Archiv für den Monat: Juli 2015

Sandra Bland Was Murdered

So titelt das Magazin Rolling Stone zum Fall der amerikanischen Farbigen Sandra Bland, die unter ungeklärten Umständen in einem Hochsicherheitsgefängnis in Texas starb, nach dem sie wegen falschen Blinkens als Autolenker festgenommen wurde. Die Behörden sprechen von Selbstmord, doch die Umstände und die Faktenlage, so dünn sie auch ist, lassen stark daran zweifeln.

Das Magazin stellt fest, egal ob es tatsächlicher Mord war oder nur die Bedingungen der überzogenen Haft zum Selbstmord führten, eine Mitschuld der Behörden und einen rassistischen Hintergrund gibt es in jedem der beiden Fälle.

Ein sehr ausführlicher Artikel in freitag.de stellt die Vorgänge dar, nennt jede Menge Details und verlinkt auch auf Quellen in Audio und Video. Wieder mal ein gutes Beispiel dafür, wie das Internet besser Informieren kann, als die Nachrichten in den anderen Medien. Bemerkenswert ist zusätzlich, dass es sich um einem Community-Beitrag handelt, also ein Leser und nicht ein Redakteur von freitag.de diese Qualität liefert, und dass freitag.de auch dafür ein Platz ist. ¡chapó!

https://www.freitag.de/autoren/maennlicherlinker/sandra-bland-exitus-im-texas-jailhouse

Meine Meinung: Egal, welche politische Position man einnimmt, ohne eigenständiges Recherchieren im Netz ist man nicht richtig informiert. Nur hier kann man Quellen auch ungefiltert wahr nehmen und bewerten. Natürlich muss man auch im Netz mehrere Artikel und Seiten konsultieren, bewerten und selbst einen Mittelwert bilden, um der Wahrheit nahe zu kommen. Dies wird immer subjektiv sein, aber das ist kein wirkliches Problem.

Meine Meinung zum Fall: Die wirklichen Umstände werden wir auch dabei nicht ausreichend erfahren, die Selbstmordfrage wird nicht anders als jetzt geklärt werden. Das hier jedoch nicht nur falsches Blinken die Motivation der Polizisten war, ist nicht zu übersehen, gerade bei der Vorgeschichte der Frau. Die Umstände ihrer Festnahme und ihr Tod sind in jedem Fall ein Skandal, und es ist gut, dass dies in Amerika heftig diskutiert wird.

SBF Binnen Ausbildung

Mit dem GPS-Datenlogger Gt-730 habe ich mir gerade ein neues Männerspielzeug zugelegt.

Canmore GT 730 FL

Canmore GT 730 FL

Anlass war eine starke Verbilligung des an sich guten Gerätes, vermutlich weil der Softwarehersteller nicht mehr existiert. Aber für 27 EUR kann man eigentlich nichts falsch machen. Und mit Open Source Werkzeugen wie GPSBabel geht das Auslesen auch prima.

Das Gerät hat die Form eines USB Sticks und zeichnet Wegpunkte per GPS auf, angeblich hält der Akku bis zu 18 Stunden. Zum Wandern, Segeln, Radfahren ideal. Ein erster Test fiel gut aus: Gestern hat Beate ihn bei der Ausbildung der Chiemsee-Segelschule Seebruck dabei gehabt, hier eine Aufzeichnung des Vormittagstracks:

SBF Binnen Üben 21.07.2015

SBF Binnen Üben 21.07.2015

https://www.google.com/maps/d/edit?mid=zqvHS9kzPnrc.kRmsfiQwmItk&usp=sharing

Wie man sieht, wurde fleißig Motorboot und Segelmanöver geübt. Die Aufzeichnung durch den Stick funktioniert prima.

Bayrisches Jazzweekend

Gestern war ich mit Familie und einem jazzkundigen Freund in Regensburg zum bayerischen Jazzweekend, einer tollen Veranstaltung, die ich so das erste mal kennengelernt habe. Wie beim Bardentreffen in Nürnberg ist eine großartige Stadt Kulisse für Bühnen, die an Plätzen für die großen Auftritte und in schönen Hinterhöfen für die kleineren individuellen Acts über sie verteilt sind. Nur eben unter der musikalischen Klammer Jazz. Zu hören ist viel Mainstream, also auch für nicht Jazzfans attraktive Sachen, teils mit Groove, aber auch experimentelleres.

