinder Mutmaßlicher Giftgaseinsatz: Propagandaschlacht um Duma

Man beachte schon die ersten zwei Absätze:

Der Einsatz der OPCW-Experten in Duma verzögert sich immer weiter. Die neun Experten waren am Samstag in Damaskus eingetroffen, dürfen seitdem aber nicht an den Ort fahren, an dem am 7. April möglicherweise Chemiewaffen eingesetzt worden waren.

Am Montag wurde ein Besuch blockiert. Am Abend versprach der russische Botschafter bei der OPCW in Den Haag, Alexander Schulgin, die Experten könnten am Mittwoch nach Duma reisen. Am Dienstag wurde dann ein Voraus-Team der UN in Duma beschossen, als es die Sicherheitsbedingungen für den Einsatz der Waffeninspekteure prüfen wollte.

Erster Absatz: sie „dürfen nicht“. Wo ist das Fakt, wer es ihnen verboten hat? Zweiter Absatz: „wurde blockiert“. Passivisch, sehr schön. Wer hat blockiert? Gleich darauf: „der russische Botschafter verspricht…“. Statt zu erwähnen, dass die UN die Untersuchungskommission aus Sicherheitsgründen zurückhält, und nicht Russland oder Syrien, wird den Lesern durch die Satzstellung eine Verhinderungsaktion der Russen suggeriert. Russland sagt hingegen, Aufständische hätten das Voraus-Team beschossen, das wird nicht erwähnt, sondern weiter unten „Die USA und Frankreich verdächtigen Russland und Syrien daher, die Untersuchung zu behindern„. Erwartet man so etwas von einem Faktenfinder? Das ist Sortierung und Sieben der Fakten, nicht Finden. Auch: Die Verdächtigung ist zwar ein Fakt, noch nicht aber die Behinderung. Dass die Russen das sagen ist Fakt, nicht aber notwendigerweise, dass es die Aufständischen waren. Was verdient Sammlung im Faktenfinder?

Im Weiteren ist sich der Artikel nicht einmal einig, ob sich die Journalisten nun abgesetzt haben oder frei bewegen konnten. Wenn sich RTL-Reporter frei bewegen können, warum nicht die Kommission? Sinnlos darüber zu diskutieren.

Das zeigt: Einen wahren Faktenfinder wird es niemals geben, weil nicht alle Fakten offensichtlich sind. Hier fehlen die Fakten, wie schlecht die Sicherheitslage wirklich ist und wer dafür verantwortlich ist.

Aufgabe der Tagesschau ist es Meldungen zu liefern und eventuell manchmal ausgewiesen zu kommentieren. Das Bild dieser Teilmenge der Fakten aus den Meldungen wird dann bei uns im Kopf entstehen, natürlich für jeden subjektiv. Die Objektivität, die hier vorgetäuscht wird, gibt es natürlich gar nicht und sie kann es auch nicht geben. Schon deshalb ist der Name Faktenfinder unsinnig.

Der Russe wars

Wahlbeeinflussung in USA, Wahlbeeinflussung beim Brexit, Hacken des Bundestages, Giftgas in Syrien in 2013, 20?? und 2018, Vergiftung des Doppelagenten Skripal: stets deuten wir mit dem Medien-, Nachrichten- und der Regierungserklärungs-Finger auf Russland, meist personalisierter auf Putin, ohne irgendeinen belastbaren Beweis zu haben.

Ich will belastbare Beweise gerne sehen, der Verweis auf Geheimdienstkreise, die das wohl schon wissen, reicht mir nicht. Wenn man ehrlich ist, ist das eine Beleidigung der Intelligenz: stets wird uns erklärt was Sache ist, aber für die Beweise sind wir nicht reif genug, Demokratie auf Kleinkind-Niveau. In letzter Zeit hört man sogar zum Teil die Beweisführung, man könne im Fall Skripal zwar nichts belegen, aber der Russe habe ja in der Vergangenheit auch das und das und dies gemacht, da sei es sicher nicht verkehrt. Dass auch die Vorgänger-Vorwürfe nicht wirklich belegt waren, spielt dabei keine Rolle mehr. So ähnlich hat mit Michael Gahler (CDU) ein Falke aus dem EU-Parlament erst neulich im DLF-Interview argumentiert.

