Archiv der Kategorie: Computer

Mein Beruf die Informatik. Müsste man auch ein Bisschen unter Hobby einordnen.

echo@tu-berlin.de eingestellt

Das wird jeder IT-Administrator kennen: Der Echo-Mailer echo@tu-berlin.de ist ideal zum Testen eines frisch eingerichteten Email-Kontos, da er jede Email nahezu unverzögert als Antwort zurückschickt. Damit kann man senden (SMTP) und Empfangen (IMAP) auf einmal testen, den nicht IT-Kundigen ist meist nicht bewusst, dass es sich um zwei relativ unabhängige Mechanismen handelt.

Leider ist das auch Geschichte: Der Dienst ist seit 2018 eingestellt und antwortet nicht mehr. Ich vermute im Zuge der Umstellung auf Exchange-Server wurde das weggekürzt.

Die Wikipediaseite https://de.wikipedia.org/wiki/Echo-Mailer nennt andere, ich denke echo@univie.ac.at ist momentan der beste Ersatz.

Trump schleift Netzneutralität

Donald Trump ist gerade in der Phase der Einlösung der Wahlversprechen. War die Entscheidung für Jerusalem als Hauptstadt von Israel schon gruselig genug (darüber müsste eigentlich ein eigener Post geschrieben werden), hat er nun die unter Obama wirklich mühsam errungenen und ungeheuer wichtigen Regelungen zur Netzneutralität gekippt. An und für sich haben die beiden Entscheidungen nicht viel miteinander zu tun, gemeinsam ist beiden: Sie kosten Trump nichts und vielen anderen Menschen eine Menge.

Über Netzneutralität habe ich schon geschrieben, hier nochmal kurz meine Sicht:

Internet-Anschlüsse vergleiche ich veranschaulicht immer mit Wasseranschlüssen von Gebäuden: In den Anfangszeiten konnten die Menschen es immer nicht fassen, dass sie Netz an zwei Computern gleichzeitig nutzen können, hier war der Vergleich von zwei gleichzeitig offenen Wasserhähnen hilfreich. Dies ist er auch bei der Versorgung generell: Wohnen Sie in einem Haus in der Nähe eines Krankenhauses machen sie sich trotzdem keine Sorgen darüber, ob sie Duschen können, denn die Wasserversorgung ist so dimensioniert, dass beide Gebäude gut versorgt sind, sie können gut duschen ohne das das Wasser nur tröpfelt, auch wenn im Krankenhaus gerade operiert wird. Genau so verhält sich das mit dem Netz: ist es überall ausreichend dimensioniert kommen alle Pakete mit geringer Latenz und ausreichend Bandbreite an, es muss nichts geregelt werden. Netzneutralität ist damit eigentlich selbstverständlich, wir müssten uns darüber ebenso wenig Gedanken machen, wie beim Wasseranschluss.

Anders aber wenn die Kapazität nicht ausreicht, vielleicht der Fall wenn die ganze Welt Fernsehen und Filme nur noch on Demand streamt, manche Leitungen könnte Engpässe darstellen, hier muss investiert werden. Wird das Netz verbessert, wäre das Problem wieder gelöst. Aber ohne Netzneutralität ergibt sich sogar ein neues Geschäftsfeld: Ich spare mit als Netzbetreiber die Investition, nehme dafür Premium-Kunden für einen „priorisierten Betrieb“ Zusatzgebühren ab. Wahrscheinlich überwiegen die Zusatzgebühren vom Ertrag bei weitem sogar die Einsparungen der Investition, die Frage kann davon sogar entkoppelt werden. Ist das Netz nicht neutral kann ich auch Einfluss nehmen: Kommt eine neuer angesagter Streaming-Dienst als Konkurrenz hoch, kann ich ihn ausbremsen, so dass beim Kunden der Eindruck von Langsamkeit oder Unzuverlässigkeit entsteht. Die Netzanbieter könnten so großen Einfluss auf Geschäftsmodelle im Netz haben. Was das heißt, kann man am Beispiel von Telekom StreamOn schon gut sehen, hier werden die „Content-Partner“ bevorzugt.

Der Server, von dem Sie diesen Post lesen, ist derzeit gut erreichbar. Wenn ich für diese Erreichbarkeit viel zahlen müsste, würde ich ihn wahrscheinlich nicht betreiben, die Unabhängigkeit von anderen Diensten wäre damit weg. Damit kann ich ohne Netztneutralität sogar mittelbar die Meinungsvielfalt beeinflussen und zensieren.

