Archiv für den Monat: Februar 2017

Religiöse Gefühle

Ein nicht sehr frommer Klaus Ungerer (wikipedia) hat in freitag.de einen Artikel (eine Polemik?) zum Thema Religion in unserer Zeit geschrieben:

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/es-riecht-nach-mensch

Auch wenn der Artikel keine Provokation auslässt, gefällt er mir, da ich die unselige historische und leider auch gegenwärtige Allianz von Religion und Macht ebenso kritisiere, wie zum Beispiel in meinem Post „Gläserne Wände“.

Schön die Passage mit einem Zitat:

Im Nachgang des Charlie-Hebdo-Massakers sprach Oliver Maria Schmitt, ehemaliger Chefredakteur der Titanic, aus, was die Grundlage einer aufgeklärten Gesellschaft zu sein hätte: „Im Zusammenhang mit religionskritischer Satire hört man immer wieder den unsinnigen Vorwurf: ‚Aber damit verletzt ihr doch die religiösen Gefühle anderer.‘ Ich frage mich: Was soll denn das sein, ein ‚religiöses Gefühl‘? (…) Ist das Gefühl eines aufgeklärten Geistes weniger wert als das Gefühl eines religiösen Einfaltspinsels? Es ist aufklärerische Menschenpflicht, jede Religion immer und überall zu kritisieren.“

Eine Renaissance der Religionen sehe ich in unserem Weltgeschehen: Es gibt einen gewissen Islamismus als religiös unterfütterte Gegenbewegung zum westlichen Werten und deren hegemonialer Dominanz, und in der anderen Waagschale die „abendländische christliche Leitkultur“ die diese angeblich christlichen Werte gegen den Ansturm von islamischen Flüchtlingen verteidigen will. In beiden Ausprägungen wird mal wieder die Religion missbraucht um weltliche Machtinteressen mit höheren Weihen zu versehen.

Eine vermeidbare Tragödie

Jürgen Todenhöfer als neuer Herausgeber des „Freitag“ hat einen bemerkenswerten und lesenswerten Artikel zum Bürger- und Stellvertreterkrieg in Syrien geschrieben, den ich hiermit empfehlen möchte:

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/eine-vermeidbare-tragoedie/

Er schreibt darin:

Die USA haben sich bei diesem Versuch, zusammen mit den Saudis das Assad-Regime durch Rebellen zu stürzen und dadurch Iran zu schwächen, total verzockt. Zocken will gelernt sein.

Da kann ich mir doch nicht verkneifen, meinen Post zu zitieren, in dem ich ganz ähnlich von „verseppelt“ gesprochen habe: Divide et Impera

München unterwirft sich Microsoft

LiMux LogoSchon länger pfeiften es die Spatzen (und ich) von den Dächern: Münchens OB Reiter wird das Linux-Vorzeigeprojekt LiMux aus der Münchner Stadt-IT werfen und Microsoft wieder geben, was es einst verloren hat. Durch den Politikwechsel auf Rot-Schwarz und den Umzug der Microsoft-Zentrale von der Randgemeinde Unterschleißheim nach München waren die Weichen gestellt. Jetzt ist es offiziell.

Dabei wurden gegen Linux und LibreOffice keine wirklich fundierten Sachgründe angegeben, man versteckt sich hinter vagen Aussagen und Studien, die Firmen anfertigen, die Microsoft nahe stehen.

Der Wechsel ist von hoher Symbolkraft und daher für Microsoft Gold Wert, für München aber ein Armutszeugnis und der Beginn in eine lange Zeit der erneuten Abhängigkeit von Microsoft, und ausländischen Ressourcen. Die Lizenzkosten sowie der erneute Umstieg werden hohe Kosten für den Münchner Steuerzahler generieren

Ein weiterer, nie genannter Aspekt ist der Umzug-Zielort: Statt wie vorher verkehrsgünstig am Ring der A92, ist die Zentrale jetzt am Ende der A9, der Nürnberger Autobahn auf dem ehemaligen Langenscheidt-Gelände. Staus sind hier auch ohne Microsoft vorprogrammiert, welchen Sinn so etwas verkehrspolitisch und Stadtentwicklungs-technisch macht, erschließt sich mir nicht.

Quelle: München unterwirft sich Microsoft – Laptop und Lederhose passen doch nicht zusammen | NachDenkSeiten – Die kritische Website

Update 13.04.2017: Guter Artikel hierzu im Tagespiegel:
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/it-in-der-oeffentlichen-verwaltung-europas-fatale-abhaengigkeit-von-microsoft/19628246.html