Archiv für den Monat: April 2016

Rebecca Harms wider die Volksabstimmungen

Die grünen Europaabgeordnete Rebecca Harms hat sich ja im Ukraine-Konflikt schon mehrmals hervorgetan. Als jetzt die Niederländer gegen die Ratifizierung des Assoziierungsabkommens der Ukraine stimmten, forderte sie sogleich das Ende plebiszitärer Abstimmungen für die EU. Der folgende Kommentar diskutiert dies sehr gut.

Ich zitiere ihn hier, weil mir die Diskreditierung des Votums der Niederländer unangenehm aufgestoßen ist: Nach den meisten Nachrichten und Kommentaren (Beispiel) haben „die Niederländer die Sachfrage nicht richtig verstanden, gar nicht darüber abgestimmt, sondern über die EU gesamt, waren lauter Rechte um Wilders herum, haben nur einen Denkzettel erteilen wollen“. Der absolute Anteil der Stimmen an der Gesamtbevölkerung, nicht der Anteil an den abgegeben Stimmen, wird auch immer nur von denen herangezogen, denen das Ergebnis nicht passt. Für mich ist diese Bewertung eines legal zustande gekommenen, klaren Abstimmungsergebnisses immer zutiefst undemokratisch.

Kommentar im Humanistischen Pressedienst: Volksabstimmungen – das Ende der EU?

Update 19.04.2016: Auch Lutz Herden nimmt sich auf freitag.de des Themas an:
Taube Ohren, tote Augen

PostgreSQL character varying maximum length

Gerade habe ich in einem Projekt eine legacy Datenbank nach Postgres importiert, und bin dabei sie zu analysieren und umzubauen. Dabei sind die Längenangaben bei Feldern vom Typ character varying immer interessant. Hierbei kann man eine Maximallänge des Feldes in Zeichen angeben. Bei vorgegebenen Daten ist die Ausnutzung dieser Länge interessant, also die Frage, wie lang ist die maximal abgespeicherte Zeichenlänge in jedem Feld.

Eine Idee ist dies mit einer PL/pgSQL-Function zu berechnen, nach etwas Tüfteln habe ich sie hingebracht:

CREATE OR REPLACE FUNCTION public.character_varying_length()
  RETURNS TABLE(table_name varchar, column_name varchar, character_maximum_length integer, actual_maximum_length integer) AS $func$
DECLARE
   tbl information_schema.columns.table_name%TYPE;
   col information_schema.columns.column_name%TYPE;
   width information_schema.columns.character_maximum_length%TYPE;
BEGIN
   FOR tbl, col, width IN
      SELECT c.table_name, c.column_name, c.character_maximum_length
      FROM   information_schema.columns c
      WHERE  c.table_schema = 'public' and c.data_type = 'character varying'
      order by c.table_name, c.ordinal_position
   LOOP
      RETURN QUERY EXECUTE format('SELECT %L::varchar, %L::varchar, %s::integer, max(length(%I)) from %I', tbl, col, width, col, tbl);
   END LOOP;
END
$func$  LANGUAGE plpgsql;

Aufgerufen wird dies mit

select * from character_varying_length()

und liefert dann 4 Spalten für alle character varying felder im Schema public:

Screenshot Abfrage

Ergebnis der Abfrage der Funktion

Diese Funktion funktioniert in jeder Postgres-Datenbank, einfach deklarieren und aufrufen wie oben.

NSU: Rätsel über Rätsel

In meinem Post Morgendliche NSU-Gehirnwäsche habe ich geschildert, wie rätselhaft sich der Fall der NSU-Morde darstellt und wie wenig Aufklärung hier zu erwarten ist. Die Angeklagte Beate Zschäpe bedient sich dieser Umstände in Ihrer Verteidigungsstrategie, indem sie sich als relativ unbeteiligt darstellt und darauf baut, dass keiner Beweise offen legen kann oder will, dass es nicht so ist. Schon die spektakuläre 180°-Wende in ihrer Strategie ist eines der Rätsel des Falles. Nach meiner Erwartung wird sie damit Erfolg haben, der Aufklärungswille der Behörden war und ist nicht überwältigend. Die Empörung in den Medien darüber wird sich dann auf sie konzentrieren und nicht auf die verantwortlichen Behörden.

Zwei aktuelle Artikel beleuchten manche der Rätsel des Falles, endgültige Antworten können sie naturgemäß auch nicht geben.