Nicht dass ich glaube, dass Russland ein Waisenknabe ist, es spielt sicherlich im internationalen Machtpoker genauso mit, wie die USA, Frankreich, England (Deutschland?) und China. Aber ich denke, genau das ist der wirkliche Vorwurf an das Land: Es hält nicht mehr wie in Zeiten von Jelzin still und findet sich mit den Brotkrumen „des Westens“ ab, sondern gestaltet wieder eigenständig die Weltpolitik mit. Zwar will ich keinen Hegemonial, egal ob er USA, Russland oder China heißt, aber dass ständig für nicht „westliche“ Länder andere Maßstäbe angewendet werden, erscheint mir nicht sinnvoll, zu mindestens nicht ehrlich. Die USA sollen den „Welt-Polizisten“ spielen weil sie „die Guten“ sind, wenn ihr Geld nicht mehr reicht sollen wir dabei helfen (2% Ziel der Militärausgaben). Wenn China eine neue Seidenstraße mit Geld und Beton baut oder Russland sich die Militärbasen am Schwarzmeer und Mittelmeer nicht so einfach wegnehmen lässt, ist das böse, böse. Ich meine alle Länder sollten zu einer Weltordnung finden, in der das Völkerrecht wieder mehr zählt und nicht nur auf eine Seite angewendet wird.

Die Folgen für unser Land sind greifbar: Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Sanktionen treffen unsere Wirtschaft deutlich mehr als dargestellt: So belastet zum Beispiel der Wegfall des russischen Marktes unsere Milchbauern stark, mehr als dass die Verbraucher billig einkaufen wollen, aber gesagt wird das natürlich nicht. Dass die North-Stream 2 Pipeline durch die Ostsee meiner Gasheizung einmal russisches Gas liefern wird, glaube ich erst, wenn das so ist, hier sehe ich noch viele Hebel der Verhinderung angesetzt. Andere wirtschaftliche Beispiele ließen sich leicht finden. Und militärisch: wenn demnächst in Syrien die USA und Russland wirklich militärisch aufeinander prallen wird das Konsequenzen haben, die ich gar nicht abschätzen kann und will.

Die Argumentation des pensionierten Richters im folgenden Artikel erscheint mir daher richtig, auch ich denke in diese Richtung und empfehle den Text deswegen.

Zwischenruf eines Richters: Gefährliche Anti-Russland-Hysterie – Nowitschok und das Gift der Theresa May. Von Peter Vonnahme.

Link

Und noch ein Link, heute ist wohl Link-Tag: Eloquent formuliert, wie man es von ihm gewohnt ist, kritisiert Thomas Fischer den Umgang mit Kriminalstatistiken.

„Trau‘ keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“, lautet ein gemeinhin Winston Churchill zugeschriebener Spruch. Vermutlich stimmt nicht einmal das, und doch ist die – oft eigenwillige – Auslegung von Daten immer wieder Gegenstand von Medienberichten, vor allem, wenn es um Straftaten geht. Der frühere Bundesrichter und MEEDIA-Gastautor Thomas Fischer über die empirisch ermittelte Angst vor Messerattacken und andere statistische Schräglagen.

Quelle: Messerangst in Mitteleuropa – oder: Warum die Kriminalstatistik nur dann nützlich ist, wenn man sie versteht › Meedia

Scanner ändert Zahlen

Spaßiger Vortrag eines Informatikers namens David Kriesel über seinen Kampf mit Fehlern von namhaften Scannern und der Öffentlichkeitsarbeit dazu. Vom 31. Chaos Communication Congress. Kriesel empfiehlt sich auf jeden Fall als rhetorisches Talent :-), aber nicht nur das. Chapeau!

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All about that bass

Als Smartphone-Spätberufener habe ich immer noch so meine Entdeckungen: Radio on Demand. Während die „Welt am Morgen“-Nachrichten-Magazin-Sendungen, wie sie in Bayern2 und im Deutschlandfunk morgens laufen, mangels Themenvielfalt immer weniger mein Interesse finden, kann ich mit Anwendungen wie der DLF Audiothek viel selektiver meiner Leidenschaft für das Radio nachgehen. So höre ich inzwischen statt des laufenden Programms morgens beim Zähneputzen damit ausgewählte Sendungen. Ironischerweise habe ich früher verächtlich von Leuten gesprochen, die „mit dem Smartphone in die Dusche gehen“, genau das mache ich jetzt fast.

