Archiv für den Monat: September 2015

Keine Treuepunkte

Wie hasse ich die Frage an der Kasse, ob ich denn Treuepunkte oder Paybackpunkte haben möchte, eine Kundenkarte habe oder bei anderen unsinnigen Rabattaktionen mitmachen möchte. Früher habe ich bei der Frage nach Treuepunkten geantwortet, nein, ich sei nicht treu, das gibt den Kassiererinnen zwar zu denken, hilft aber nicht wirklich. Auch die Herausgabe der Postleitzahl verweigere ich konsequent, sollen sie doch ihre Marktanalysen ohne mich machen.

Der Postillon hat dazu wunderbar formuliert, dem kann ich nichts hinzufügen:

http://www.der-postillon.com/2015/09/mann-lasst-sich-nein-ich-sammle-keine.html

Zwang zum „intelligenten“ Stromzähler

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hält an seinen umstrittenen Plänen fest, möglichst flächendeckend intelligente Stromzähler unters Volk zu bringen. Der Referentenentwurf sieht so aus, dass praktisch jeder dazu gezwungen werden kann.

So steht es im Artikel http://www.heise.de/newsticker/meldung/Intelligente-Stromzaehler-Kritik-an-Zwangsdigitalisierung-durch-die-Kellertuer-2823818.html.

Intelligenter Stromzähler

Intelligenter Stromzähler (Quelle Wikipedia)

Diese sogenannten „intelligenten“ Stromzähler, die hier zwangsweise die alten „dummen“ ersetzen sollen, sind nichts anderes als Spione im eigenen Haus. Sie Überwachen die Verbrauchsgewohnheiten und melden sie „nach Hause“ zum Stromversorger. Dieser kann diese Daten auswerten, auch verkaufen, und vor allem seine Tarife so anpassen, das sich zwar nominell Einsparungsmöglichkeiten ergeben, aber sich bei den realen Verbrauchsgewohnheiten eine Verteuerung ergibt. Eine Einsparung oder gar ein Umwelteffekt ergibt sich nicht, denn kaum einer wird seine Lebensgewohnheiten nur wegen eines neuen Stromzählers ändern. Schön bringt das auch der Forenkommentar von blabla0815 auf den Punkt.

Wer das gerne haben will, soll es sich besorgen, aber diese zwangsweise Umstellung, die der Endkunde dann natürlich auch noch bezahlen soll, wie sie hier geplant ist, schreit zum Himmel. Der Datenschutz gilt auch für meine Verbrauchsgewohnheiten. Das ist Big Brother im Haushalt per staatlicher Anordnung.

Auch die Verbraucherzentralen kritisieren dies heftig:

„Wieder einmal sollen Verbraucher die Zahlmeister der Energiewende sein. Hightech in den Kellern bringt den Verbrauchern kaum Mehrwert, dafür aber dauerhafte Kosten “, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv.

Meine Meinung: Dreiste Abzocke unter dem Deckmantel der Schonung der Umwelt!

„Durst“ – Warten auf Merlot

In den Radiospitzen des BR war am Freitag das sehr schöne Soloprogramm von Philipp Weber „Durst“ – Warten auf Merlot zu hören.

Philipp Weber ist nicht nur ein erfolgreicher und vielfach dekorierter Kabarettist, er ist auch studierter Chemiker und kritischer Konsument. Ausgestattet mit dieser Dreifach-Begabung hat er den Verbraucherschutz zur humoristischen Kunstform erhoben. Aufnahme vom 1. September 2015 in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

Da ich das Programm, dessen Themen und Webers Art sehr genossen habe, hier die Gelegenheit es vom Podcast in zwei Teilen nachzuhören:

Teil 1

Teil 2

Wahlen in Griechenland

Gestern wurde in Griechenland gewählt, dass Alexis Tsipras so stark bestätigt wieder die gleiche Koalition bilden kann, hat dabei zumindest die Demoskopen überrascht. Mich hat es gefreut, dass die Vertreter der gescheiterten politischen Kaste, die ND und Pasok, nicht wieder erstarken und als langer Arm der EU zur Verfügung stehen konnten. Die Pasok ist in einem Zustand wie die FDP in Deutschland, die ND verharrt auf ihrem harten Kern von Stammwählern.

Interessant aus meiner Sicht die mediale Aufbereitung in Deutschland: Sind bei deutschen Wahlen Zahlen und Charts von allen Quellen verfügbar, so muss man sie hier mühsam aus den Meldungen, Kommentaren und Interpretationen herauspicken. Eine Trennung von Meldung und Kommentar findet ohnehin nur noch selten statt. Charts gibt es fast nicht, spiegel.de hat als einzige Online-Redaktion gute, die Tagesschau verweist dazu auf Griechenlands Innenministerium. So ist es schwer, sich eine eigene Meinung zu bilden, weil man die Informationen aus vielen anderen Meinungen herauspicken muss.

Sehr blumig die vielen Interpretationen: „Keine Begeisterung“, „keine Spielräume“, „kein wirklicher Sieg“, „auch für die EU die beste Wahl“, … Was da alles zu hören war lies mich oft schmunzeln. Das ist schon fast eine Kunstform, was die Korrespondenten und Experten da liefern.