Organ Explosion

Organ Explosion

Wir haben als Höhepunkt die Organ Explosion empfunden, toller Sound auf Hammondorgel und Wurlitzer E-Piano, ich habe sogar eine CD gekauft mit Autogrammen der sympatischen Musiker.

http://bayerisches-jazzweekend.de/2015/

Eine Veranstaltung, die ich für die nächsten Jahre schon wieder auf dem Radar habe!

Schulranzen: Teuer, häßlich, mit Verfallsdatum

Gerade bin ich durch einen Artikel im Spiegel, über ein Architektenehepaar, das erfolgreich eigene Schulranzen fabriziert, an eines meiner Lieblings-Grantler-Themen erinnert worden: Die Schulranzenmode.

Der Preis

Schon bei meinen beiden Jungs habe ich es erlebt: Die Einschulung ist ein feierlicher Akt und wird durch den Kauf eines Tornisters für die Schule vorbereitet. Oft sagen die Großeltern die Finanzierung des Kaufes zu, genauso sind auch die „Oma-Preise“: Für ein „Set“ eines der angesagten Hersteller aus Ranzen, Sporttasche, Mäppchen und Geldbeutel zahlt man gerne mal 200 Euro, das sind über 23 Arbeitsstunden auf unseren Mindestlohn bemessen. Brauchen tut man eigentlich nur den Ranzen, alles andere wäre leicht separat zu kaufen oder ist bereits im Haushalt vorhanden. Der Turnbeutel wäre wahrscheinlich aus Jute sogar sinnvoller. Man vergleiche dies mal mit den Preisen für billige Reisetaschen und Rucksäcke aus chinesischer Produktion, von den Materialien her durchaus vergleichbar (ein Beispiel), da fällt nur ein Bruchteil an. Auf einem Touristenmarkt rund um die Welt kann man sowas für einzelne Euro erstehen, wenn auch nicht in Top-Qualität. Vielleicht glaubt man ja, die erfolgreiche Schulkarriere lässt so sich erkaufen, auf jeden Fall ein Musterbeispiel für ein überteuertes Produkt.

Die Gestaltung

Auf den Ranzen für die Mädchen prangen Prinzessinnen, Einhörner, weiße Pferdchen und Blümchen meist auf rosa, auf denen der Jungen Raketen, Rennwagen, Saurier und Fußballspieler meist auf blau. Zu der Frage ob diese alberne Geschlechtertrennung so sein muss, müsste ich einen eigenen Post verfassen, das lasse ich hier mal weg.  Bei lizenzierten Motiven frage ich mich, ob die Lizenzkosten den Materialwert nicht manchmal übersteigen. Die Motive sind so gewählt, dass sie für einen Erstklässler ganz toll sind, aber für ein Kind in der 4. Klasse bereits so kindisch scheinen, dass es seinen Ranzen entweder hassen wird oder nicht mehr benutzen will. Der Folgekauf ist vorgegeben.

Die Haltbarkeit

Ich hatte vor fast 5 Jahrzehnten einen Schulranzen aus Leder im Querformat mit Metall-Schließen. Da ich nicht so der große Wegwerfer bin, liegt er im Keller noch bereit und wäre sofort zu benutzen, hat ein zwar ein paar Kratzer, ist aber noch genauso wie damals, obwohl ich ihn lange, auch noch in der Unterstufe des Gymnasiums, benutzt habe. Die zeitnahen Markenranzen meiner Jungs waren bereits in der dritten Klasse unansehlich bis Schrott: etwas verformter Rahmen, schlecht schließende verknautschte Deckel, verschlissene Klettverschlüsse, verschmutzte Dekore. Ist auch konsequent, wenn sie nicht lange halten, da sie ja eh bald weg müssen, siehe Gestaltung.