Der Mord in Kassel 2006 – „betreutes Morden“? Zum zehnjährigen Gedenken an Halit Yozgat

Plötzliche Todesfälle

Update 19.04.2016: Ergänzend:
freitag.de: V-Leute als Brandstifter

Update 25.04.2016: Die Postillon-Variante dazu:
http://www.der-postillon.com/2016/04/nsu-zeuge-nazi-trio-steckte-mit.html

Link

Die andere Hälfte der Wahrheit

Ein lesenswerter Gastbeitrag von Bernd Stegemann in Zeit Online zur deutschen Flüchtlingspolitik, die er mit der Dramaturgie von Brechts Schauspiel „Der gute Mensch von Sezuan“ vergleicht. Eine gute Analyse, die nicht nur die bekannten Klischees aufzählt.

Verbergung statt Enthüllung

Thema Panama-Papers: Als ich am Sonntag Abend die Nachricht hörte hatte ich das Gefühl, das die Veröffentlichung der Briefkastenfirmen-Unterlagen etwas wirklich Wichtiges ist. Inzwischen bin ich sehr ernüchtert. Das ICIJ, also das „Internationale Konsortium investigativer Journalisten“ veröffentlicht die Daten nicht wirklich, sondern sucht sich aus, was veröffentlicht wird und was nicht. Das schreit nach Zensur und Meinungsmache. Wie kann ich ohne die Rohdaten wissen, ob die wesentlichen Nutzer der Briefkastenfirmen genannt werden oder nur Interessen durch selektive Veröffentlichung verfolgt werden? Gar nicht!

Wenn man es mit so einer Veröffentlichung wirklich ernst meint muss man die Rohdaten auf Wikileaks oder einer anderen geeigneten Plattform der Weltöffentlichkeit uneingeschränkt zur Verfügung stellen, alles andere hat keinen Wert. Journalismus darf so etwas nicht zensieren, er muss informieren und Sekundär-Recherche zulassen.

Und so kommt es auch, dass in manchen Medien, zum Beispiel Spiegel Online, Putin in Wort und Bild genannt wird, obwohl sein Name gar nicht vorkommt, sondern nur „Vertraute“ von ihm. Seltsamerweise sind aus Deutschland und USA gar keine Namen dabei, sind diese Länder so sauber oder liegt es daran, dass die federführende Süddeutsche Zeitung Personen schützt?

Jens Berger hat diesen Mangel auf den Nachdenkseiten sehr schön dargelegt:

Panama Papers – nicht Jahrhundertscoop, sondern Jahrhundertflop

Deutsch? Nice!

Jan Böhmermann und das ZDF neo magazin Royale haben mal wieder ein politisches Statement in ein virales Video verpackt. Oder umgekehrt? Egal, gut gemacht und in jedem Fall nützlich.

Die Welt dreht durch! Europa fühlt sich so schwach, dass es sich von 0,3% Flüchtlingen bedroht sieht, Amerika ist drauf und dran einen Mann zu wählen, bei dem niemand so genau weiß, wer unter dem Toupet die Fäden zieht und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, muss man sich nun auch noch ausgerechnet von Deutschland darüber belehren lassen, wie man sich moralisch richtig verhält. Ausgerechnet Deutschland! Die haben noch nicht mal einen Weltkrieg gewonnen!

The world is going completely nuts! Europe feels threatened by 0.3% refugees, the USA are about to elect a man, of who no one really knows who is pulling the strings under the toupee and just as if that was not bad enough, Germany of all nations has to disabuse the world of how to behave morally right. I mean GERMANY! They did not even win one single world war in history!

Italien und die Fünf-Sterne-Bewegung

Der treue Leser dieses Blogs weiß, dass ich im Zuge der Eurokrise auch die italienische Politik beobachte und die Ära nach Berlusconi sehr interessant finde. Nicht der Premier Renzi steht im Mittelpunkt, sondern die 5 Sterne Bewegung, gegründet und wohl auch gut kontrolliert von Beppe Grillo, die 2013 einen ähnlich großen Erfolg erzielte, wie neulich die AfD in den Landtagswahlen.  Das war es aber dann schon mit Gemeinsamkeiten, denn fremdenfeindlich und nationalistisch ist die Bewegung nicht.

Ein Dossier des DLF gibt ein detailliertes Stimmungsbild:

http://www.deutschlandfunk.de/italien-und-die-fuenf-sterne-bewegung-rebellion-fuer-recht.1170.de.html?dram:article_id=340012

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