Experten

Ein Kalauer sagt: „Experten sind Leute, die alles genau vorhersagen können, und nachher erklären, warum es nicht so eingetroffen ist“. In meinem letzten Post „Zocken erobert die Politik“ war ich wohl genau so ein Experte: Zwar steht viel richtiges drinnen, aber meine Vorhersage, dass es Neuwahlen gibt, wird wohl so nicht stimmen.

Auch den Grund kann ich angeben: Ich war naiv! Da habe ich der SPD doch tatsächlich geglaubt, sie stehe zu ihrer Aussage, dass sie für eine große Koalition nicht zur Verfügung steht. Da habe ich doch wirklich an Lauterkeit und Verlässlichkeit in der Politik geglaubt. Eigentlich disqualifiziert mich das für alle zukünftigen politischen Artikel.

Unterschätzt habe ich vor allem den Einfluss von innen: von der Fraktion und den Abgeordneten, die Ihre Mandate behalten wollen, vom rechten Flügel und Seeheimer Kreis, der mit einer großen Koalition und deren Zielrichtung ganz zufrieden ist, von Frank-Walter Steinmeier, der es immer wieder verstanden hat, frische Wahlniederlagen in Posten und Positionen umzusetzen, von vielen SPD-Vertretern und Mitgliedern, die eine Neuwahl fürchten, da sie an kein besseres Ergebnis glauben. Da schließe ich mich doch jetzt mal den Grünen an, die sagten: „Es ist keine Frage, ob wir eine große Koalition kriegen, sondern nur wann“.

Natürlich kommt es auch der CDU/CSU zu pass, wenn eine handsame SPD ihr wieder das bequeme Regieren ermöglicht. Das erklärt die vielen albernen Interviews von Julia Klöckner e.a. mit Schlagworten wie Stabilität, Verantwortung und „rote Line“. Da heißt es dann zum Beispiel „ein so bedeutendes Land wie Deutschland braucht Stabilität, keine Minderheitsregierung“, aber keiner erklärt je, worin das Problem einer Minderheitsregierung denn in der Realität bestünde. Die inhaltlichen Debatten würden unsere politische Diskussion und Teilhabe sicherlich beleben.

Eine neu aufgelegte GroKo wird dann sicher ein weiter so, denn die plakativen Forderungen der SPD, die momentan in den Medien gehandelt werden, sind bei einer Einigung bestimmt unterhalb die politische Wirksamkeit auf eine eitle Formulierung geschrumpft. 

Ich denke: Große Koalitionen sind zerstörend für unsere Demokratie, da sollten wir viel eher die Minderheitsregierung oder Neuwahlen ausprobieren. Neuwahlen besser jetzt als nach einer erneuten zermürbenden GroKo.

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