Die Lösung

Es gibt wahrscheinlich keine. Vergeblich habe ich kurz versucht, für meine Tochter Hanna meinen Lederschulranzen zu bewerben, das wäre im wahrsten Sinne des Wortes Old-School (aber bei Waldorfschulen angesagt)  und war so weder bei Tochter noch Mutter zu machen. Individualität ist bei den Dekors der Schulranzen wichtig, wird aber bei einem Lederschulranzen seltsamerweise zum Aussenseitertum. Der Kauf der auf das Dekor verzichtenden Kundschafter-Ranzen bei dem Architektenpaar des zitierten Artikels, das diesen Markt sehr geschickt als lukrativ erkannt hat, ist zwar sehr exklusiv und etwas elitär, aber auch nicht wirklich günstiger. Ein mir sympatischer Ansatz wäre es, den lässigen Rucksack, der spätestens ab der 4. Klasse eh benötigt wird in einem geeigneten Design schon ab der ersten Klasse zu benutzen, damit ist man aber natürlich auch schon wieder „anders“.

Unsere Lösung war der Kauf eines günstigen Herlitz-Schulranzens mit relativ unauffälligem Muster im Bürogroßhandel, da war er bezahlbar und der Preis reell, da der Aufschlag für die angesagte Marke und den Einzelhandel genauso wie die Lizenzkosten für das Dekor wegfallen. Unsere Tochter hat nicht darunter gelitten, der Ranzen erfüllt seinen Zweck sehr gut. Ein funktioneller Rucksack wird trotzdem folgen müssen, ist gut für das Wirtschaftswachstum.

Austerity Has Failed: An Open Letter to Angela Merkel

5 namhafte Wirtschaftswissenschaftler, Thomas Piketty, Jeffrey Sachs, Heiner Flassbeck, Dani Rodrik and Simon Wren-Lewis,  schreiben einen offenen Brief an Kanzlerin Merkel, sie möge doch ihre falsche Griechenland-Politik ändern. Sie kritisieren deutlich und warnen: “Ihre Taten in dieser Woche werden in die Geschichtsbücher eingehen.” Deutlicher kann man es nicht sagen.

http://www.tagesspiegel.de/politik/offener-brief-von-oekonomen-an-angela-merkel-jetzt-ist-der-zeitpunkt-die-gescheiterte-sparpolitik-zu-ueberdenken/12021886.html

http://www.thenation.com/article/austerity-has-failed-an-open-letter-from-thomas-piketty-to-angela-merkel/

Georg Schramm zu Atomenergie, Finanzkrise und Grexit

Die Elektrizitätswerke Schönau veranstalten ein Schönauer Stromseminar, in dessen Rahmen der Kabarettist Georg Schramm kurz seinen Rückzug von der Bühne aufgehoben hat, um Michael Sladek und seiner Frau Ursula Sladek für deren Einsatz gegen die Atomenergie zu danken.

Da sagt er in einer ausführlichen Rede, mehr Vortrag als Kabarett, mal wieder Sachen, die eigentlich nicht nur dort in diesem begrenzten Kreis zu hören sein sollten, sondern in den Mainstream-Medien. Leider findet sich das dort aber nicht, gerade ist, nach dem Όχι der Griechen in der Volksabstimmung, wieder sehr viel Fiktion und nur wenige Fakten dort zum Thema zu hören. Typisch sind „Korrespondenten“, die einen halben Satz zur belegbaren Lage sagen, um dann 10 Sätze mit ihrem persönlichen Eindruck hinterherschicken, der natürlich vor allem dem entspricht, was wir hören und glauben sollen. Eingeleitet von einem „ich habe den Eindruck …“ wird so jedes Märchen sendbar, ohne den Anspruch belegbarer Fakt zu sein. Erst heute Morgen im Deutschlandfunk wieder so praktiziert, genauso wie in anderen eigentlich anspruchsvollen Nachrichtenkanälen.

Youtube macht es möglich, Georg Schramm trotzdem zuzuhören, wenn man sich die 37 Minuten Zeit nehmen will. Es lohnt sich.