Archiv für den Monat: März 2016

Die Invasion der Barbaren

Diese Woche habe wir einen bemerkenswerten Film gesehen: „Die Invasion der Barbaren“ von Denys Arcand, einem franko-kanadischen Regisseur. Der Film hatte vieles was ich schätze: er war emotional sehr bewegend, intellektuell fordernd mit mit anspruchsvollen Dialogen, über die man Nachdenken kann, und frech und provokant mit kritischen Szenen zur Rolle von Staat, Gewerkschaft und Kirche auch wenn ich nicht jede Aussage teilen würde. Meine Empfehlung!

http://www.imdb.com/title/tt0338135/http://www.rottentomatoes.com/m/barbarian_invasions/

Den Film hatte ich ohne Vorwissen und Erwartungen von der Konserve ausgesucht und war in vielerlei Hinsicht überrascht: Von der Qualität und wie er mir gefiel, auch dass ich ihn gar nicht kannte, obwohl von 2003 und mit Oscar und vielen andere Auszeichnungen auch kein Geheimtipp. Auch: er war ein spätes Sequel von „Der Untergang des amerikanischen Imperiums“ von 1986, den ich ebenfalls verpasst habe und jetzt unbedingt mal sehen muss. Ist aber wegen des Alters und Inhalts (sehr offene Gespräche über Sex) wohl gar nicht einfach, der Regisseur ist wohl weder bei den öffentlich rechtlichen (zu respektlos), noch den privaten Sendern (zu intellektuell) beliebt. Auch DVD, Streaming etc. ist nicht so leicht zu bekommen. Als weiterer Film von Arcand  passt auch der „Jesus von Montreal“ in diese Reihe, prämiert und bekannt, aber noch nie von mir beachtet. Schade!

Neulich haben wir im ZDF Montagskino die Krimi-Action „Contraband“ gesehen, das krasse Gegenteil zu den Filmen von Arcand: Obwohl aufwendig und mit guten Schauspielern handwerklich ordentlich produziert, ist er langweilig, da sehr schematisch dem Genre folgend und kein Klischee auslassend. Mit dem Gehirn eines Regenwurms zu verstehen und wohl auch für schlichte Gemüter gemacht. Größer könnte der Unterschied nicht sein.

Update 05.04.2016: Heute Di, 5. Apr · 20:15-21:50 · ZDFkultur wird „Die Invasion der Barbaren gesendet.

Murmeltier Zeitumstellung

Fast jeder liebt den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (Originaltitel: Groundhog Day),  in dem Bill Murray nur ganz schwer aus einer zunächst spaßigen aber dann fatalen Zeitschleife entkommt. Ich habe diesen Film oft gesehen, er macht immer wieder Spaß.

Genauso kommt es mit zu jeder Umstellung von Winter- auf Sommerzeit vor, wie wir sie heute wieder erleben können: Alle Interviews und Statements waren schon mal da, das Fazit ist immer das gleiche: Dass die Umstellung keinen Sinn macht kann jeder gut belegen und erklären, warum sie trotzdem nicht abgeschafft wird, weiß keiner der Experten so richtig. Wirtschaftliche Zusammenhänge mit Freizeitindustrie und Gastronomie erkennen die Kundigen zwar, halten sie stets aber nicht für wesentlich. Humbug!

Auch mein Statement dazu vom Herbst gilt immer noch genauso: ich bin gegen die Umstellung und habe das in http://hotchpotch-blog.de/2015/10/24/zeitumstellung/ begründet, alles gilt immer noch.

Ich bin gespannt, ob ich, wie Bill Murray, aus dieser Zeitschleife doch noch mal entkomme.

Eskalation nach Anschlag in Brüssel

Nach jedem großen Anschlag ist es das gleiche Spiel: Die Innenminister, Scharfmacher und Falken unserer Länder erklären den „Krieg gegen den Terror“ und damit Datenschutz, Bürgerrechte und individuelle Freiheit für zweitrangig. So sagte neulich unser Innenminister De Maizière: „Datenschutz ist schön, aber in Krisenzeiten hat Sicherheit Vorrang“. Unglaublich für jemand, der die Aufregung um die Volkszählung von 1987 erlebt hat.

Eigentlich haben die Terroristen damit schon unmittelbar etwas erreicht, was uns alle trifft, nicht nur die bedauerlichen direkten Opfer der Anschläge: Das was unsere Gesellschaft ausmacht und uns von einem Willkürstaat oder einer totalitären Diktatur unterscheidet wird ausgehöhlt und eingeschränkt. Effektiver kann man unser Leben nicht beeinflussen. Den Mächtigen ist es trotzdem recht, da es ihre Position in Zeiten von Big Data und Rundum-Überwachung erheblich stärkt.

