Archiv für den Monat: Januar 2015

Legendenbildung in der Tagesschau

Bereits in dem Post „Fachkräftemangel oder Fachkräfte in der Mangel“ habe ich am Fachkräftemangel, einer modernen Legende der Wirtschaft, gezweifelt.

Der Telepolis Artikel „Fachkräftemangel: Mehr Schein als Sein?“ zeigt, dass sich auch die Tagesschau zum Sprachrohr arbeitgebernaher Thinktanks macht und die Legende weiter transportiert. Die Faktenlage ist, so zeigt der Artikel wunderbar, jedoch eine andere.

2014 ist das wärmste Jahr

2014 ist das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen von 1880 an, sowohl bei uns als auch weltweit. Mögen die verblieben Klimawandel-Skeptiker sich durch die folgenden Berichte noch umstimmen lassen:

http://www.wetter24.de/news/detail/2014-12-16-2014-waermstes-jahr/

http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/auf-dem-weg-zum-waermerekord-2014-waermstes-jahr-der-deutschen-wetteraufzeichnung/11040314.html

http://www.scilogs.de/klimalounge/2014-waermstes-jahr-in-europa-seit-mindestens-500-jahren/

Ich würde zum Beispiel gerne eine Auto mit 20 PS und kleinem Motor kaufen, das dadurch wirklich wenig verbraucht und preiswert ist. Doch weder bei den alten Platzhirschen in Europa noch bei neuen Anbietern aus Asien kann man so ein Auto kaufen. Vielleicht wäre das ja eine Chance für die darbende Autoindustrie in Frankreich, Italien etc.

Lügenpresse ist das Unwort des Jahres

Die Jury hat als Unwort des Jahres 2014 „Lügenpresse“ erkoren. Damit ist der Jury sowohl viel Aufmerksamkeit sicher als auch eine breite Zustimmung, weil sie eine sehr bequeme Wahl getroffen hat: Ist doch das Wort als sowohl als „Nazibegriff“ und auch durch den aggressiven Gebrauch durch die Pediga-Demonstranten schon ohne die Entscheidung der Jury anrüchig und grob vereinfachend für die meisten Menschen, auch für mich, ich habe es nie verwendet.

Und doch kann man die Entscheidung kritisieren, dass sie es sich einfach macht und das falsche Zeichen setzt. In einer Zeit, in der Kritik an den Medien eben nicht nur aus der Pediga-Bewegung kommt, sondern breit in der Gesellschaft und auch im linken Lager verankert ist, dient sich die Wahl allen an, denen diese Kritik unangenehm ist und gerne weiter so rufen. Die Kritik an den „Mainstreammedien“, auch so ein verbrauchter und über einen Kamm scherender Begriff, ist vielschichtig und differenziert, von ganz verschiedenen Teilen der Gesellschaft getragen und verdient weiter Beachtung. Die Wahl dient allen Bestrebungen diese Kritik zu deckeln wunderbar, die Kritik wird in eine Schublade gesteckt, wie praktisch ist es dabei, dass diese Schublade eine Untere ist, aus der Nazi- und Pediga-Ecke. Sie ist eine Steilvorlage für alle, die die Medienkritik mindestens so vereinfachen, wie das Wort „Lügenpresse“ die Medienlandschaft.

Dies sieht auch Albrecht Müller von den Nachdenkseiten, der die Entscheidung in einem Artikel kritisiert.

Dass man es sich vielleicht auch mit der Etikettierung „Nazis in Nadelstreifen“ zu einfach macht und es über die Pediga-Bewegung mehr zu sagen gibt, zeigt ein guter Artikel in hintergrund.de:

hintergrund.de: Die große Aggressionsverschiebung

Und dass Medienkritik auch in unsere Zeit aktiv ist und eine Berechtigung hat zeigt die Handhabung der Demonstrationsbilder unserer Politiker in Paris. Die Medien wirkten hier gerne an der Legende mit, dass die Politiker der Menge voranmarschieren, betonten oft sogar das Besondere und Geschichtsträchtige des Vorganges, haben aber die Entstehung der Bilder als Inszenierung getrennt von der eigentlichen Demonstration zwar nicht alle ganz verschwiegen, aber doch ganz klein gemacht, für den Zuschauer gerade in der Emotionalität der Ereignisse kaum erkennbar. Sie waren dabei auch nach meinem Eindruck näher an der Propaganda als an der Information des Zuschauers.

Übersichtsbild zur Entstehung des Politikerfotos

Nur kurz gezeigtes Bild im Morgenmagazin zur Politikerinszenierung

Die folgenden Artikel dokumentieren dies:

http://spiegelkabinett-blog.blogspot.de/2015/01/der-fake-von-paris.html

http://www.taz.de/Kommentar-Marsch-der-Maechtigen/!152807/

Auf den letztgenannten Kommentar in der TAZ hat Tagesschau-Chef Kai Gniffke in einem Blog mit dem Titel „Die Verschwörung von Paris“ wütend reagiert und in heftigem Ton alle Kritiker mal wieder als „Verschwörungstheoretiker“ gebranntmarkt.  In 443 Kommentaren bekommt er dafür viel Widerspruch, aber auch überraschend viel Zustimmung von treuen tagesschau-Zuschauern. Doch auch von anderer Seite bleibt Kritik an Kniffkes Wortwahl und Pauschalisierung bleibt nicht aus:

http://www.taz.de/Streit-um-Trauermarsch-Bilder-von-Paris/!152838/

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20186/die-tagesschau-wo-man-schoene-inszenierungen-nicht-bloed-hinterfragt/

Update 16.01.2015: Kritischer Artikel telepolis: „Die Wahrheit ist nur eine Fußnote der Geschichte“ und ntv-Video hinzugefügt.

Das Thema Medien bleibt sicher weiter spannend, auch Nach der Wahl zum Unwort des Jahres. Das Wort „Putin-Versteher“ hat die Jury trotz vieler Vorschläge nicht genommen. Ich denke, sie hat es sich hier zu leicht gemacht.

Dieter Tremel

13. Januar 2015

Hier mal wieder was in persönlicher Sache:

Mein großer Sohn Franz hat eben seine Fahrprüfung bestanden. In einem Telefonat haben wir uns beide sehr über diesen Schritt zum „Erwachsen werden“ gefreut. Im März wird er 18, dann kann er auch ganz alleine fahren.

Ich erinnere mich noch gut an meine Genugtuung und  Freude nach der bestandenen Prüfung und der Aushändigung meines Führerscheins. Auch wenn Abitur und Studium nachher bedeutsamer waren, so war es doch der erste große Schritt „ins eigene Leben“, wo man sich sehr zufrieden zurücklehnen und den eigenen Erfolg genießen kann.