„Faktenschlacht“ gegen Hersh

In der Zeitung „Welt an Sonntag“ hat der Journalist und Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh einen Artikel über den Giftgasvorfall im April 2017 in Syrien geschrieben, in dem er dessen Existenz als „Luftangriff durch Syrien mit Chemiewaffen“ aus Mangel an Belegen dafür zu bezweifeln wagte. Ein Aufschrei ging durch die Medienwelt, Hersh habe unseriös argumentiert und seinen Ruf beschädigt. Siehe zum Beispiel den Beitrag des DLF hierzu.

Der absurde „faktenfinder“ der Tagesschau hat nun auch darüber in „Faktenschlacht um Chan Scheichun“ geschrieben und sich natürlich gegen Hersh in Stellung gebracht. Dieser „faktenfinder“, dessen impliziter Anspruch die Wahrheit gepachtet zu haben, obwohl er selbst sie selektiv aussucht, ist mir schon ein paarmal negativ aufgefallen, schon der Ansatz ist meines Erachtens naiv und undurchführbar.

Deshalb gefällt mir die Analyse  von Jens Berger in dem folgenden Artikel recht gut:

Quelle: „Faktenschlacht“ gegen Hersh – spielen wir doch mal Gericht

Zitat daraus:

Vorfälle wie der vermeintliche Giftgasangriff von Chan Scheichun entziehen sich nun einmal einer faktischen Bewertung. Ein Fakt ist ein nachweisbarer, wahrer oder anerkannter Sachverhalt. Solche Sachverhalte gibt es hier jedoch bei sorgfältiger Prüfung nicht. Wie soll man eine „Faktenschlacht“ ausfechten, wenn es gar keine erkennbaren Fakten gibt? Da sind dann auch die Faktenfinder überfordert. Und wieder einmal stellt sich die Frage, warum der NDR überhaupt ein derartiges Format bedient?

Update 30.06.2017: Ebenso guter Artikel in MEEDIA: http://meedia.de/2017/06/29/kritiker-im-nebel-die-debatte-um-den-syrien-text-von-seymour-hersh-in-der-wams/