Heute morgen im DLF sagte der CDU Bundestagsabgeordnete Armin Schuster:

Richtlinien gebe es zur Genüge, sagte Schuster im Deutschlandfunk. Weil diese aber nicht richtig umgesetzt würden, gebe es in Europa so viele Terroropfer. Der CDU-Politiker erklärte weiter, den Nachrichtendiensten in Deutschland würden zu viele Fesseln angelegt. Seit zwei Jahren werde über deren Befugnisse diskutiert. Er appelliere deshalb, die Dienste arbeiten zu lassen und ihnen auch die Möglichkeit zum Datenaustausch zu geben. Strengere Sicherheitsgesetze schränkten die Rechte der Bürger nicht ein. Im Gegenteil, betonte Schuster. Sie erhöhten die Freiheit der Deutschen, weil damit Druck auf Terroristen ausgeübt werde.

Strengere Sicherheitsgesetze erhöhen unsere Freiheit! [sic] Das Wasser ist gar nicht nass, wenn man es nur oft genug wiederholt, glaubt es vielleicht einer. Der Druck auf die Terroristen drückt uns auch und führt, wenn stets erhöht, zu Kafka und Orwell.

Jakob Augstein hat in einem Artikel auf Freitag.de diese Eskalation als Reaktion beklagt:

https://www.freitag.de/autoren/jaugstein/fatale-eskalation

Polizei demonstriert mit

Ein Skandal ist die politische Stellungnahme von Thüringer Polizisten in einem Polizeifahrzeug in Jena: Zwei Beamte habe das AfD-nahen Magazins „Compact“ mit einem Titelbild von Frauke Petry in die Frontscheibe gestellt. Mit einem Twitter-Post wurde das Publik:


Der MDR hat dies jetzt berichtet.

Die Meldung nennt die Konsequenzen:

Wie MDR INFO von der Landespolizeidirektion erfuhr, wurden die Beamten mit sofortiger Wirkung in eine andere Dienststelle versetzt. Zudem werde geprüft, ob sie gegen ihre beamtenrechtlichen Pflichten verstoßen hätten.

Ein Versetzung an eine andere Dienststelle und eine „Prüfung“. Da werden sich andere Beamte, die damit sympathisieren, aber sehr fürchten.

Für mich ein Vergehen erster Güte: Wie soll ich mich von einer Polizei beschützt fühlen und Ihr das Gewaltmonopol zugestehen, wenn sie schon im Einsatzfahrzeug sich eindeutig einer Seite zuschlägt? Was denkt sich ein eher linker Teilnehmer einer Gegendemonstration, wenn er dies in einem Fahrzeug sieht? Für mich ist das eine Dienstvergehen erster Güte, das schon nach mehr als einer „Prüfung“ verlangt.

Mir macht sowas Angst und, noch schlimmer, ich denke, das soll es auch.

Jingjinji

Wer bei China immer noch zuerst an Reisbauern und Wanderarbeiter denkt, möge sich diesen Beitrag des Weltspiegels anhören. Es geht um Jingjinji, die geplante gigantische Stadtregion rund um Peking, die mit einer Neustrukturierung des Areals die Probleme von Chinas Hauptstadt lösen oder zu mindestens mildern soll.

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/china-megastadt-100.html und in der Mediathek

Auch wenn ich mir Verhältnisse wie diese weder vorstellen kann noch wünschen würde, bin ich immer überrascht, mit welcher Power und welchem Pioniergeist und durchaus auch mit High-Tech China Probleme angeht. Ein bisschen mehr von diesem visionären Geist wäre auch für Europa gut, hier geht man doch eher zum Arzt, wenn man Visionen hat.

Stichwort Wanderarbeiter: Wer bei China nur an billige Löhne denkt liegt auch falsch, Chinas Unternehmen lagern vermehrt z. B. nach Kambodscha aus, weil China zu teuer ist.

HG. Butzko’s Rückblick auf den Februar

Jeden Freitag Nachmittag 14:00  versuche ich die Radiospitzen zu hören, eine Stunde Kabarett mit wechselnden Protagonisten. Oft wird auch ein sogenannter Monats-Rückblick gestaltet, diesmal zum ersten Mal von HG. Butzko, dem Träger des deutschen Kleinkunstpreises von 2014. In diesem macht er sich sehr ausgefeilt und pointiert Gedanken zu Flüchtlingen, Zäunen, Facebook und mehr. Die Zeit zum Anhören lohnt sich.

Radiospitzen vom 26.02.2016

Hier noch eine Vorstellung des Künstlers HG. Butzko.