Dabei entdecke ich immer wieder tolle Sendungen und Features, die mich informieren, meinen Horizont erweitern und mich gleichzeitig amüsieren. Hier also mal so ein subjektiv ausgewähltes Beispiel: Eine knappe Stunde über den Bass in der Musik in der Reihe „Freistil“, wie für mich gemacht, mit einem ganzen Bausch von Themen vom Basso continuo des Barock bis Reggae, Drum and Bass und Dubstep, musikalisch, historisch und technisch betrachtet. Empfehlung!

http://www.deutschlandfunk.de/die-kultur-der-tiefen-toene-bass-ist-boss.866.de.html?dram:article_id=407415

Die Kultur der tiefen Töne

Bass ist Boss

Booom! Basstöne sind wie Detonationen. Sie fahren in die Magengrube und lassen Kirchen, Kinos und Clubs erzittern. Als ästhetisches Ausdrucksmittel haben die tiefen Frequenzen ihre Spuren am deutlichsten in der Musik hinterlassen.

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30 Jahre „Blade Runner“: Legende mit Fehlstart 

Ein guter Artikel in SPON zur Entstehungsgeschichte von Ridley Scott’s Blade Runner. Auch finde den Film Kult und in meiner persönlichen Best-Of-Liste steht er weit oben.

Bildgewaltig, philosophisch, desaströs: Wie ein Besessener hatte Ridley Scott an seinem neuen Sci-Fi-Film gebastelt – und dabei die Crew fast in den Wahnsinn getrieben. 1982 stellte er sein Werk einem Testpublikum vor. Doch die Zuschauer von „Blade Runner“ verstanden nur Bahnhof.

Quelle: 30 Jahre „Blade Runner“: Legende mit Fehlstart – SPIEGEL ONLINE – einestages

G20 Pranger

Die Hamburger Polizei weiß das Thema G20-Krawalle im Abstand von einigen Wochen stets neu zu befeuern. Nach der Durchsuchung von Angehörigen und Zentren der linken Szene und Beschlagnahme deren gesamter Arbeitsmittel (PC, Smartphone etc.) Anfang Dezember, ein halbes Jahr nach dem Gipfel, sind es nun Internetseiten mit Fotos und Videos von Tatverdächtigen, die das Thema wieder zum Gespräch in den Medien und in der Bevölkerung machen. Hat man in der Zwischenzeit schon mal was von den Ergebnissen der Großrazzia gehört? Ich nicht. Medienaufmerksamkeit hat stets die Härte des Vorgehens der Polizei, aber nicht die Menge der Ergebnisse, die diese Maßnahmen rechtfertigen könnten.

Dafür hat die Bildzeitung nun einen schönen Aufmacher und sucht nach „Krawall-Barbie“:

bild Aufmacher Krawall-Barbie

Bild sucht die „Krawall-Barbie“. Quelle nachdenkseiten.de

Heribert Prantl als Rechtsexperte der SZ beurteilt in seinem Kommentar diese Internet-Fahndung als „Rechtsbruch“, findet „diese Form des Internet-Prangers ist gesetzeswidrig„. Ich schließe mich seiner Meinung hier voll und ganz an.

http://www.sueddeutsche.de/politik/ermittlungen-g-ist-keine-lizenz-zum-rechtsbruch-1.3796934

Update 22.12.2017:
Auf Anregung auf die Antwort von Berta Kessel habe ich das Bild von „Krawall-Barbie“ nun verpixelt. Wird ihr nicht mehr helfen, aber war schon richtig so.

Noch besser ist natürlich:

 

Trump schleift Netzneutralität

Donald Trump ist gerade in der Phase der Einlösung der Wahlversprechen. War die Entscheidung für Jerusalem als Hauptstadt von Israel schon gruselig genug (darüber müsste eigentlich ein eigener Post geschrieben werden), hat er nun die unter Obama wirklich mühsam errungenen und ungeheuer wichtigen Regelungen zur Netzneutralität gekippt. An und für sich haben die beiden Entscheidungen nicht viel miteinander zu tun, gemeinsam ist beiden: Sie kosten Trump nichts und vielen anderen Menschen eine Menge.