Die Netzneutralität ist also wirklich ein wertvolles Gut, ohne Netzneutralität regiert und reguliert das Geld auch das Internet und damit unsere Informations- und Meinungsfreiheit.

Schön finde ich, dass das Thema jetzt beim Trump-Bashing soviel Aufmerksamkeit genießt. Diese Medienaufmerksamkeit hätte ich mir schon vor zwei Jahren gewünscht, als das Thema in der EU heiß war und auch nicht ganz sauber gelöst wurde. Hier war der Aufschrei deutlich ruhiger. Frau Merkel war übrigens auch für die Abschaffung der Netzneutralität, ist ihnen das in gleicher Weise aufgefallen, wie bei Donald Trump?

Und weil das Video von TotalBiscuit einfach so gut ist, will ich es hier abermals wiederholen:

 

Algorithmen visualisieren

Zur Zeit arbeite ich mich vermehrt in Javascript ein, dort auch in die Visialisierungs-Bibliothek D3 von Mike Bostock. Der Informatiker hat lange für die New York Times aufwendige interaktive Grafiken erstellt, daraus ist diese Bibliothek entstanden. Eine tolle Funktionalität, die aber auch verstanden sein will.

Dabei bin ich über eine sehr schöne Seite gestolpert, wo Bostock an Beispielen für die Visualisierung von Algorithmen zeigt, dass die Qualität der Algorithmen dadurch in vielen Fällen gesteigert werden kann. Schon als Student habe ich ähnlich Demos programmiert, ich errinnere mich noch an einen Bubble- und Quicksort in Assembler auf einem Commodore PET 2001, der direkt auf dem Bildschirmspeicher arbeitet und so die Buchstaben sortierte. Spassig. In Perfektion macht dies allerdings Bostock:

https://bost.ocks.org/mike/algorithms/

Chrome unterstützt ES6 Module

Wer wie ich als Java-Entwickler in die Javascript-Welt eintaucht, vermisst eine vernünftige Gliederung in Module und die Definition von Abhängigkeiten dazwischen. In der alten Javascript-Welt wurden dafür viele Mechanismen geschaffen, deren Gebrauch für den Neuling verwirrend ist. 

Mit EcmaScript 6 (auch EcmaScript 2015) ist eine Definition von Modulen und imports bzw.  exports mit sauberen Sprachmitteln möglich. Ein Beispiel:

<!DOCTYPE html>
<html>
    <head>
        <title>ES6 Module</title>
        <meta charset="UTF-8">
        <meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
        <script type="module">
            import {getGreeting} from "./js/greeting.js";
            
            document.getElementById("content").textContent = getGreeting();
        </script>
    </head>
    <body>
        <div id="content">placeholder for content</div>
    </body>
</html>
import * as my from "./mylib.js";

export function getGreeting() {
        return my.addMy("Hello World!");
}
export function addMy(str) {
    return "My " + str;
}

Die gute Nachricht: Moderne Browser wie Chrome (ab Version 61 ohne Flags), Firefox, Safari und Edge (Edge und Firefox allerdings hinter Flags) unterstützen das bereits ohne Zusatzmittel wie Transpiler etc.:

https://medium.com/dev-channel/es6-modules-in-chrome-canary-m60-ba588dfb8ab7

https://caniuse.com/#feat=es6-module

In EcmaScript 6 (synonym ES6 und EcmaScript 2015) sind aber noch viele andere gute Features und syntaktische Erleichterungen enthalten:

http://es6-features.org

JavaScript ist damit eine richtig erwachsene Sprache und wird damit Java immer ähnlicher 😉

Staatstrojaner: Bundestag beschließt diese Woche das krasseste Überwachungsgesetz der Legislaturperiode

Statt Terrorismusbekämpfung und Schwerstkriminalität, wie ursprünglich gesagt, wird der Staatstrojaner nun zum Alltags-Polizeiinstrument. Was uns erst als Ausnahme von der Ausnahme verkauft wird, verkommt kurz vor der Sommerpause und Wahl zum Allerwelts-Überwachungsinstrument. So geht Politik!

Quelle: Staatstrojaner: Bundestag beschließt diese Woche das krasseste Überwachungsgesetz der Legislaturperiode (Updates) – netzpolitik.org

Update 23.06.2017: Guter Kommentar von Heribert Prantl in der SZ, der nichts an Deutlichkeit vermissen lässt.