Da ist es wohltuend, in der Zeit einen relativ guten und umfassenden Kommentar zu finden:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-09/alexis-tsipras-griechenland-syriza-wahl/komplettansicht

Gläserne Wände

Trennung von Kirche und Staat ist etwas, was in Deutschland hoch gehängt und in der Praxis stets planvoll unterlaufen wird. Will man konfessionsfrei leben, so sind dem viele oft nur kleine, aber doch gewollte Hindernisse in den Weg gestellt.

Solche Hindernisse habe ich viele selbst erlebt, auch im Alltag hier in Altdorf. Beispiel Schule: Das Recht auf Konfessionslosigkeit wird hier an der Grundschule zwar formal gewährt, aber in der Anschauung der Verantwortlichen nicht hoch bewertet. Das spürt man bereits bei der Anmeldung, wo einem, trotz vorher bekannter Konfessionslosigkeit des Kindes, zu den vielen anderen Formularen auch ein Formular zur Anmeldung am katholischen Religionsunterricht mit untergeschoben wird. Auf Nachfrage warum denn, heißt es dann, „das wollen viele Eltern so“, und das Formular verschwindet sehr schnell. Ebenso bei der Handhabung des Morgengebetes, bei der (Nicht-)Ausgestaltung des Ethikunterrichtes, bei Abschlussgottesdienst und so fort. Dass sich ein Kind als Aussenseiter fühlt, ist manchen sicherlich nicht unwillkommen, Schuld sind dann eben die Eltern, die dem Kind das antun.

Der gute Ansatz von Brandenburg mit „Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde“ (LER)  wird von kirchlichen und konservativen Kreisen heftig bekämpft. Bezeichnend für die Situation in Deutschland ist, dass das Bundesverfassungsgericht in Klagen anstelle einer Entscheidung nur einen Vergleichsvorschlag unterbreitet hat. Dieser hat den Ansatz bereits sehr verwässert.

Auch so ein Thema zu Brandenburg: Schon 2003 hat Brandenburg mit der Katholische Kirche ein umstrittenes Konkordat abgeschlossen, das nur 4 Jahre nach der Wiedervereinigung dem Vatikan „unkündbar“ viele Rechte einräumte, obwohl nur gut 3% Katholiken in dem Bundesland verzeichnet sind. Siehe hierzu zum Beispiel https://www.ibka.org/artikel/ag03/brandenburg.html.

Solche Beispiele kann man viele finden. Der Humanistische Bund (http://www.humanismus.de/) hat eben unter dem Titel „Gläserne Wände“ eine Broschüre zur Benachteiligung von konfessionslosen Menschen herausgegeben, die es zum Download bei http://www.glaeserne-waende.de/ gibt. Sie stellt eine gute Sammlung dar. Felix Werdermann auf freitag.de hat sich des Themas angenommen, was der Anlass zu diesem Post war: https://www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/das-kreuz-mit-der-kirche-und-den-atheisten

Hier noch ein paar weiterführende Links:

2015 in Bayern wirklich Rekordsommer

Mal wieder ein Hinweis auf ein Wetterthema, die Tagesschau-Meteorologen befassen sich mit dem heißen Sommer 2015:

http://wetter.tagesschau.de/wetterthema/2015/09/18/noch-ein-paar-worte-zum-sommer-2015.html

Zusammenfassung: 2015 war gut, 2003 aber noch besser. Lokal in Bayern war aber 2015 nicht nur gefühlt besser, sondern auch nach Zahlen.

Auch noch ein ein kleiner Rekord im Thema: In der Nacht vom 16.9. auf den 17.9. hatten wir am Flughafen München um Mitternacht noch 21°, am 17.09. wurden Mittags die 30° erreicht, aber eben nur hier im seligen Bayern.

Everything a Java Developer Should Know about the JavaScript Landscape

Als altgedienter Java-Programmierer ist mir die schnelle Evolution im Bereich HTML5, CSS3, Single Page Anwendung und Javascript oft suspekt. Was heute noch angesagt ist, ist morgen schon old school. Mit Entwicklung in Apache Wicket, mit dem ich gerne arbeite, bin ich ja auch ein Vertreter des alten serverzentrierten Ansatzes. Trotzdem bleibe ich am Ball und schaue mir die neuen Tendenzen und Hypes an.

Geertjan Wielenga hat auf der JAX London eine gute Präsentation zum Thema gehalten. Auch wenn ich nicht alle seine Tipps sofort akzeptiere (bei Tipp 8 und 9 kriege ich Gänsehaut) oder für richtig halte, sind seine Überlegungen und Empfehlungen sehr wertvoll.

Deutschland führt bei Ungleichheit

Die Ungleichheit in der Vermögensverteilung steigt in Deutschland seit langem stärker als im europäischen Vergleich. Wie das in Relation zu Griechenland, Spanien und Frankreich bedeutet, zeigt ein Diskussionspapier des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sehr schön: Deutschland schlägt sie leider alle.

Das Ergebnis sollte man mal gesehen haben, deswegen hat Jens Berger von den Nachdenkseiten daraus veranschaulichende schöne Graphiken gemacht. Hier nur ein Beispiel von vier, sowie eine andere optische Darstellung der Zahlen:

Beispielgrafik

Quelle: Nachdenkseiten

Alternative Graphik

Quelle nachdenkseiten.de