Über Netzneutralität habe ich schon geschrieben, hier nochmal kurz meine Sicht:

Internet-Anschlüsse vergleiche ich veranschaulicht immer mit Wasseranschlüssen von Gebäuden: In den Anfangszeiten konnten die Menschen es immer nicht fassen, dass sie Netz an zwei Computern gleichzeitig nutzen können, hier war der Vergleich von zwei gleichzeitig offenen Wasserhähnen hilfreich. Dies ist er auch bei der Versorgung generell: Wohnen Sie in einem Haus in der Nähe eines Krankenhauses machen sie sich trotzdem keine Sorgen darüber, ob sie Duschen können, denn die Wasserversorgung ist so dimensioniert, dass beide Gebäude gut versorgt sind, sie können gut duschen ohne das das Wasser nur tröpfelt, auch wenn im Krankenhaus gerade operiert wird. Genau so verhält sich das mit dem Netz: ist es überall ausreichend dimensioniert kommen alle Pakete mit geringer Latenz und ausreichend Bandbreite an, es muss nichts geregelt werden. Netzneutralität ist damit eigentlich selbstverständlich, wir müssten uns darüber ebenso wenig Gedanken machen, wie beim Wasseranschluss.

Anders aber wenn die Kapazität nicht ausreicht, vielleicht der Fall wenn die ganze Welt Fernsehen und Filme nur noch on Demand streamt, manche Leitungen könnte Engpässe darstellen, hier muss investiert werden. Wird das Netz verbessert, wäre das Problem wieder gelöst. Aber ohne Netzneutralität ergibt sich sogar ein neues Geschäftsfeld: Ich spare mit als Netzbetreiber die Investition, nehme dafür Premium-Kunden für einen „priorisierten Betrieb“ Zusatzgebühren ab. Wahrscheinlich überwiegen die Zusatzgebühren vom Ertrag bei weitem sogar die Einsparungen der Investition, die Frage kann davon sogar entkoppelt werden. Ist das Netz nicht neutral kann ich auch Einfluss nehmen: Kommt eine neuer angesagter Streaming-Dienst als Konkurrenz hoch, kann ich ihn ausbremsen, so dass beim Kunden der Eindruck von Langsamkeit oder Unzuverlässigkeit entsteht. Die Netzanbieter könnten so großen Einfluss auf Geschäftsmodelle im Netz haben. Was das heißt, kann man am Beispiel von Telekom StreamOn schon gut sehen, hier werden die „Content-Partner“ bevorzugt.

Der Server, von dem Sie diesen Post lesen, ist derzeit gut erreichbar. Wenn ich für diese Erreichbarkeit viel zahlen müsste, würde ich ihn wahrscheinlich nicht betreiben, die Unabhängigkeit von anderen Diensten wäre damit weg. Damit kann ich ohne Netztneutralität sogar mittelbar die Meinungsvielfalt beeinflussen und zensieren.

Die Netzneutralität ist also wirklich ein wertvolles Gut, ohne Netzneutralität regiert und reguliert das Geld auch das Internet und damit unsere Informations- und Meinungsfreiheit.

Schön finde ich, dass das Thema jetzt beim Trump-Bashing soviel Aufmerksamkeit genießt. Diese Medienaufmerksamkeit hätte ich mir schon vor zwei Jahren gewünscht, als das Thema in der EU heiß war und auch nicht ganz sauber gelöst wurde. Hier war der Aufschrei deutlich ruhiger. Frau Merkel war übrigens auch für die Abschaffung der Netzneutralität, ist ihnen das in gleicher Weise aufgefallen, wie bei Donald Trump?

Und weil das Video von TotalBiscuit einfach so gut ist, will ich es hier abermals wiederholen:

 

Lückenpresse

Jeder Leser dieses Blogs wird wissen, das ich mit dem Gleichklang der Mainstream-Medien nicht zufrieden bin. Der Autor Prof. Dr. Ulrich Teusch hat ein Buch mit dem Titel „Lückenpresse“ geschrieben, in der er den Zustand der Medien in vielfacher Hinsicht analysiert und auch krititisiert.

Ich habe diese Buch nicht gelesen, aber bin lange in dem Vortrag hängen geblieben, den Teusch beim Evangelischen Erwachsenenbildungswerk in Aachen gehalten hat, es dort vorstellte und über das Thema referierte.

In ruhiger und unaufgeregter Art stellt er vieles in sehr guter Weise dar. Über eine Stunde, aber hörenswert.

Auf https://augenaufunddurch.net/ blogt Teusch.