Schlangenöl gegen Ransomware

Bereits im Post „Vergesst Anti-Viren-Software“ habe ich meine Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Antivirensoftware ausführlich formuliert. Der aktuelle Fall einer flächendeckenden Ransomware-Attacke zeigt es wieder genau: Betriebssystem-Updates, die schon über zwei Monate (seit März) vorliegen werden aus verschiedenen Gründen, auch von Profis, nicht eingespielt, Antivirensoftware hilft nicht oder bestenfalls teilweise.

Der bekannte Blogger und IT-Spezialist Fefe hat dazu einen Beitrag mit vielen schönen Quellen verfasst. Er nennt Antivirensoftware „Schlangenöl“, um den esoterischen Charakter darzustellen.

https://blog.fefe.de/?ts=a7e8d6ab

Powerpoint als Turingmaschine

Gefunden auf Fefes Blog: Eine spaßiges Video einer Powerpoint-Vorführung macht sich über Powerpoint Vorführungen lustig, indem sie behauptet mit Powerpoint eine Turingmaschine zu simulieren, genauer, dass Powerpoint turing-vollständig ist. Eine Turing-Maschine ist ein Rechnermodell, das ein Informatiker zum Vordiplom garantiert verstanden habe muss, der Vortrag ist also mit etwas Nerd-Know-How erst richtig zu verstehen. Witzig ist er allemal, auch für nicht-Informatiker:

ach-logo

Logo von ach

Vorgetragen auf einer (fiktiven?) Tagung Namens SIGBOVIK, die die Association for Computational Heresy (ach) jeweils am 1. April hält

Herrlich intelligent gemachter Nonsense!

Vault 7 aus der Gießener Strasse

Wikileaks veröffentlicht brisante Dokumente über Hacking-Aktivitäten der CIA auf deutschem Boden, ohne dass es auf großes Interesse stößt, und wenn, dann mehr aus Empörung über den schlimmen Geheimnisverrat. Schade, dass der Datenschutz in Zeiten von Smartphone, Siri und Cortana so wenig im Fokus der Menschen ist.

Jens Berger nennt die Hintergründe in den nachdenkseiten:

Quelle: Wikileaks veröffentlicht beunruhigende Daten über Hacker bei der CIA und niemanden interessiert es | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Die Originaldokumente:

Vault 7: CIA Hacking Tools Revealed

München unterwirft sich Microsoft

LiMux LogoSchon länger pfeiften es die Spatzen (und ich) von den Dächern: Münchens OB Reiter wird das Linux-Vorzeigeprojekt LiMux aus der Münchner Stadt-IT werfen und Microsoft wieder geben, was es einst verloren hat. Durch den Politikwechsel auf Rot-Schwarz und den Umzug der Microsoft-Zentrale von der Randgemeinde Unterschleißheim nach München waren die Weichen gestellt. Jetzt ist es offiziell.

Dabei wurden gegen Linux und LibreOffice keine wirklich fundierten Sachgründe angegeben, man versteckt sich hinter vagen Aussagen und Studien, die Firmen anfertigen, die Microsoft nahe stehen.

Der Wechsel ist von hoher Symbolkraft und daher für Microsoft Gold Wert, für München aber ein Armutszeugnis und der Beginn in eine lange Zeit der erneuten Abhängigkeit von Microsoft, und ausländischen Ressourcen. Die Lizenzkosten sowie der erneute Umstieg werden hohe Kosten für den Münchner Steuerzahler generieren

Ein weiterer, nie genannter Aspekt ist der Umzug-Zielort: Statt wie vorher verkehrsgünstig am Ring der A92, ist die Zentrale jetzt am Ende der A9, der Nürnberger Autobahn auf dem ehemaligen Langenscheidt-Gelände. Staus sind hier auch ohne Microsoft vorprogrammiert, welchen Sinn so etwas verkehrspolitisch und Stadtentwicklungs-technisch macht, erschließt sich mir nicht.

Quelle: München unterwirft sich Microsoft – Laptop und Lederhose passen doch nicht zusammen | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Update 13.04.2017: Guter Artikel hierzu im Tagespiegel:
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/it-in-der-oeffentlichen-verwaltung-europas-fatale-abhaengigkeit-von-microsoft/19628246.html