Archiv für den Monat: September 2017

Wahl absolut

In einem guten Post „Die Wahl in absoluten Zahlen“ zeigt Paul Schreyer, dass ein Blick auf Prozentpunkte relativ zu den abgegebenen Stimmen irreführend ist, ein Ansatz, den ich auch schon in meinem früheren Beitrag „Wer sind die Nichtwähler?“ gemacht habe.

Hier die aktualisierte Grafik für die absoluten Zweitstimmenergebnisse 1990 bis 2017 (klicken zum Vergrößern):

Zweitstimmen mit Nichtwählern bezogen auf Gültige

Zweitstimmen mit Nichtwählern bezogen auf Gültige

Dass die Verwendung des Begriffes „Volksparteien“ sehr fraglich geworden ist, zeigt der folgende Chart:

Zweitstimmen 2017

Zweitstimmen 2017

Nur kurz als Ergänzung, für diejenigen die immer noch an Rot/Rot/Grün glauben:

Bürgerliche Parteien (CDU/CSU, FDP, AfD), % bezogen auf Gültige Stimmen:

1990 1994 1998 2002 2005 2009 2013 2017
54.9 48.4 41.4 45.9 45.0 48.4 51.0 56.3

Rot Rot Grün (SPD, Linke, Grüne), % bezogen auf Gültige Stimmen:

1990 1994 1998 2002 2005 2009 2013 2017
40.9 48.0 52.7 51.1 51.1 45.6 42.8 38.7

Man kann leicht sehen, dass da kein Weg hinführt, die Gesellschaft rückt nach rechts. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass man die Grünen heute eigentlich schon zu den bürgerlichen zählen müsste. Und die SPD?

Wahlnachlese

Die gestrige Bundestagswahl war für mich so wie die Jahreszeit, der Herbst: Alle Ergebnisse habe ich genau so vorhergesagt wie sie jetzt eingetreten sind, so war ich nicht allzu überrascht vom Ergebnis. Mögen muss ich es deswegen nicht, genau so wie die jährliche Herbstdepression, wenn ich mir eingestehen muss, dass der Sommer vorbei ist.

Hier ein Bonmot zur Geisteshaltung von Christian Lindner (gefunden bei fefe), damit man sich besser vorstellen kann, was uns von Seiten der FDP erwartet.

Ein Artikel zu fundierten Auswertung des Wahlomaten:
http://www.dkriesel.com/blog/2017/0923_wie_die_faz_einen_artikel_von_mir_vergeigte

Ein kluger Artikel (von vor der Wahl) zu den Ursachen für den Erfolg der AfD:
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-trost-des-nationalismus-1

Boulevard-Radio macht blöd, oder?

viel Radio höre ich, aber meistens Sender mit Nachrichten und Wortbeiträgen. Im Auto muss es dann manchmal ein „Musiksender“ wie Bayern 3 oder dergleichen sein. In Landshut hier gehört lokal auch Radio Trausnitz in diese Kategorie, es wäre aber kein Problem auch die anderen zu nennen (Antenne, Gong, FFH …).

Das Problem ist dabei, dass der „Musiksender“ eigentlich gar nicht so viel Musik bringt, neben den Verkehrshinweisen (in zeitgeistig flapsiger Sprache natürlich), den Telefonspielen („super, ich freu mich so, darf ich noch grüßen?“), den Meinungen von Experten und Korrespondenten, dem Marketing für Konzerte und Events und den albernen Gags der Gute-Laune-Moderatoren (immer zwei) ist eigentlich nicht mehr viel Platz für Musik. Das kann man allein schon beim Aufrufen der Playlisten im Internet (hilfreich für den Hobby-DJ) feststellen, so viele Titel pro Stunde sind es gar nicht. Und kommt endlich ein Titel, dann wird mann von endlosen Jingles genervt, die einem einer Gehirnwäsche gleich eintrichtern, das man jetzt den „besten Mix“ hört. Kostprobe?

Dachte ich bisher, man wird vom hören blöd, der Postillon weiß es besser: Es ist Voraussetzung 😉

Postillon: Radiohörer ist so dumm, dass er alle 3 Minuten daran erinnert werden muss, welchen Sender er hört

Der Postillon wie immer genau auf den Punkt, köstlich.

Ein anderer Aspekt der Boulevard-Sender: Alle hecheln angeblich immer auf den Feierabend zu, ständig nervt die Arbeit und der Chef, allein das Wochenende ist die Rettung. Jeden Dienstag wird bestes Wetter für das Wochenende vorhergesagt, gut für die Laune und die vielen tollen Unternehmungen (Hauptzweck des Senders: Event und Musik-Marketing), was kümmert es den Hörer, wenn es am Freitag dann ganz anders kommt, das hat er dann schon wieder vergessen. Dass man auch als Selbständiger den Sender hören kann, oder dass die Arbeit Spaß macht ist von der Ausrichtung her gar nicht vorgesehen.

Ich gebe aber zu: auch ich bin so sozialisiert worden: „Pop nach acht“ mit Thomas Gottschalk vor dem Einschlafen, mit dem Finger auf der Aufnahmetaste des Kassettenrecorders bei „Schlager der Woche“ (die Sendung heißt heute noch so), das gehörte seinerzeit zum Teenager. Kann man in Zeiten von Musikstreaming nicht mehr vermitteln…

Chrome unterstützt ES6 Module

Wer wie ich als Java-Entwickler in die Javascript-Welt eintaucht, vermisst eine vernünftige Gliederung in Module und die Definition von Abhängigkeiten dazwischen. In der alten Javascript-Welt wurden dafür viele Mechanismen geschaffen, deren Gebrauch für den Neuling verwirrend ist. 

Mit EcmaScript 6 (auch EcmaScript 2015) ist eine Definition von Modulen und imports bzw.  exports mit sauberen Sprachmitteln möglich. Ein Beispiel:

<!DOCTYPE html>
<html>
    <head>
        <title>ES6 Module</title>
        <meta charset="UTF-8">
        <meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
        <script type="module">
            import {getGreeting} from "./js/greeting.js";
            
            document.getElementById("content").textContent = getGreeting();
        </script>
    </head>
    <body>
        <div id="content">placeholder for content</div>
    </body>
</html>
import * as my from "./mylib.js";

export function getGreeting() {
        return my.addMy("Hello World!");
}
export function addMy(str) {
    return "My " + str;
}

Die gute Nachricht: Moderne Browser wie Chrome (ab Version 61 ohne Flags), Firefox, Safari und Edge (Edge und Firefox allerdings hinter Flags) unterstützen das bereits ohne Zusatzmittel wie Transpiler etc.:

https://medium.com/dev-channel/es6-modules-in-chrome-canary-m60-ba588dfb8ab7

https://caniuse.com/#feat=es6-module

In EcmaScript 6 (synonym ES6 und EcmaScript 2015) sind aber noch viele andere gute Features und syntaktische Erleichterungen enthalten:

http://es6-features.org

JavaScript ist damit eine richtig erwachsene Sprache und wird damit Java immer ähnlicher 😉

Völkerrecht auch für Venezuela

Für solche Analysen muss man heute schon sehr dankbar sein: Äußerungen von Donald Trump zur Möglichkeit einer militärischen Intervention in Venezuela werden mit dem Völkerrecht abgeglichen.

Es vergeht kaum eine Woche, in der in den USA nicht grundlegende Prinzipien des Völkerrechts in Frage gestellt würden.

Quelle: Militärische Interventionen – Wiener Zeitung Online